Biathlon-Weltcup in Ruhpolding: Biathlon: Wetter bestraft Spätstarter
zuletzt aktualisiert: 17.01.2004 - 17:06Ruhpolding (rpo). Beim 10-km-Sprintrennen des Biathlon-Weltcups in Ruhpolding hat der einheimische Ricco Groß denkbar knapp einen Platz auf dem Treppchen verpasst. Die später startenden Teamkollegen blieben chancenlos.
Ganze sechs Meter fehlten dabei Biathlet Ricco Groß beim Weltcup-Heimspiel in Ruhpolding zum großen Glück. Der Lokalmatador lief im 10-km-Sprint als Vierter haarscharf an jenem Siegerpodest vorbei, das am Ende durch Halvard Hanevold, Ole Einar Björndalen und Lars Berger komplett in norwegischer Hand war.
"Läuferisch konnte ich heute mit den Norwegern mithalten. Der Trend stimmt. Ich bin mit Blick auf die WM wieder einen Schritt nach vorne gekommen", sagte Groß, der nur eine Sekunde langsamer war als Berger. Bei seinem Heimrennen profitierte der 33-Jährige aber wie die Norweger vom Glück der frühen Startnummer. Mit der Nummer neun auf dem Trikot war Groß schon fast im Ziel, als dichter Schneeregen auf das mit 13.000 Fans voll besetzte Stadion am Zirmberg niederging. Der Großteil der insgesamt 119 Starter war danach auf der immer tiefer und stumpfer werdenden Piste völlig chancenlos.
Hanevold siegt im Endspurt
Selbst der fünfmalige Olympiasieger und ansonsten mit Abstand schnellste Läufer Björndalen, der die Nummer 30 hatte, verlor 23 Sekunden auf der 2,5 Kilometer langen Schlussrunde und musste den schon sicher geglaubten fünften Saisonsieg noch an seinen Landsmann Hanevold (Nummer 15) abtreten. "Unnormal", fand Hanevold und sackte die 7500 Euro Siegprämie ein.
Zu diesem Zeitpunkt war Groß schon beim Auslaufen und baute im tief verschneiten Wald seinen Frust über die vergebene Chance zum ersten Saisonsieg ab. Ein Fehler beim allerletzten seiner zehn Schüsse, Groß musste für etwa 24 Sekunden in die Strafrunde, und Bundestrainer Frank Ullrich schlug am Schießstand die Hände über dem Kopf zusammen. "Das war ein richtig dicker Fehler. Da muss man nicht mit dem Glück hadern", schimpfte Ullrich. "Mich hat der Fehlschuss sehr geärgert. Ich habe die Waffe zu früh fallen lassen. Das darf einfach nicht passieren", meinte Groß angesichts von nur 11,2 Sekunden Rückstand auf die Siegerzeit untröstlich.
Risiko oder Glück
Wetter-Glück nahm Groß nicht für sich in Anspruch. "Jeder konnte das Risiko eingehen und sich in die erste Startgruppe auslosen lassen. Ich bin es eingegangen, andere eben nicht." Dagegen meinte der mit Startnummer 85 trotz einer tadellosen Schießleistung mit 2:02,9 Minuten Rückstand auf Platz 22 zurückgefallene Oldie Frank Luck: "Bei solchen Bedingungen hast du zwei Möglichkeiten: Entweder du gehst wieder ins Haus und stellst deine Ski in die Ecke, oder du läufst trotzdem mit. Ich habe mich für das Laufen entschieden." Und sein Oberhofer Teamkollege Sven Fischer, der mit Nummer 51 am Ende wenigstens Zwölfter wurde, ergänzte: "Als ich loslief, hat es zu schneien begonnen und als ich ins Ziel kam, hörte es auf. So etwas ist schon bitter."
Fischer überzeugte nach schwacher Staffelleistung diesmal beim Schießen, ist aber wie fast das komplette Feld im Gegensatz zu Groß und insgesamt fünf unter den besten Sechs platzierten Norwegern beim abschließenden 12,5-km-Jagdrennen am Sonntag (13.00 Uhr/live im ZDF und bei Eurosport) aufgrund des enormen Rückstandes (1:29,2 Minuten) von Anfang an ohne realistische Aussicht auf einen Podestplatz.
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