Schweizer George Bastl schlägt Rekord-Champion: Bittere Pleite für Pete Sampras
zuletzt aktualisiert: 27.06.2002 - 15:49London (rpo). Sensationell gescheitert ist in Wimbledon Rekord-Champion Pete Sampras, der gegen den Schweizer George Bastl in fünf Sätzen verlor und schon nach dem zweiten Match bei seinem Lieblingsturnier den Nebenplatz Nummer drei gesenkten Hauptes verließ.
Der Stern des besten Tennisprofis der Welt ist unaufhörlich dabei zu verglimmen. "Es ist ein größerer Schock für mich als im letzten Jahr", sagte Sampras, der damals im Achtelfinale gegen den Schweizer Roger Federer ausgeschieden war.
Es war eine Schmach für den 13-maligen Grand-Slam-Sieger, der die Tennis-Welt ein Jahrzehnt lang beherrscht hat und allein sechs Mal nacheinander die Saison als Nummer eins beendet hat - so oft wie kein Spieler vor ihm. Doch gegen Bastl war er beim 3:6, 2:6, 6:4, 6:3, 4:6 machtlos. Der 27-jährige war als so genannter Lucky Looser für den Spanier Felix Mantilla ins Hauptfeld gerutscht, nachdem er in der Qualifikation dem Frankfurter Alexander Waske unterlegen war.
"Das ist ein Schock für mich", sagte Sampras. "Es ist sehr enttäuschend. Es wird ein schwerer Heimflug für mich und harte Wochen zuhause, dass ich nicht mehr dabei bin." Unmittelbar nach der bitteren Niederlage aber wollte der Amerikaner noch nicht über sein Karriereende spekulieren: "Ich plane, noch weiterzuspielen." Allerdings klang das nicht mehr so überzeugend wie zuletzt: "Ich bin entmutigt, normalerweise macht es hier klick, aber das ist nicht passiert. Wimbledon war immer meine beste Chance, ein großes Match zu gewinnen."
Das allmähliche Ende seiner Dominanz deutete sich seit mindestens einem Jahr an, als Roger Federer, ebenfalls ein Schweizer, Sampras Serie von 31 Siegen in Folge in der vierten Runde beendete. Seit seinem historischen siebten Wimbledon-Sieg 2000 konnte Sampras kein ATP-Turnier mehr gewinnen. Doch der Wahrheit wollte der 30-Jährige nicht ins Auge schauen, trotz der andauernden Misserfolge in diesem Jahr wollte er es in seinem "Heim" noch einmal versuchen. "Wenn ich in Wimbledon spiele, dann werde ich gleich besser und selbstbewusster", sagte er noch nach der Niederlage gegen Nicolas Kiefer beim Vorbereitungsturnier in Halle.
Doch der Respekt der Kollegen vor dem "großen alten Mann" ist geschwunden. Beispiel Bastl: der 27-Jährige hatte zuvor bei einem großen Turnier erst ein Match auf Rasen gewonnen, in der ersten Runde. Er ist überhaupt nur als "Lucky Loser" ins Hauptfeld gelangt. Der Eidgenosse behielt in der entscheidenden Phase im fünften Satz die Nerven, als er beim Stand von 3:4 den wohl entscheidenden Breakball von Sampras abwehrte und seinerseits zum 5: 5 breakte.
13 Grand-Slam-Turniere hat Sampras in seiner Karriere gewonnen, mehr als je ein Spieler vor ihm. 63 Turniere gewann er in seiner Laufbahn und beendete sechs Jahre in Folge als Nummer eins der Weltrangliste. 57:2 Siege lautet seine Bilanz in Wimbledon seit 1993, auch deshalb glaubte er, auf der ehrwürdigen Anlage an der Church Road, die am Mittwoch exakt 80 Jahre stand, die Zeit anhalten zu können.
Doch das war ein Irrtum. Er hat nicht mehr die Antrittsschnelligkeit früherer Tage, die für einen "tödlichen" Volley so wichtig ist, seine einst gefürchtete Vorhand ist nur noch durchschnittlich. Die Konkurrenz hat aufgeholt. Pete Sampras hat den richtigen Moment zum Abschied verpasst.
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