Nun gegen Russland: Bitteres Ende: DHB-Auswahl verpasst wieder WM-Halbfinale
zuletzt aktualisiert: 01.02.2001 - 22:40Albertville (dpa). In der "Höhle des Löwen" haben die deutschen Handballer wie zwei Jahre zuvor unglücklich den Einzug ins Halbfinale einer Weltmeisterschaft und damit den größten Erfolg seit 1995 verpasst. Beeindruckt von der aufgeheizten Atmosphäre in der mit 5700 Zuschauern ausverkauften Olympia-Halle von Albertville unterlag der WM-Fünfte am Donnerstag im Viertelfinale Gastgeber Frankreich mit 23:26 (22:22, 8:11) nach Verlängerung.
Nach dem bitteren Ende der an Dramatik kaum zu überbietenden 70 Minuten trifft die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) am Samstag in Paris in der Playoff-Runde um die Plätze fünf bis acht auf Russland. Der Olympiasieger unterlag überraschend Ägypten im Viertelfinale mit 19:21 (7:9). "Das ist überraschend. Wir sind davon ausgegangen, dass Ägypten der Gegner ist", meinte Bundestrainer Heiner Brand verblüfft. Die Nordafrikaner spielen im Halbfinale gegen Frankreich. Im zweiten Spiel der Vorschlussrunde trifft Jugoslawien auf Titelverteidiger Schweden. Die Skandinavier setzten sich mit 34:20 (14:9) gegen die Ukraine durch, Jugoslawien schlug unerwartet den Olympia-Dritten Spanien mit 26:24 (13:10).
Bester Torschütze für die Deutschen, die zuletzt bei Olympia in Sydney ein Viertelfinale verloren hatten, war Nachrücker Thomas Knorr (Flensburg-Handewitt/6). In der 51. Minute musste Mark Dragunski (Essen) wegen einer Roten Karte nach drei Zeitstrafen vorzeitig vom Feld.
"Wenn wir ins Halbfinale gekommen wären, wäre alles möglich gewesen. Jetzt müssen wir wieder die beschissenen Platzierungsspiele machen. Die haben wir immer gemacht und sind Fünfter geworden", meinte Kapitän Frank von Behren (Minden) verärgert und enttäuscht. Fünf Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit hatte sich Jackson Richardson gegen ihn durchgesetzt und mit dem 22:22 die Verlängerung für die Franzosen erzwungen. "Ich weiß gar nicht, wo der noch vorbei gegangen ist", rätselte von Behren. Für den starken Torhüter Henning Fritz (Magdeburg) stand fest: "Das ist sehr unglücklich für uns. Wir hätten in der regulären Spielzeit gewinnen müssen. Als wir das 22:21 machten, war ich mir sicher, dass wir gewinnen."
"Wir wollen den Titel. Wir versuchen alles dafür und sind bereit", hatte Frankreichs Nationalspieler Joel Abati vom Bundesligisten SC Magdeburg vor dem Viertelfinale verkündet. Zwar mussten die Gastgeber auf vier Stammspieler wegen Verletzung und Erkältung verzichten. Doch von Beginn an setzten sie die deutsche Mannschaft unter Druck. Das Brand-Team ließ sich vor allem von der aggressiven und dynamischen Abwehr beeindrucken und fand nicht ins Spiel. Schnell führte Frankreich 3:0 (6.). Trotz einer glänzenden Leistung von Torhüter Fritz kam die DHB-Auswahl höchstens auf ein Tor heran (5:6/15.), weil im Angriff zu viele Bälle leichtfertig vergeben wurden.
Am Ende der ersten Halbzeit drohte die ohnehin aufgeladene Stimmung auf dem Parkett außer Kontrolle zu geraten. Bertrand Gille feuerte fünf Sekunden vor Ablauf der ersten 30 Minuten einen Freiwurf aus Nahdistanz mit voller Wucht ins Gesicht von Steffen Stiebler (Magdeburg), der daraufhin benommen zusammenbrach. Schiedsrichter und Betreuer hatten sichtlich Mühe, eine sich anbahnende Rangelei zwischen den aufgebrachten deutschen Spielern und den Franzosen zu verhindern. Stiebler musste mehrere Minuten lang behandelt werden, ehe er wie seine Kollegen in die Kabine gehen konnte. Zur zweiten Halbzeit konnte der Abwehrspezialist wieder auflaufen.
Hoch motiviert und konzentriert steigerte sich die deutsche Mannschaft im zweiten Durchgang und kämpfte sich mit 14:13 (39.) erstmals in Front. Die Franzosen aber ließen sich nicht abschütteln, zumal Spielgestalter Markus Baur (Wetzlar) schwach agierte und mit leichten Ballverlusten die Gastgeber immer wieder aufbaute. Nach einer 19:17-Führung (52.) schafften die Franzosen beim 19:19 (53.) erneut den Ausgleich.
Deutschland: Fritz (SC Magdeburg), Hannawald (TuSEM Essen) - Von Behren (GWD Minden/1/1), Dragunski (TuSEM Essen/1), Kretzschmar (SC Magdeburg/2), Rose (SG Wallau-Massenheim), Schwarzer (FC Barcelona/4), Stiebler (SC Magdeburg), Baur (HSG D/M Wetzlar/3/1), Kunze (TV Großwallstadt/5), Kehrmann (TBV Lemgo/1), Knorr (SG Flensburg-Handewitt/6)
Frankreich: Martini, Omeyer - Fernandez (4/1), Dinart, Gille (5), Narcisse (1), Anquetil (3), Golic (4), Girault (1), Richardson (2), Abati (2), Cazal (4)
Schiedsrichter: Hansson/Olsson (Schweden) Zuschauer: 5700 (ausverkauft) Strafminuten: 12 / 8 Disqualifikation: Dragunski (Essen/51.) nach drei Zeitstrafen
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