Tennis: WTA-Turnier am Hamburger Rothenbaum: "Blondinen-Angriff" auf topgesetzte Venus Williams
zuletzt aktualisiert: 04.05.2001 - 18:49Hamburg (rpo). Venus Williams wird ihrer Favoritenstellung beim WTA-Turnier am Hamburger Rothenbaum bislang vollauf gerecht. Auch bei ihrem zweiten Auftritt in der Hansestadt wurde die US-Amerikanerin nicht ernsthaft gefordert und zog durch ein 6:1, 6:1 über die Italienerin Silvia Farina ins Halbfinale der mit 565.000 Dollar dotierten Veranstaltung ein.
Die topgesetzte Venus Williams muss sich im Kampf um den Sieg nun einem dreifachen "Blondinen-Angriff" erwehren.Im Halbfinale trifft sie auf Jelena Dokic (Jugoslawien), die die dreimalige Hamburg-Siegerin Arantxa Sanchez mit 3:6, 7:6 (7:5), 6:2 bezwang.
Das zweite Halbfinale am Rothenbaum bestreiten Meghann Shaughnessy (USA) und Amanda Coetzer (Südafrika). Die an sieben gesetzte Amerikanerin stoppte mit 6:4, 6:4 den Siegeszug der wieder erstarkten Schweizerin Patty Schnyder (Schweiz). Die an zwei gesetzte Weltranglisten-Achte Coetzer setzte sich in einem hochklassigen und spannenden Match mit 7:5, 4:6, 6:2 gegen das große belgische Talent Justine Henin durch.
Während die "Kurzarbeit" der Weltranglisten-Zweiten - diesmal brauchte sie nur 56 Minuten - wegen ihrer überwältigenden Power beim Publikum stets mehr Staunen als Spannung hervorruft, spielten sich zwei Hamburg-Debutantinnen mit starken Auftritten in die Herzen der rund 6.500 Fans. Vor allem Jelena Dokic präsentiert sich an der Alster in Top-Form und voller Selbstvertrauen: "Ich spiele hier möglicherweise das beste Tennis meiner Karriere", sagte die 18-Jährige nach dem ersten Erfolg im vierten Vergleich mit der dreimaligen Hamburg-Siegerin aus Barcelona.
Venus Williams sieht dem Duell mit Respekt entgegen, obwohl sie ihre Jahres-Matchbilanz auf 19 Siege und nur zwei Niederlage ausbaute. Doch in bislang zwei Duellen mit Dokic hat sie bereits eine Niederlage hinnehmen müssen, vor fast genau einem Jahr - auf Sand. Vor vier Wochen allerdings setzte sie sich auf Hartplatz in Miami glatt durch. "Dieses Match könnte auch ein Endspiel sein", sagte die Weltranglisten-Zweite, die bereits vor zwei Jahren in Hamburg triumphierte, "Das Spiel von Jelena gefällt mir."
Daddy Damir hatte in der Tat noch keine Veranlassung zu einem seiner gefürchteten Wutausbrüche. Der ehemalige Lastwagenfahrer und Coach seiner Tochter saß wieder fast regungslos neben seiner Frau in der Spielerloge. Erst Anfang April ist seine halbjährige Sperre der durch die WTA abgelaufen. "Mein Vater hilft mir sehr, wir haben ein gutes Verhältnis", sagte die 28. der Weltrangliste, "es macht immer einen Unterschied, wenn man jemanden draußen sitzen hat."
Nach gelungenen Schlägen schaute die Wimbledon-Halbfinalistin immer wieder in die Loge der Eltern, der Vater munterte sie mit demonstrativem Applaus auf - auch nach dem schwachen ersten Satz. "Ich hatte einen langsamen Start, es war ziemlich kalt heute und ich war nervös", erklärte Dokic, die noch kein Turnier auf der WTA-Tour gewinnen konnte, "ich wurde dann aggressiver und habe meine Schläge besser getroffen."
Noch eher unbemerkt und bislang immer auf Nebenplätzen hat sich Meghann Shaughnessy ins Halbfinale vorgespielt. Doch die 22-Jährige aus Scottsdale/Arizona ist selbst von ihrer Leistung wenig überrascht. "Sand ist mein bester Belag", sagt die 25. im WTA-Computer, "ich habe seit meinen 14. Lebensjahr einen spanischen Coach und kann deshalb auf verschiedenen Belegen gut spielen." Durch den dritten Halbfinaleinzug in diesem Jahr wird sie im Ranking so hoch klettern, wie noch nie. "Ich treibe mich immer weiter an, um immer mehr zu erreichen", sagte die ehrgeizige Aufsteigerin.
Marlene Weingärtner im Viertelfinale gescheitert
Bol (sid). Marlene Weingärtner ist nach dem Aufwärtstrend der letzten Wochen im Viertelfinale des mit 170.000 Dollar dotierten WTA-Turniers auf der kroatischen Adria-Insel Bol gescheitert.
Die 21-Jährige vom TC BW Leimen, an Nummer fünf gesetzt, unterlag der an Position zwei geführten Französin Sandrine Testud mit 6:4, 1:6, 2:6. Zuvor hatte die gebürtige Heidelbergerin, die zwei Wochen zuvor erst im Halbfinale des US-Turniers in Charleston an Australian Open-Siegerin Jennifer Capriati (USA) gescheitert war, die Spanierin Maria Jose Martinez ausgeschaltet.
Ebenfalls im Viertelfinale gescheitert ist Titelverteidigerin Tina Pisnik. Die Slowenin, die im vergangenen Jahr in Bol den bislang einzigen Turniersieg ihrer Karriere gefeiert hatte, verlor mit 6:4, 6:7 (4:7), 1:6 gegen die Spanierin Angeles Montolio.
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