Weltcup-Auftakt der Damen: Bob: Susi Erdmann peilt Olympia-Premiere an
zuletzt aktualisiert: 09.11.2001 - 13:38Leipzig (rpo). Ganz akribisch und mit Unterstützung von Chefpilot Christoph Langen peilt die einst als "Susi Sorglos" bekannte Susi Erdmann die Olympia-Premiere im Damenbob an.
Die WM-Dritte vom WSV Königssee träumt nicht blauäugig von einer Medaille in Salt Lake City, sondern hat ihren "Rennstall" nach allen Regeln der Kunst für den Auftakt des Weltcups und der internationalen Olympia-Qualifikation am Samstag und Sonntag in Winterberg vorbereitet.
Ein besonderer Glücksgriff gelang der 32-Jährigen auf dem Materialsektor. Die dreimalige Rodel-Weltmeisterin rauscht im Olympia-Winter mit Langens einstigem Erfolgsschlitten durch die Eisröhre. "Sie hat von mir das Gerät geleast, mit dem ich in Nagano die Bronzemedaille geholt habe", verrät ihr Ex-Partner Langen. Schlitten und Kufen sind immerhin fast 100.000 Mark wert.
"Ich leite ein richtiges Unternehmen und habe wieder riesigen Spaß am Sport", sagte Erdmann: "Ein toller Ansporn, in einer anderen Disziplin bei Olympia dabei zu sein." Für die Blondine spricht eine riesige Erfahrung in den Eisrinnen der Welt und bei Winterspielen. Die seit 1979 aktive Berufssoldatin rodelte bereits 1992 zu Olympiabronze und holte zwei Jahre später in Lillehammer sogar Silber. 1998 verpasste sie als Vierte den Sprung auf das Treppchen nur knapp. Ihre WM-Titel gewann sie 1989, 1991 und 1997.
Für neuerliche olympische Lorbeeren ist schon in den acht Rennen an vier Weltcup-Stationen vollste Konzentration notwendig. Nur die besten 15 der Gesamtwertung erhalten ein Olympiaticket, allerdings maximal zwei Pilotinnen pro Nation. Neben Erdmann kann sich auch Sandra Prokoff (Winterberg), im letzten Winter erste deutsche Gewinnerin eines Weltcup-Rennens überhaupt, beste Chancen ausrechnen. In Lauerstellung liegen Katrin Dostthaler (Bad Säckingen), Cathleen Martini (Oberbärenburg), Antje Henniger (Oberhof).
Einen zusätzlichen Trumpf bekam Erdmann von Ex-Weltmeisterin Gabriele Kohlisch nach deren Rücktritt: Die 21-jährige Annegret Dietrich aus der Sprintgruppe von Trainer-Guru Thomas Springstein erwies sich als "Startrakete" und ersetzt im Team die kurzfristig "abgewanderte" Ex-Weltmeisterin Kathleen Hering. Dietrich, 1999 Junioren-Europameisterin in der Sprintstaffel, erhält wie Tanja Hees und Birgit Brodbeck zwei Weltcup-Einsätze.
Vor der Trainingswoche in Park City im Dezember muss "Personalchefin" Erdmann dann die heikle Entscheidung treffen. Erdmann: "Aber auch ich darf mir nicht zu sicher sein. Wenn ich zwei Rennen verhaue, wird es eng mit der Qualifikation."
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