Borussia Mönchengladbach: Dominguez weiß, wie Europa League geht
VON ANDRE SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 26.01.2013Mönchengladbach (RPO). Der Spanier im Borussia-Trikot gewann den Wettbewerb schon zweimal mit Atlético Madrid. Er freut sich auf Duelle mit Top-Teams.
Alvaro Dominguez weiß genau, wie sich dieser "Pott" anfühlt, dieses 15 Kilo-Ungetüm aus Silber, mit einem Marmor-Sockel mit vielen bunten Fähnchen versehen. Eine Nachbildung des Uefa-Cup steht, immer säuberlich poliert und nur mit Samthandschuhen berührt, im Eingangsbereich des Borussia-Park, als Erinnerung an die glorreichen Zeiten der Gladbacher in den siebziger Jahren.
Alvaro Dominguez kann mit viel jüngerer Historie dienen: Der Spanier hatte trotz seiner erst 23 Jahre den Uefa-Cup bereits zweimal in seinen bloßen Händen: Als Sieger. Es waren Star-Mannschaften während seiner Zeit bei Atlético Madrid, mit denen er den Titel holte.
Doppeltes Kunststück
2010, es war die Saison, in der Dominguez gerade zum Shooting-Star in der Primera Division wurde, standen Diego Forlan (der beide Tore zum Sieg schoss) und Sergio Agüero mit ihm auf dem Platz. 120 Minuten brauchte Atlético, um den FC Fulham in die Knie zu zwingen – und Dominguez, der in dem Spiel ein einziges Foul beging, stand die ganze Zeit auf dem Feld. Nur drei Chancen ließ Atlético zu, es war trotz der Verlängerung ein verdienter, souveräner Sieg. Und für Dominguez das Highlight seiner ersten Saison als regulärer Stammspieler der Mannschaft.
Schon hing die Goldmedaille des europäischen Fußball-Verbandes um seinen Hals. Das erreichen andere Spieler in ihrer ganzen Karriere nicht. Dominguez vollbrachte dieses Kunststück indes gleich zweimal – auch wenn sein Einfluss beim zweiten Europapokal-Triumph doch etwas geringer war. Ausgerechnet zur Schlussphase der abgelaufenen Saison hatte der 23-Jährige seinen Stammplatz bei Atlético verloren, durfte meist nur noch als Kurzarbeiter in der Schlussphase ran. So auch im zweiten großen Finale seiner Karriere.
37 Europacup-Einsätze
Längst war in Bukarest beim 3:0 im rein spanischen Duell gegen Athletic Bilbao alles gelaufen, längst hatten die offensiven Superstars wie Falcao (zwei Tore) oder Diego (heute in Wolfsburg) ihr Werk getan, als Dominguez in der 93. Minute aufs Feld durfte. Mit nacktem Oberkörper feierte der Spanier den Triumph trotzdem genau so ausgelassen wie seine Mitspieler, schließlich hatte der Abwehrspieler in den vielen Spielen zuvor gegen Valencia, Hannover 96 oder Udinese Calcio tatkräftig zum Finaleinzug beigetragen. Mit zwei Titeln wird der Spanier zum ausgemachten Europapokal-Experten.
30 Einsätze stehen für ihn in der Euroleague zu Buche, hinzu kommen sechs Spiele in der Champions League sowie ein Auftritt im europäischen Supercup (2:0-Sieg gegen Inter Mailand). Dominguez hatte alles gespielt – er kennt die Voraussetzungen für den Erfolg in Europa. "Du musst vor allem stabil sein", sagt er. "Es kommt nicht drauf an, wie technisch du bist oder wie viele Tore du schießt. Klar, auch das ist wichtig. Aber das Wichtigste ist, welche Lösungen du parat hast, wenn es schwierig wird. Ein Stadion, das du noch nicht kennst, das völlig neu für dich ist, mit feindseliger Atmosphäre. Wie reagierst du, wenn du ein frühes Tor kassierst? Oder eine Rote Karte? Das sind die Momente, in denen sich zeigt, welche Mannschaft das Zeug zum Titel hat – und welche nicht. Du darfst keine dummen Fehler machen."
Für ihn kommt es in den Knockout- Spielen vor allem auf die Defensive an. "Angreifer gewinnen Spiele. Verteidiger holen die Meisterschaften", sagt der zentrale Abwehrspieler selbstbewusst. "Die Europa League ist ein schwieriger Wettbewerb. Es sind sehr viele Spiele bis zum Finale, es gibt gute Gegner, die im Verlauf des Turniers immer besser werden. Und dann sind da auch noch die vielen Reisen. Damit musst du leben – und du brauchst Spieler, die damit umgehen können."
Hat Borussia das Zeug zum Erfolg? Der Spanier hält das für durchaus möglich. "Wir haben einige Spieler mit internationaler Erfahrung. Luuk de Jong, Granit Xhaka oder Martin Stranzl haben im Europapokal gespielt. Außerdem werden wir immer solider in der Abwehr. Es ist schwer, gegen uns zu bestehen. Auch für europäische Spitzenteams."
Dominguez kann überhaupt nicht verstehen, warum die Europa League bei eben diesen Mannschaften oft so einen schlechten Ruf hat. "Cup der Verlierer" nannte Franz Beckenbauer den Wettbewerb einst verächtlich. Viele Teams schicken nur ihre zweite Garde auf den Platz, Sir Alex Ferguson, Trainer von Manchester United, bezeichnete die Europa League sogar als "Abstieg" für seine Mannschaft. "Ich glaube, dass die Europa League hinter der Champions League der zweitgrößte Vereinswettbewerb der Welt ist", betont der Spanier. "Hier spielen doch auch Mannschaften wie Ajax Amsterdam, Chelsea London, Atlético Madrid oder wir. Gute Mannschaften. Und den Europapokal zu gewinnen, bringt eine Menge Prestige. Ich weiß, wovon ich da rede."
Dominguez‘ Begeisterung ist verständlich. Mit seinen 23 Jahren hat er selbst auch schon in Liverpool gespielt, in Rom, in Finalspielen. Er sammelte Wissen, das von unschätzbarem Wert ist – vor allem angesichts der Tatsache, dass in Borussias Europa-Kampagne jetzt die K.o.-Phase beginnt. Es kommt nun auf jedes Spiel an. Angefangen beim Zweikampf mit Lazio Rom.
"Der Rasen war grauenhaft"
Gegen die Mannschaft spielte der Spanier bereits im Europapokal. Im Februar 2012 saß der 23-Jährige in Rom zwar nur auf der Bank, doch an das Erlebnis erinnert er sich noch genau. "Es war so laut im Stadion", sagt er. "Und der Rasen war grauenhaft." Im Rückspiel dann durfte Dominguez 90 Minuten ran. "Lazio hat aber ein tolles Team, mit starken Mittelfeldspielern und guten Stürmern. Die Mannschaft spielt typisch italienisch, sehr defensiv, sehr abwartend, auf ihre Chance lauernd. Sie sind gegen uns sicherlich der Favorit. Aber vielleicht ist das für uns gar nicht so schlecht, sie in dieser Position zu lassen."
Doch eines ist für den Spanier noch viel wichtiger. Denn es sind noch acht Spiele bis zu einem möglichen Finaleinzug. "Und daran", sagt er, "darfst du erst gar nicht denken. Wir stehen jetzt in der K.o.- Phase. Du musst jedes Spiel wie ein Endspiel betrachten. Jedes. Nur dann kannst du weiterkommen. Denn deine Gegner – die werden das gleiche tun."
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