Borussia Mönchengladbach: So schießt man Tore gegen Fortuna
VON THOMAS GRULKE - zuletzt aktualisiert: 26.01.2013 - 10:17Mönchengladbach (RPO). Luuk de Jong hat es mit einer artistischen Einlage versucht, Juan Arango aus der Distanz. Patrick Herrmann und Igor de Camargo liefen aussichtsreich auf das Düsseldorfer Tor zu. Doch entweder stand der lange Torwart Fabian Giefer im Weg, oder aber die Borussen schossen gleich neben das Tor. So hat es Gladbach fertiggebracht, in den bisherigen 210 Spielminuten dieser Saison gegen Fortuna Düsseldorf (90 im Bundesliga-Hinspiel, 120 beim Pokal-Aus der Gladbacher in der zweiten Hauptrunde) trotz guter Chancen keinen einzigen Treffer zu erzielen.
Gewiss: Fortuna überzeugte als Liga-Neuling vor allem durch ihre kampfstarke und disziplinierte Defensivarbeit. Doch dass zum Toreschießen gegen die Düsseldorfer keine Zauberei nötig ist, haben schon genügend Mannschaften bewiesen. 25 Treffer kassierte Fortuna bislang in der Liga. Jüngst beim 2:3 daheim gegen den FC Augsburg half sie sogar kräftig mit, dass der abschlussschwache FCA gleich dreimal traf. Dabei patzte selbst der sonst so zuverlässige Giefer mit zwei Slapstick-Einlagen. Und im Pokal verhagelte der Drittligist Kickers Offenbach den Düsseldorfern mit einem 2:0 die Laune.
Arango wie Huntelaar?
Es gibt also Hoffnung für Borussia. Zu Beginn der Saison gab es allerdings selten eine schlechte Stimmung in Fortunas Hintermannschaft. Es dauerte seine Zeit, bis das Düsseldorfer Bollwerk in der Hinrunde erstmals überwunden wurde. Der erste Spieler, der gegen den Aufsteiger traf, war Schalkes Torjäger Klaas Jan Huntelaar – am sechsten Spieltag. 463 gegentorlose Minuten zum Auftakt bedeuten für einen Aufsteiger eine bemerkenswerte Bestmarke. Doch dann kam Huntelaar und traf per Distanzschuss mit seinem linken Fuß.
Hinrundenbilanz Fortuna Düsseldorf belegt nach dem 18. Spieltag den 14. Tabellenplatz. Der Aufsteiger holte bislang 21 Punkte.
Gegentore In der Liga musste Fortunen-Torwart Fabian Giefer 25 Mal hinter sich greifen. Damit stellt Düsseldorf die achtbeste Defensive der Liga.
Verteilung 16 Tore kassierte Fortuna im eigenen Stadion, neun auswärts. Elf der 25 Gegentreffer setzte es vor der Pause, 14 nach dem Wechsel, davon alleine sechs in der Schlussviertelstunde.
Distanzschuss und linker Fuß: Das hört sich verdächtig nach Juan Arango an. Borussias Venezolaner hat im Januar noch kein potenzielles Tor des Monats erzielt – das Spiel gegen Fortuna ist somit seine letzte Chance. Es besteht also die berechtige Hoffnung, dass er sich noch was aufgehoben hat für das Derby. Arango ist bei Borussia auch der Mann für die Standards. In dieser Disziplin hat Düsseldorf aber bislang verhältnismäßig wenig zugelassen. Zwei Tore resultierten aus Freistößen, ein weiteres aus einem Eckball. Zudem musste Giefer einmal nach einem Elfmeter hinter sich greifen. Sollte der Schiedsrichter heute auf den Punkt zeigen, stünden aus elf Metern mit Filip Daems oder Thorben Marx auch sehr treffsichere Schützen zur Verfügung.
Anfällig über außen
In Sachen Standardsituation war noch etwas auffällig bei Fortunas Gegentoren: Zwei Treffer kassierte sie direkt im Anschluss an einen gegnerischen Einwurf. Das wäre dann ein Fall für Havard Nordtveit, dessen Einwürfe durchaus als Flanken durchgehen. Die wenigen Standard-Gegentreffer bedeuten aber auch, dass Fortuna aus dem Spiel heraus ein bisschen mehr zuließ. Durch die Mitte kam der Gegner allerdings selten zum Erfolg. Nur fünf Tore kassierte Düsseldorf, wenn der gegnerische Angriff durch das Zentrum lief. Dafür war Norbert Meiers Mannschaft über die Außenbahnen anfällig. Über die rechte Seite wurde Fortunas Abwehr achtmal ausgespielt, über die linke Seite fielen sogar neun Gegentore.
Da die Gladbacher guten Willens sind, ab sofort häufiger über die Flügel anzugreifen, um Stoßstürmer Luuk de Jong mit ausreichend Flanken zu versorgen, sollten die Ex-Gladbacher Tobias Levels und Johannes van den Bergh, die äußeren Mitglieder der Düsseldorfer Viererkette, heute genug zu tun bekommen. Eine andere, schon traditionelle Gladbacher Spezialität könnte auch zum Tragen kommen: Fünf der 25 Fortunen-Gegentore resultierten aus Kontern. Und bei Spielern wie Arango, Herrmann oder Peniel Mlapa sollten die Gladbacher im Umschaltspiel flott vor das Düsseldorfer Tor kommen können. Steht der Aufsteiger nicht geordnet oder verliert im Aufbau den Ball, droht Gefahr für Giefers Tor. Das haben insbesondere die Gegentreffer bei den Niederlagen in Leverkusen (2:3) und Bremen (1:2) unter Beweis gestellt.
Fortuna ist auswärtsstark
Doch auch mit einem gepflegten Spielaufbau kann man gegen Fortuna zum Erfolg kommen. Beispielhaft in der Liga ist darin der FC Bayern München. Der Rekordmeister brachte den Gastgeber in der Düsseldorfer Arena dermaßen ins Trudeln, dass sogar ein ausgewiesener Nicht-Torjäger wie der Brasilianer Rafinha kurz vor Schluss noch einen Treffer zum 5:0 beisteuern durfte. Auch die zweithöchste Niederlage kassierte Fortuna im eigenen Stadion – es war eine Woche nach der Pleite gegen die Bayern ein 1:4 gegen den VfL Wolfsburg.
Auf fremden Plätzen hielt sich Meiers Truppe sehr wacker, was die nur neun Gegentore in acht Auswärtsspielen dokumentieren. Es gehört Geduld dazu, den Düsseldorfer Abwehrriegel zu knacken, immerhin ließ die Mannschaft in der Anfangsviertelstunde gerade mal ein Gegentor zu. Doch den Gladbachern wird es herzlich egal sein, wann die Tore fallen. Hauptsache, sie fallen. 210 torlose Minuten gegen den Nachbarn vom Rhein sind genug. Und es haben schon genügend Mannschaften gezeigt, wie es geht. Wenn es dazu noch eines Beweises bedurft hätte, das 2:3 gegen Augsburg lieferte ihn.