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Italy Soccer Serie A
  Foto: dapd, Marco Rosi
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Borussia Mönchengladbach: Wie Berlusconi die Neureichen rettete

VON OLIVER BIRKNER - zuletzt aktualisiert: 26.01.2013

Mönchengladbach (RPO). Klose ist für die Fans Papst, Panzer und Hai. Am 14. Februar kommt er nach Gladbach. Der "Kicker"-Korrespondent stellt Lazio Rom vor.

Die einen wählten „la lupa“ (die Wölfin), die Romulus und Remus nährte. Die anderen den Adler, als Sinnbild für das römische Imperium und Zeus. Der AS Rom kleidete sich in Gelb und Rot, die offiziellen Farben der Ewigen Stadt. Gelb wie die Schnäbel der schnatternden Gänse, die 390 vor Chr. die Gallier an der nächtlichen Plünderung der Burg auf dem Kapitol hinderten. Rot wie das Opferblut, das traditionell auf jenem Hügel der Stadt floss.

Lazio erklärte Weiß und Hellblau zur eigenen Couleur, in Ehren Griechenlands, Heimat des Sports und der Olympischen Spiele, Inspiration für die Gründer der Società Sportiva Lazio, die nicht die Hauptstadt, sondern die gesamte gleichnamige Region repräsentieren sollte. Am 9. Januar 1900 wurde der Klub deshalb eigentlich als Leichtathletik-Verein gegründet. Ein Jahr später schaute ein gewisser Bruto Seghettini, Mitglied des Racing Club Paris, im Lazio-Hauptsitz vorbei, brachte einen Fußball mit und erörterte die Grundregeln dieser für Italien neuen sonderbaren Sportart.

Klub der Neureichen

Im Geiste regierte offenbar noch die Leichtathletik, denn erst in mehreren Freundschaftskicks gegen Schotten aus dem römischen Priesterseminar lernten die Laziali, dass sich ein Passspiel bisweilen sinnvoller erwies als alleine mit der Kugel am Fuß über das Feld zu sprinten. Gebürtige Römer, alte Aristokratie und Arbeiter adoptierten indes die AS Roma zum genuinen Vertreter ihrer Stadt, Lazio galt als Klub der Neureichen, Beamten, Minister und Zugereisten – eine Tatsache, die den Lazio-Tifosi bis heute unter die Nase gerieben wird.

Viele Erfolge sicherten sich beide Klubs seither nicht. Zweimal holte Lazio die Meisterschaft, dreimal die Roma. Bis heute bastelt sich der römische Fan deshalb gern obskure Verschwörungstheorien gegen die verachteten und präpotenten Mächte aus dem Norden. Folglich gewann das Derby besondere Bedeutung, sich zumindest die Vorherrschaft der Stadt zu sichern. Am Calcio führt in einer der Fußball-verrücktesten Städte der Welt kein Weg vorbei. Mehr als zehn lokale Radiosender palavern täglich ausschließlich über die Schicksale der Teams, und selbst das Parlament stellt offizielle Fanklubs beider Vereine.

Derbysieg statt Meisterschaft

Derbysiege führten zu Striptease auf dem Campo de’ Fiori oder ließen Lazio-Coach Delio Rossi ekstatisch nach einem 3:0 im Dezember 2006 mitten in der Nacht in den Gianicolo-Brunnen hüpfen. Anders als in Mailand oder Turin kann der Sieg im "Derby della Capitale" eine Saison retten. Anstelle der Meisterschaft wählen viele einen Erfolg im Stadtduell – und sind von diesem Dogma tatsächlich überzeugt.

Immerhin darf man als Laziale momentan wieder überlegen lächeln. Dem Hoch Ende der 1990er Jahre, als man 1998 als erster italienischer Verein an die Börse ging, 1999 in der letzten Ausgabe des Europapokals der Pokalsieger triumphierte und 2000 mit Stars wie Alessandro Nesta, Pavel Nedved oder Juan Sebastian Veron das Double gewann, folgte das prekäre Kratzen am Konkurs. Im Zuge des Zusammenbruchs vom Lebensmittelunternehmen des Lazio-Präsidenten Sergio Cragnotti samt dessen Inhaftierung wegen betrügerischen Bankrotts sah sich der Klub gezwungen, seine wertvollsten Juwelen schnellstmöglich zu verkaufen.

Am 19. Juli 2004 rettete der kauzige Reinigungsunternehmer Claudio Lotito mit einer Finanzspritze Lazio vor dem Aus – auch dank höflicher Unterstützung durch das Dekret von Premier Silvio Berlusconi, der dem Verein per Gesetz erlaubte, Steuerschulden in Höhe von 191 Millionen Euro binnen zehn Jahren abzustottern. "Ich übernahm den Verein bei seiner Beerdigung und habe ihn ins Wachkoma geführt", brüstet sich Lotito bis heute. Sein stringenter Sparkurs erntete ihm zwar böse Sprechchöre aus der Fankurve, belohnte Lazio jedoch mit gesunden Bilanzen.

En passant jagte Lotito die geschmacklosen rechten Parolen aus der Nordkurve des Stadio Olimpico, die sich während des Derbys 1998 auf einem Spruchband mit höchst üblen Parolen zum ekelhaften Tiefpunkt erniedrigt hatte. Fünfter vor zwei Jahren, Vierter in der Vorsaison, aktuell Zweiter der Tabelle – sportlich geht das Führungsduo Lotito mit dem ehemaligen Bundesliga-Spieler und Sportdirektor Igli Tare zweifelsohne auf. Eine funktionale Mannschaft ohne Stars, aus der Miroslav Klose heraussticht, der für die Römer zum Hauptgewinn avancierte.

Inflationäre Spitznamen

26 Treffer seit seinem Wechsel aus München nach Rom im Sommer 2011: Inzwischen ist man in der Hauptstadt tatsächlich überzeugt, Kloses Rendezvous mit dem Tor wird genauso pünktlich eintreffen wie Ebbe und Flut im römischen Hafenstädtchen Civitavecchia. Das Urteil der italienischen Gazetten lautet: "Lazios Erfolgsrezept heißt: einfach Klose anspielen." Inflationär versahen ihn die Laziali bereits mit den Spitznamen "Iceman", "Mythos", "Scharfschütze", "Torhai", "Panzer". In Anlehnung an das englische "closed" (geschlossen) geben die Tifosi den Gegnern per Transparent zu verstehen: "The game is Klose!" Einige fordern sogar, Miro Klose zum Papst zu machen. Doch so etwas entscheiden zum Glück nicht Fußballfans.

Quelle: seeg

 
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