Einstiger IBF-Präsident ging k.o.:: Boxen: Haftstrafe für Robert W. Lee
zuletzt aktualisiert: 15.02.2001 - 13:06Newark (dpa). Der ehemalige Präsident und Gründer der Internationalen Boxing Federation (IBF) ist durch seine kriminellen Machenschaften k.o. gegangen. Das Bezirksgericht von Newark im US- Bundesstaat New Jersey hat am Mittwoch den wegen Bestechung, Geldwäsche und Steuerhinterziehung angeklagten Robert W. Lee zu 22 Monaten Gefängnis und 25.600 Dollar Geldstrafe verurteilt. In einem Zivilverfahren wurde ihm außerdem zeitlebens verboten, im Boxsport noch einmal tätig zu sein. Des weiteren muss er 50.000 Dollar an die IBF sowie alle seine während der Präsidentschaft eingenommenen Gelder zurückzahlen. Die Gesamtsumme beläuft sich auf rund 350. 000 Dollar. "Lee missbrauchte seine Macht auf schändliche Weise zur Bestechung. Er widerstand nicht der Versuchung, diese Organisation zu stürzen", sagte Bezirksrichter John Bissell in der Urteilsbegründung.
Vier Jahre hatte die US-Bundespolizei FBI mit Hilfe eines Spitzels aus den Reihen der IBF und die Steuerbehörde IRS gegen den 67- jährigen Lee sowie dessen Sohn Robert Lee Jr., den früheren Präsidenten der US-Boxing Association Donald Brennan und IBF- Commissioner Francisco Fernandez (Kolumbien) ermittelt. Das spektakuläre Beweismaterial belegt, dass sie Ranglistenplätze manipuliert, Geld gewaschen, Steuern hinterzogen und Kampfurteile durch Bestechungsgelder beeinflusst haben.
Insgesamt seien 338.000 Dollar als Schmiergeld geflossen. Nach einem viermonatigem Prozess ist Lee Senior vorigen August in 6 der 33 Anklagepunkte für schuldig befunden worden. Sein Sohn wurde in seinen neun Anklagepunkten freigesprochen. Vom Zivilgericht erhielt er aber die gleichen Strafen wie sein Vater.
Lee Senior, dessen Anwalt in Berufung gehen will, muss seine Haft am 30. März antreten. Sein Verteidiger Gerald Krovatin hatte gegen eine Gefängnisstrafe plädiert. Er begründete das mit dem Alter und schlechten Gesundheitszustand seines Mandanten. Er sprach von einer Verschwörung, die die weißen Promotor gegen den schwarzen Präsidenten geführt hätten. "Ich atmete dem Boxprogramm in diesem Land Leben ein. Ich habe den Boxern, Promotorn und Managern viele Möglichkeiten eröffnet. Nun stehe ich in der Kälte", klagte der greisenhaft wirkende Lee. 1984 hatte er den heute drittgrößten Box-Weltverband gegründet. Es ist der einzige mit Sitz in den USA.
Neben den vier Hauptangeklagten wurde gleichzeitig gegen 23 Boxer und sieben Promotor ermittelt. Zu letzteren gehörte auch Wilfried Sauerland. Der deutsche Geschäftsmann mit Wohnsitz in der Schweiz wurde als Zeuge vernommen. Dabei sagte er vor Gericht, dass der nicht stattgefundene Revanchekampf um die IBF-Weltmeisterschaft im Schwergewicht zwischen seinem Schützling Axel Schulz und Titelverteidiger George Foremann (USA) durch die Forderung von 100.000 Dollar erpresst wurde. Sauerland hatte keine andere Chance gesehen, um dem Profi aus Frankfurt/Oder einen Rückkampf zu ermöglichen. Ihm sei damals nicht bewusst gewesen, das er wegen einer derartigen Zahlung jemals mit der US-Justiz in Konflikt kommen würde.
Sauerland habe die Summe in Bar seinem US-Partner Cedric Kushner übergeben. Dieser reichte sie im Juni 1995 in einem Hotelzimmer in Las Vegas an Lee Senior weiter. Erst daraufhin ordnete die IBF das Revanche-Duell an. Nach seinem umstrittenen Punktsieg am 22. April 1995 verzichtete Foreman jedoch auf einen zweiten Kampf und legte den WM-Gürtel freiwillig nieder. Sein Geld bekam Sauerland nie zurück.
Dafür wurden die an dem Kuhhandel unmittelbar beteiligten Kushner und Foremans Manager Bob Arum zur Kassen gebeten. Kushner, der der IBF mehrfach Geld zusteckte, um bessere Ranglistenplätze für seine Boxer zu erwirken, muss 200.000 Dollar Strafe zahlen. Arum, der die IBF für das Zustandekommen des ersten WM-Fights zwischen Foreman und dem in der Weltrangliste unplatzierten Schulz mit 100.000 Dollar spickte, wurde zu einer Buße von 175.000 Dollar verurteilt.
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