Schwere Vorwürfe: Boxen: IBF-Boss Lee Sr. drohen 20 Jahre Gefängnis
zuletzt aktualisiert: 20.07.2000 - 14:59Newark (sid). Nach 15-wöchigen Verhandlungen steht der Prozess gegen ehemalige führende Mitglieder des skandalumwitterten Profibox-Weltverbandes IBF vor dem Abschluss. Die Anklage hielt in der Nacht zum Donnerstag deutscher Zeit ihr Plädoyer. Vor Gericht stehen unter anderem wegen der Manipulation von Weltranglisten der ehemalige IBF-Gründer und Präsident Robert W. Lee Sr., dessen Sohn Robert Lee Sr. sowie zwei weitere ehemalige hochrangige Offizielle des Verbandes.
Insgesamt umfasst die Anklage 32 Punkte. Sollte der Hauptangeklagte Lee Sr. wegen der schwerwiegendsten Vorwürfe "Organisiertes Verbrechen", "Verschwörung" und "Geldwäscherei" für schuldig befunden werden, droht dem 66-Jährigen die Höchststrafe von 20 Jahren Haft nebst einer Maximal-Geldstrafe von umgerechnet 1,5 Millionen Mark.
Der stellvertretende US-Staatsanwalt Marc Agnifilo führte den Juroren in seinem effektvollen Plädoyer, in dem er mit einem 4.000-Dollar-Geldbündel in einer Plastiktüte hantierte, nochmals die kriminellen Praktiken vor Augen. "Es gibt nichts, das auf etwas anderes als Korruption hindeutet", erklärte Agnifilo.
Insgesamt sollen Lee Sr. und seine Mitarbeiter zwischen 1985 und 1999 338.000 Dollar von diversen Promotern bekommen und als Gegenleistung deren unbekannte Boxer in den Weltranglisten nach oben gesetzt haben. Die wohl schwerwiegendste Aussage machte in diesem Zusammenhang US-Großpromoter Bob Arum, der 1995 für die Sanktionierung des Fights zwischen seinem Schwergewichts-Champion George Foreman und dem damals unplatzierten Axel Schulz rund 100.000 Dollar bezahlte. Mit diesem Geständnis riskiert Arum einen Entzug seiner Veranstalter-Lizenz.
Auch der damalige Schulz-Promoter Wilfried Sauerland belastete Lee Sr. mit seiner Aussage. Für eine Revanche gegen Foreman, die letztendlich wegen der Weigerung des Box-Oldies nie stattgefunden hat, stellte Sauerland 100.000 Dollar zur Verfügung. Anstatt gegen Foreman hatte Schulz im Dezember 1995 gegen Francois Botha gekämpft. "Es zeigt alles in eine Richtung: Mr. Lee Sr. und Mr. Lee Jr. sind in jedem der Anklagepunkte schuldig", stellte der stellvertretende Staatsanwalt fest.
Die Verteidigung hielt ihr Plädoyer in der Nacht zum Freitag deutscher Zeit. Anwalt Gerald Krovatin erklärte, dass die Vorwürfe gegen seinen Mandanten Lee Sr. "rassisch" motiviert seien. Der farbige Lee Sr. sei ein Opfer der Missgunst weißer Promoter, die sich mit der Regierung zusammengetan haben. Der Prozess ist Bestandteil einer Regierungs-Initiative zur Säuberung des Profiboxens in den USA.
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