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Boxen
Abraham lässt Dauerrivale Stieglitz keine Chance

Fotos: Abraham besiegt Stieglitz
Fotos: Abraham besiegt Stieglitz FOTO: dpa, frg
Halle/Westfalen. Boxer und ihre Trainer führen eine ganz spezielle Beziehung. Ein ganz besonderes Paar sind Arthur Abraham und Ulli Wegner. Die beiden arbeiten seit 2003 zusammen. Wegner, 73, hat seinen Schützling zum Weltmeister gemacht. Sie haben auch diesen Titel wieder verloren. Und wieder gewonnen. Von Gianni Costa

Abraham, 35, war mal kämpferisch im Ring, mal hoffnungslos unterlegen, oft lustlos, einmal wurde er schwer verletzt und verteidigte trotz gebrochenen Kiefers seinen Gürtel.

Vor dem Wochenende verkündete der Trainer vorsorglich in Richtung des Berufsboxers: "Wenn er verliert, höre ich auf." Abraham sorgte schnell für klare Verhältnisse. Er verteidigte seinen WBO-Titel im vierten Duell im Supermittelgewicht gegen Dauerrivale Robert Stieglitz aus Magdeburg durch technischen K.o. in der sechsten Runde. Der Titelverteidiger feierte im 47. Profi-Kampf den 43. Sieg. Vier Niederlagen stehen bei dem Deutsch-Armenier zu Buche, eine davon kassierte er gegen Stieglitz. Für den 34 Jahre alten Deutsch-Russen war es die fünfte Niederlage im 53. Kampf.

Arthur Abraham lächelte ziemlich bemüht drein. Man verzieh ihm die Mimik schnell, als er den Grund offenbarte. "Meine Backenzähne", nuschelte er in die Mikrofone. "Meine Backenzähne tun mir wahnsinnig weh." Er zeigte auf seine linke obere Wangenpartie. Schon während des Kampfes hatte er in einer Pause im Ring sein Leid ausführlich geklagt. "Trainer, meine Zähne sind kaputt." Wegner wollte sich indes mit dem Wehklagen nicht zu intensiv beschäftigen. "Arthur, dafür haben wir jetzt keine Zeit." Ende der Durchsage. Alles ging vergleichsweise gut. Bei einer Untersuchung stellte sich gestern dann heraus, dass Abrahams Oberkiefer angebrochen war.

Am 23. September 2006 war es deutlich blutiger. Die Titelverteidigung von Abraham gegen den Kolumbianer Edison Miranda ging als "Blutkampf von Wetzlar" in die Sport-Geschichtsbücherein . Abraham erlangte weltweit zweifelhafte Berühmtheit, weil er acht Runden mit doppelt gebrochenem Unterkiefer durchstand. Man kann das heldenhaft bezeichnen, durchaus zulässig ist aber auch die Feststellung, dass es ein unverantwortlicher Umgang mit der Gesundheit ist.

Abraham hat nun alle Möglichkeiten. Er kann entweder die Weltrangliste rauf und runter boxen. Oder sich mittelfristig auf das Duell mit Felix Sturm konzentrieren. Es ist das einzig verbliebene Duell auf dem deutschen Markt, dass die Zugkraft hätte, um ein größeres Publikum anzuziehen. Abraham hat schon einmal in aller Bescheidenheit darüber nachgedacht, dafür das Olympiastadion in Berlin zu reservieren - mit einem Fassungsvermögen von dann mehr als 80 000 Zuschauern. Ein fünftes Duell zwischen Stieglitz und Abraham wird es definitiv nicht geben.

Quelle: RP
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