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Box-WM
Harutyunyan in Topform – und Titelkandidat

Box-WM: Artem Harutyunyan wird zum Titelkandidaten
Artem Harutyunyan bei den Olympischen Spielen 2016. FOTO: dpa
Hamburg. Erst hochkonzentriert, dann tiefenentspannt: Mit einer Glanzleistung hat Lokalmatador Artem Harutyunyan bei den Weltmeisterschaften der Amateurboxer in Hamburg ein unübersehbares Ausrufezeichen gesetzt – und wird damit zu einem Titelkandidat.

Der Olympia-Dritte von Rio de Janeiro boxte seinen englischen Gegner Luke McCormack nach allen Regeln der Kunst aus und ist in dieser Verfassung ein ernstzunehmender Titelkandidat.

"Ich will Weltmeister werden. Gold glänzt am besten", sagte der Halbweltergewichtler nach seinem engagierten Kampf und wirkte dabei fokussiert und gelassen zugleich. Dass viele Freunde und die gesamte Familie seinen WM-Auftakt in der Alsterdorfer Sporthalle emotionsgeladen verfolgten, brachte Harutyunyan nicht aus dem Konzept, im Gegenteil.

"Ich hatte meinen Plan, und der hat funktioniert", sagte der 27-Jährige, der seinem Konkurrenten nicht die Spur einer Chance ließ. Nach einem Ruhetag trifft Harutyunyan am Dienstag auf Asienmeister Ikboljon Choldarow aus Usbekistan.

Mehr Mühe beim Berliner Omar El Hag

Ähnlich souverän qualifizierte sich "Halbfliege" Salah Ibrahim für die Runde der letzten Acht. Der 19 Jahre alte Münsteraner besiegte Shaffi Hassan aus Kenia einstimmig nach Punkten, dabei musste sein Kontrahent in der ersten Runde sogar angezählt werden.

"Afrikaner boxen meistens eher unorthodox, deshalb wusste ich nicht genau, was mich erwartet. Auf jeden Fall bin ich mit einem guten Gefühl aus dem Ring gekommen", sagte Ibrahim.

Mehr Mühe hatte der Berliner Omar El Hag, den nur drei der fünf Kampfrichter bei seinem Bantamgewichts-Kampf gegen Ryomei Tanaka aus Japan vorn sahen. Ausgeschieden ist Silvio Schierle aus Saalfeld, der Mittelgewichtler unterlag dem Kasachen Abilchan Amankul einstimmig nach Punkten.

Druck auf Präsiden Wu Ching-Kuo erhöht

Bereits am Mittag hatte das Exekutivkomitee des Amateurbox-Weltverbandes AIBA den Druck auf den umstrittenen Präsidenten Wu Ching-Kuo erhöht. Das Gremium forderte den Taiwanesen am Rande der WM auf, für den 23. September eine außerordentliche Sitzung des Exekutivkomitees anzusetzen und seine Teilnahme am Jahreskongress am 12. November zu bestätigen.

Die AIBA hat aktuell 25 Millionen Euro Schulden angehäuft, der 70 Jahre alte Wu gilt als Hauptverantwortlicher für die Finanzmisere. Er verließ die Hansestadt bereits am Freitag nur 24 Stunden nach der offiziellen WM-Eröffnung, seine Rückkehr während der Welttitelkämpfe gilt als unwahrscheinlich.

Wegen der undurchsichtigen internen Machenschaften bei der AIBA sagte auch Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), seinen für den 2. September geplanten WM-Besuch ab. Der 63-Jährige wollte die Finalkämpfe vor Ort verfolgen.

Haben sich Boxer aus Angelo abgesetzt?

"Die aktuellen Umstände sind nicht das richtige Umfeld für den Besuch des IOC-Präsidenten. Er könnte von jeder Seite als Zeichen einer Unterstützung interpretiert werden", sagte dazu ein IOC-Sprecher auf SID-Anfrage. Wu gehört der IOC-Exekutive an.

Nach noch unbestätigten Meldungen sollen sich drei Boxer der Staffel aus Angola von ihrer Mannschaft abgesetzt haben. Gerüchten zufolge wollen sie in Frankreich um politisches Asyl nachsuchen.

Die Welttitelkämpfe werden am Montag mit den restlichen Achtelfinalkämpfen fortgesetzt, vier davon mit deutscher Beteiligung. Erstmals steigt auch Europameister Abbas Baraou aus Oberhausen in der Klasse bis 69 kg in den Ring. Der Weltergewichtler trifft auf Juan Solano aus der Dominikanischen Republik.

(sid)
 
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