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WM-Kampf
Ende einer Ära: Fury siegt furios gegen Klitschko

Klitschko - Fury: der Kampf
Klitschko - Fury: der Kampf FOTO: dpa, ve
Düsseldorf. Wladimir Klitschko blutete heftig, er wirkte völlig ratlos - und er verlor verdient: Der Box-Champion aus der Ukraine ist nach neuneinhalb Jahren nicht mehr Weltmeister im Schwergewicht.

Der 39-Jährige verlor seine WM-Gürtel der Verbände WBA, WBO und IBF am Samstag im Düsseldorfer Fußball-Stadion an seinen Herausforderer Tyson Fury - eine faustdicke Überraschung.

Fury, von den Experten als chancenlos eingeschätzt, beherrschte den Kampf provozierend lässig und führte den Weltmeister in der Arena vor 45.000 Zuschauern vor. Klitschko fand kein Mittel, er setzte kaum Treffer, fand nicht zu seinem Stil. Fury zeigte Mut, verhöhnte Klitschko phasenweise mit den Händen auf dem Rücken. Die Entscheidung der Punktrichter war einstimmig.

"Ich muss zugeben, dass Tyson Fury schneller und besser war", sagte der sichtlich gezeichnete Klitschko bei RTL: "Die Schnelligkeit hat mir gefehlt. Er war dagegen unglaublich flink, ich habe keine Schläge getroffen und konnte den richtigen Schlüssel nicht finden." Währenddessen tänzelte Fury euphorisch durch den Ring, dankte all seinen Fans und stimmte am RTL-Mikrofon noch den Klassiker "I don't want to miss a thing" von Aerosmith an.

Klitschko will Rückkampf

Klitschkos Zukunft ist nun ungewiss. Er wollte sich seinen Ehrenplatz in der Schwergewichtshistorie sichern und länger als der legendäre Joe Louis (11 Jahre, 8 Monate) über der Szene thronen. Nun wird er sich überlegen müssen, ob er überhaupt seine Karriere fortsetzt. Die Frage hatte er vor dem Kampf ausweichend oder gar nicht beantwortet, er ist aber per RTL-Vertrag noch für vier Kämpfe gebunden. Einer davon soll ein Rückkampf gegen Fury sein, wie Klitschko im Moment der Niederlage noch im Ring betonte.

Theoretisch könnte er also zwei Aufbaukämpfe bestreiten, im dritten Fight wieder Weltmeister werden und dann als krönender Abschluss gegen den WBC-Titelträger kämpfen - er wäre somit endlich der "undisputed champion" aller Verbände. Den WBC-Gürtel, lange Jahre von Klitschkos großem Bruder Witali getragen und dadurch für Wladimir uninteressant, hält derzeit der US-Amerikaner Deontay Wilder.

Doch dies ist Zukunftsmusik, die Gegenwart bot ein Desaster. Fury hatte sich vor dem Fight äußerst gekonnt als charmantes, abwechslungsreiches Großmaul ("Wladimir hat das Charisma einer Unterhose") inszeniert - es steckte aber auch etwas dahinter. Die "Therapiesitzung mit Fäusten", die Klitschko angekündigt hatte, blieb aus, der "Patient" scheuchte stattdessen den Doktor der Sportwissenschaft durch den Ring. Mit dem ersten Gong stürmte Fury auf Klitschko zu, er wackelte wild hin und her und setzte einige Treffer. Ab Runde 5 hatte Klitschko eine Wunde unter dem Auge. Auf eine Deckung verzichtete Fury komplett.

Psychospielchen vor Beginn

Der in Manchester geborene Sohn irischer Einwanderer hatte am Nachmittag nochmals Verwirrung gestiftet. Er bemängelte den Ringboden und drohte, den Kampf platzen zu lassen. Nachdem eine Schaumstoffschicht entfernt worden war, gab es Entwarnung, und Fury ergriff die Chance seines Lebens beherzt. Er ist acht Zentimeter größer, zwölf Jahre jünger und 500 Gramm schwerer als Klitschko - und er hatte sich vorgenommen, all diese Vorteile auszuspielen.

Zuletzt hatte Wladimir Klitschko 2004 gegen Lamon Brewster einen Kampf verloren, seitdem war er unangefochten. Sein einziger Gegner auf Augenhöhe wäre wohl sein großer Bruder gewesen, doch Witali Klitschko wollte er niemals vor die Fäuste bekommen. Der 44-Jährige hat seine Karriere 2013 beendet und den WBC-Gürtel niedergelegt.

(ems/sid)
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