| 14.56 Uhr

"Werde kämpfen wie ein Löwe"
Sturm droht der Karriere-K.o.

Doping: Sturm kann auf milde Strafe hoffen
Doping: Sturm kann auf milde Strafe hoffen
Köln. Felix Sturm ist in der A-Probe positiv auf die anabole Substanz Hydroxy-Stanozolol getestet worden. Dem 37-Jährigen droht der Verlust seines WM-Titels - und das Karriereende.

Der Ruf ramponiert, die Karriere ein Scherbenhaufen: Felix Sturm droht nach einer positiven Dopingprobe ein Schreckensszenario. "Ich war geschockt", sagte Sturm dem SID über den Moment, als er am Freitagabend per Mail vom Weltverband WBA über das niederschmetternde Testresultat informiert wurde. "Wie ein Löwe" wolle er nun kämpfen, um seine Unschuld zu beweisen.

Der WBA-Weltmeister wurde nach seinem umstrittenen Punktsieg in der WM-Revanche gegen den Russen Fjodor Tschudinow im Februar in der A-Probe positiv auf die anabole Substanz Hydroxy-Stanozolol getestet. Der Befund stammt aus dem renommierten Kölner Dopinglabor - Sturm versteht die Welt nicht mehr.

"Ich habe tausendprozentig nichts gemacht", sagte der 37-Jährige: "Das ist alles sehr komisch, vor allem, dass es acht Wochen gedauert hat, bis das Ergebnis mitgeteilt wurde. Auch der Bund Deutscher Berufsboxer als Ausrichter des Kampfabends ist überhaupt nicht informiert worden, nur ich und mein Fitnesstrainer."

Das ist Felix Sturm FOTO: AP

Der Supermittelgewichtler aus Leverkusen hatte am 20. Februar in Oberhausen gegen den zuvor noch unbezwungenen Tschudinow den Gürtel der WBA zurückerobert. Er wurde mit diesem Triumph als erster Deutscher zum fünften Mal Weltmeister. Der Erfolg war jedoch äußerst umstritten, das Tschudinow-Lager witterte Betrug, sprach von "Diebstahl".

Eine Erklärung für den Befund konnte Felix Sturm nicht liefern, doch der gebürtige Bosnier stellte klar: "Ich bin sicher hundertmal getestet worden, mit Blut und Urin. Nie hat es was gegeben. Ich habe ein absolut reines Gewissen. Ich werde jetzt einen Anwalt nehmen. Dafür habe ich nicht 26 Jahre gearbeitet. Ich werde wie im Ring kämpfen wie ein Löwe."

Sturm droht bei normalem Verlauf zunächst eine Suspendierung. Die kann nur der nationale Verband BDB aussprechen. Deren Präsident Thomas Pütz sagte dem SID aber: "Wir werden ihn jetzt nicht sofort suspendieren. Ich werde ihn nicht richten. Für mich steht die Unschuldsvermutung. Wir werden uns jetzt erst mal alle Unterlagen besorgen."

Sturm muss sich gegenüber der WBA äußern. Ihm wurde eine Frist von rund drei Wochen für eine Stellungnahme eingeräumt. "Ich werde auf alle Fälle die B-Probe öffnen lassen", sagte Sturm.

Sollte die B-Probe ebenfalls positiv ausfallen, wird Sturm vom BDB als "Ersttäter" eine Sperre von maximal einem Jahr erhalten. Allerdings lag beim deutschen Verband bis Sonntagmittag noch immer keine offizielle Meldung über den positiven Test vor. "Das ist ganz, ganz merkwürdig", sagte Pütz.

Der europäische Verband EBU könnte nach Meldung durch den BDB eine Zweijahressperre verhängen. Diese wäre angesichts Sturms Alters gleichbedeutend mit dem Karriereende. Angst vor einem solchen Szenario hat er aber nicht: "Nein, ich habe kein schlechtes Gewissen, es ärgert mich nur unheimlich."

Auch seinen Medienpartner Sat.1 dürfte der positive Befund mächtig wurmen. Eine Sperre Sturms käme einem Desaster gleich, durch das die Entscheidungsträger in der Senderzentrale in Unterföhring ihr Box-Engagement womöglich überdenken. Die Quoten sind ohnehin nicht zufriedenstellend. Sturms Sieg gegen Tschudinow, aber auch die jüngsten Kämpfe der weiteren Zugpferde Arthur Abraham sowie des angeblichen Hoffnungsträgers Vincent Feigenbutz sorgten beim Zuschauer nicht für das erhoffte Interesse.

Zunächst sprach Sat.1 Sturm jedoch das Vertrauen aus. "Wir kennen Felix Sturm nur als fairen Sportsmann", sagte "ran"-Sportchef Alexander Rösner auf SID-Anfrage. Gemeinsam mit Sturm warte man auf das Ergebnis der B-Probe.

Sturm will in den nächsten Tagen seine Verteidigungs-Strategie planen. "Ich lasse eine komplette Auflistung machen, was ich in den zwölf Wochen vor dem Kampf alles eingenommen habe. Da war nichts dabei, das den Befund erklären könnte", sagte Sturm.

Der nachgewiesene Wirkstoff Stanozolol, ein muskelaufbauendes anaboles Steroid, das 1988 Ben Johnson nach seinem 100-m-Goldlauf im Olympia-Finale in Seoul nachgewiesen worden war, sei für ihn ohnehin nicht sinnvoll. Sturm: "Ich habe seit meinem 14. Lebensjahr Muskeln. Was soll mir das bringen? Ich habe einen Körper, der voll austrainiert ist."

Hoffnung macht Sturm die Historie. "Da gab es viele Fälle, wo die B-Probe den ersten Test widerlegt hat", sagte er und behauptete ernsthaft: "Ich mache mir da keine Gedanken."

(ems/sid)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Felix Sturm droht Karriere-K.o.


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.