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Einziger Vorzeige-Boxer?
Brähmer vor WM-Kampf mit Sonderrolle

Fotos: Brähmer besiegt Krasniqi
Fotos: Brähmer besiegt Krasniqi FOTO: dpa, bwu
Luan Krasniqi sieht in Jürgen Brähmer das letzte Zugpferd des deutschen Profiboxens und hat mit seiner Generalkritik vor Brähmers WM-Kampf viel Staub aufgewirbelt.

Der Schlag hat gesessen. Ex-Profi Luan Krasniqi schreckte mit seiner Generalkritik das deutsche Profiboxen auf. Nur Champion Jürgen Brähmer nahm Krasniqi von seiner Schelte aus und verschaffte dem Schweriner vor dessen WM-Kampf am Samstag gegen Konni Konrad (22.30 Uhr/SAT.1) in Dresden einen Sonderstatus.

Bei den Granden der deutschen Boxszene kam der Tiefschlag nicht gut an. "Luan sollte mal vorsichtiger sein. Er hat immer versucht, etwas schlauer zu sein als seine Trainer. Das ist ihm in seiner Karriere schon nicht gut bekommen", sagte Star-Trainer Ulli Wegner dem SID. Und auch Brähmers Coach Karsten Röwer meinte: "Luan war ja auch nicht die große Persönlichkeit im Ring."

Der ehemalige Schwergewichtler Krasniqi, selbst nie Weltmeister, bemängelte echte Qualität im deutschen Profiboxen. Es gebe kaum Persönlichkeiten. Arthur Abraham sei alt, auf Felix Sturm erübrige sich jede Antwort, Marco Huck sei durch seinen Promoter jahrelang vor Niederlagen bewahrt worden, und über Jack Culcay sagte Krasniqi: "Schön ist er ja." Nur Brähmer sei noch ein echtes Zugpferd.

Brähmer verteidigt Titel durch Blitz-K.o. FOTO: dpa, crj

"Es ist schon richtig, dass wir derzeit nicht die ganz großen Persönlichkeiten wie Henry Maske, Dariusz Michalczewski oder Sven Ottke haben. Aber es kommen auch wieder andere Zeiten", meinte Wegner. "Wir haben mit Boxern wie Vincent Feigenbutz und Tyron Zeuge gute Talente in der Lauerstellung, die nur noch etwas Zeit brauchen", meinte Röwer.

Brähmer selbst reagierte relativ gelassen. "Ich sehe es nicht ganz so. Wir haben viel Potenzial in Deutschland. Aber es ist eine Sache der Vermarktung. Da herrscht Nachholbedarf", erklärte der 36 Jahre alte Schweriner (46 Profikämpfe/44 Siege) bei ran.de. Was er in Sachen Vermarktung besser macht, wollte der Weltmeister im Halbschwergewicht aber auch nicht sagen: "Ich verrate ja nicht mein Geschäftsmodell."

Am Samstag soll Brähmers Geschäft wieder brummen, wenn er in Dresden auf Konni Konrad trifft. Doch schnell wurden wieder Stimmen laut, die die Qualität des Kampfes in Frage stellten, weil Konrad ein Nobody ist, der gerade mal 21 Kämpfe gegen weitgehend unbekannte Gegner bestritten hat.

Boxen: Jürgen Brähmer - Roberto Bolonti FOTO: dpa, jbu kno

"Natürlich ist das ein bisschen David gegen Goliath, doch wir nehmen die Rolle des David gerne an", sagte Sprecher Manfred Meier von Konrads Management. "Konni hat aber ganz klare Qualitäten. Er war Junioren-Weltmeister und ist jemand, der richtig hauen kann", so Meier.

Bleibt abzuwarten, ob der Kampf ein Zeichen gegen fehlende Qualität im deutschen Profiboxen setzt. Allerdings kam in Dresden vor dem Kampf schon die Frage nach dem schnellsten K.o. im Halbschwergewicht auf. Nicht gerade ein Hinweis auf einen ausgeglichenen Kampf. Den Rekord-K.o. hält übrigens Brähmer selbst: 37 Sekunden brauchte er für seinen schnellsten Sieg.

(sid)
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