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Deutscher oder nicht?
Box-Champ Charr sorgt weiter für Verwirrung

Manuel Charr schlägt Alexander Ustinow
Manuel Charr schlägt Alexander Ustinow FOTO: dpa, gki
Köln/Berlin. Das Verwirrspiel um Box-Weltmeister Manuel Charr nimmt kein Ende. Ist er Deutscher oder nicht? In der Pass-Frage verstrickt sich der 33-Jährige in Widersprüche.

Manuel Charr fingerte eifrig seine Geldklammer hervor, schließlich war er vorbereitet. Ein deutscher Führerschein, eine Kreditkarte, sogar eine ADAC-Mitgliedschaft: All das zog der Box-Weltmeister mit breitem Grinsen hervor. Er wollte ein für alle Mal aufräumen mit dem Wirbel um seine Nationalität, seinen Anspruch auf den Titel "erster deutscher Schwergewichts-Weltmeister seit Max Schmeling" unterstreichen. Doch das entscheidende Dokument blieb der 33-Jährige weiter schuldig.

"Laut Anwalt bin ich zu 100 Prozent Deutscher. Der Pass liegt im Amt", sagte Charr in einem Interview bei Sky Sport News HD: "Es kam seit anderthalb Jahren nicht dazu, dass ich meinen Pass abgeholt habe. Ich habe einen deutschen Pass, den hole ich bald ab, den lege ich allen am Bildschirm vor, dann freut ihr euch." So weit so gut. Damit bestätigte Charr die Aussage, die er am Dienstag bereits der Bild-Zeitung im Interview gegeben hatte. Ein Pass existiere, nur irgendwie habe Charr ihn noch nicht.

Doch gleichzeitig verstrickt sich der WBA-Champion in Widersprüche. Am Dienstagnachmittag erhärtete der Kölner Express die Spekulationen, wonach Charr kein deutscher Staatsbürger sei. "Mein Einbürgerungsverfahren liegt wegen eines möglichen Strafverfahrens auf Eis", zitierte das Blatt den Boxer. Charr dementierte und entgegnete am Abend, dass er der Zeitung dazu nichts gesagt habe.

Doch mit der Pass-Posse war Charrs eigenwilliger Auftritt noch nicht beendet. Stolz berichtete er in dem Interview, wie er seine große Liebe Ceydar zurückgewann: "Zu dieser Frau muss ich wirklich sagen 'Hut ab'. Was sie in den letzten Jahren durchgemacht hat. Leider waren wir ein Jahr getrennt. Das geht auf meine Kappe. Ich war beratungsresistent in Sachen Beziehungen." Die Hochzeit soll im nächsten Jahr folgen. Genau wie Charrs erste Titelverteidigung gegen den Puerto Ricaner Fres Oquendo (44).

Kämpfen musste der vor 28 Jahren aus dem Libanon geflüchtete Charr schon als Kind in Essen-Katernberg. Damals um Anerkennung. "Ich bin mit fettigen Haaren und zerrissenen Hosen in die Schule gegangen und wurde ausgelacht. Du hattest ein Pausenbrot, ich hatte keins", sagte Charr: "Man muss sich das mal vorstellen, ich habe meinen Mitschülern ihr Pausenbrot geklaut."

Diese Vergangenheit hat er hinter sich gelassen. Wie auch die falschen Freunde, die sich über Jahre in seinem Umfeld rumtrieben. "Es ist wie eine Zugfahrt. Ich bin der Zug und fahre zu einem Ziel. Wie viele Leute sind unterwegs ausgestiegen, wie viele Schwarzfahrer haben mich begleitet. Mit der Zeit habe ich viele Schwarzfahrer aussortiert."

(sid)
 
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