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Bewegender Abschied von Box-Legende
Jetzt macht Ali Selfies mit Petrus

Pressestimmen: "Ali vereint die Welt bis zuletzt"
Pressestimmen: "Ali vereint die Welt bis zuletzt" FOTO: afp
Louisville. Die Stadt Louisville hat ihren größten Sohn zu Grabe getragen. Muhammad Ali hat seine letzte Ruhe gefunden, es waren zwei großartige Tage mit vielen würdevollen Momenten und lebhaften Erinnerungen. Nur einer fiel aus der Rolle: Der türkische Staatspräsident Erdogan reiste schon vor der großen Trauerfeier beleidigt ab.

Für Muhammad Ali gab es im Leben keine ideologischen, politischen oder religiösen Grenzen, und das wird auch nach seinem Tod so bleiben. Gene Kilroy, einst Alis Manager und bei der Beerdigung auf dem Cave Hill Cemetery einer der Sargträger, ist davon jedenfalls fest überzeugt. "Ich bin sicher, wenn er dort oben den heiligen Petrus trifft, wird der gleich sein Handy aus der Tasche holen und ein paar Selfies machen", sagte Kilroy: "Dann wird er sich einen Boxhandschuh signieren lassen, und danach werden sie beide durch das große goldene Tor gehen."

Dass Ali als bekennender Moslem dem heiligen Petrus eigentlich gar nicht begegnen kann – egal. Der Mann, den seine Heimatgemeinde am Freitag mit viel Pomp und Promis zu Grabe getragen hat, stand wie kaum ein anderer für Inklusion in allen Bereichen des Lebens. "Er hat sich für die ganze Menschheit eingesetzt. Er war für alle offen, er war ein großer Freund der Menschen", sagte der frühere US-Präsident Bill Clinton, einer der Trauerredner am Freitag im Yum Center.

Das wurde auch beim Janazah deutlich, dem moslemischen Trauerritual, das bereits am Donnerstag in der Freedom Hall von Louisville stattfand. Gläubige aller Religionen versammelten sich dort, um vom Größten Abschied zu nehmen. Nur einer erwies sich als Partyschreck: Der türkische Präsident Erdogan reiste noch vor der offiziellen Trauerfeier beleidigt wieder ab. Ihm war es von Alis Familie nicht erlaubt worden, beim Janazah aus dem Koran vorzulesen.

Clinton würdigt Alis unerschütterlichen Willen

Clinton dagegen durfte sprechen. In seiner Rede hob er unter anderem den unerschütterlichen Willen Alis hervor. "Er hat in jungen Jahren beschlossen, seine eigene Lebensgeschichte zu schreiben. Er wollte sich nicht verbiegen lassen", sagte Clinton auf der Bühne des Yum Centers. Der 69-Jährige bezeichnete Ali als "einen wirklich tollen Kerl". IOC-Präsident Thomas Bach als Gast in der ersten Reihe lauschte aufmerksam.

Alis Witwe Lonnie tupfte sich bei Cintons Rede immer wieder mit einem Taschentuch die Tränen aus dem Gesicht. "Muhammad wusste instinktiv, welchen Weg er bestreiten musste", sagte die zierliche Frau in ihrer eigenen, sehr persönlichen Rede: "Er lief nie vor Schwierigkeiten davon. Muhammad gab nicht auf, er glaubte immer an Verständigung. Er sah Wahrheit in allen Religionen." Alis älteste Tochter Maryam trug ein Gedicht mit dem Titel "Danke, lieber Vater" vor.

Bei der gut dreistündigen Feier am späten Nachmittag in Downtown Louisville stimmte das Publikum zwischen den Reden immer wieder "Ali, Ali"-Sprechchöre an. Geschätzt 300 Prominente waren gemeinsam mit 15.000 Besuchern in die Halle am Ufer des Ohio gekommen, darunter frühere Box-Größen wie Larry Holmes, Mike Tyson, Evander Holyfield und Lennox Lewis, die auch allesamt zu den Sargträgern gehörten.

Der im Alter von 74 Jahren am vergangenen Freitag verstorbene Ali war vor der Trauerfeier nach einem 30 Kilometer langen Trauerzug durch die Innenstadt von Louisville auf dem Cave Hill Cemetery im engsten Familienkreis zu Grabe getragen worden. "Er ist zu früh verstummt und zu früh gestorben", sagte Jeremy Schaap, Sohn des legendären TV-Reporters und engen Ali-Freundes Dick Schaap: "Er hat so viele Menschen berührt und so viele Dinge bewegt, dass er für immer ein Symbol dafür sein wird, was Menschen mit reiner Willenskraft leisten können."

Auch der Mann mit der Starkstromfrisur war bei den Feierlichkeiten dabei, und Don King weigerte sich beharrlich, eine Trauermiene aufzusetzen. "Das hier ist ein Fest, Mann", sagte der legendäre Promoter, der beim "Rumble in the Jungle" gegen George Foreman und beim "Thrilla in Manila" gegen Joe Frazier Regie führte. Er sei "gesegnet", ein Teil von Alis Leben gewesen zu sein: "Ali war ein Kämpfer für alle Menschen, er war der Champion des Volkes", sagte King: "Er wird niemals sterben, sein Spirit wird ewig leben."

(seeg/sid)
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