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"Idol der Idole"
Muhammad Alis Tod löst weltweite Anteilnahme aus

Pressestimmen zum Tod von Muhammad Ali
Pressestimmen zum Tod von Muhammad Ali FOTO: dpa, jgm ms
Düsseldorf. Millionen Menschen auf der ganzen Welt nehmen Anteil am Tod Muhammad Alis. Die Beisetzung des "Größten" am kommenden Freitag in seiner Geburtsstadt Louisville wird weltweit Beachtung finden.

Millionen Menschen verneigten sich vor dem "Idol der Idole", an seinem Geburtshaus vergossen Fans in einem Meer aus Blumen Tränen der Trauer, seine Beisetzung wird zum Welt-Ereignis: Muhammad Alis Tod hat eine riesige Welle der Anteilnahme ausgelöst. "Er war der Größte. Punkt!", sagte Barack Obama tief bewegt. Nicht nur der US-Präsident nannte Ali in einem Atemzug mit Südafrikas Freiheitsikone Nelson Mandela.

Selten waren sich Menschen auf allen Erdteilen so einig wie in ihrem Urteil, das sich seit seinem Tod nahe Phoenix/Arizona am Freitagabend 21.10 Uhr Ortszeit millionenfach verbreitete: Muhammad Ali war so viel mehr als der berühmteste Boxer und bedeutendste Sportler der Geschichte. Sein Lebenswerk wird Menschen noch über Generationen inspirieren.

"Er war ein überragender Champion, der für das gekämpft hat, was richtig war", sagte Obama in Washington: "Er hat die Welt bewegt. Er war ein Mann, der für uns gekämpft hat. Er stand neben Mandela und (Martin Luther) King. Er stand auf, wenn es schwierig war, und sprach, wenn andere schwiegen."

Langjährige Weggefährten Alis und Sport-Ikonen auf der ganzen Welt verneigten sich tief vor dem "Größten aller Zeiten". "Er war fabelhaft, ein großartiger Mensch, ein Champion des Volkes", schrieb Don King, der 1974 den legendären "Rumble in the Jungle" zwischen Ali und George Foreman organisierte.

Basketball-Idol Kareem Abdul-Jabbar fand einen der schönsten Sätze, um die Bedeutung Alis zu verdeutlichen: "Ich habe mich nie größer gefühlt als in seinem Schatten." US-Bürgerrechtler Jesse Jackson sagte: "Er hat seine Karriere für seine Prinzipien geopfert, er war ein Anti-Kriegs-Prophet. Er ist die Stimme unserer Zeit."

Die internationale Presse würdigte Ali als "Auserwählten" (El Pais/Spanien), als "Titan des Boxsports und des 20. Jahrhunderts" (New York Times), als "Idol der Idole" (El Mundo Deportivo/Spanien). Viele Medien stellten seine Verdienste für die Menschenrechte über seinen unumstrittenen Status als Jahrhundertsportler. "Ohne Dich gäbe es keinen Obama im Weißen Haus", schrieb die italienische Repubblica, und die französische Le Parisien titelte: "Eine Legende erlischt. Er war so wichtig wie Mandela."

Sein zu einem kleinen Museum umfunktioniertes Elternhaus in Louisville/Kentucky wurde seit dem frühen Samstagmorgen mehr denn je zur Pilgerstätte, ebenso ein paar Blocks entfernt das Muhammad-Ali-Center, die größte Gedenkstätte des Größten. Zu Hunderten stellten Trauernde Kerzen auf und legten Blumen nieder. Einige fielen auf die Knie und weinten.

Auch den Walk of Fame in Hollywood schmücken zahllose Blumen. Alis Stern ist der einzige, der nicht in den Boden eingelassen wurde, sondern an der Wand befestigt ist. Ali wollte es so.

Trost spendet den Trauernden Alis Familie. Seine Tochter Hana, eines seiner neun Kinder, schrieb in einem bewegenden Tweet: "Unsere Herzen schmerzen, aber wir sind auch froh, dass Daddy nun frei ist. Du kannst jetzt gehen, es ist okay für uns, wir lieben Dich."

Muhammad Ali starb in einem Krankenhaus in Scottsdale bei Phoenix, in der Nähe lebte er mit seiner vierten Frau Lonnie. Seine Familie war bei ihm. Als Todesursache nannte ein Sprecher Alis einen "septischen Schock aufgrund von unspezifizierten natürlichen Ursachen". Ali, der jahrzehntelang an Parkinson litt, wurde 74 Jahre alt.

Seine Beisetzung am kommenden Freitag im Yum-Center in Louisville (ab 20.00 Uhr MESZ) wird noch einmal Anteilnahme und Beachtung in der ganzen Welt hervorrufen. Einer der Grabredner wird Bill Clinton sein. Als Ali 1996 in Atlanta das Olympische Feuer entfachte, saß der damalige US-Präsident auf der Ehrentribüne und kämpfte vor Rührung mit den Tränen. Am Samstag würdigte er Ali als einen Menschen, "der durch seine Triumphe und Prüfungen sogar noch größer als seine eigene Legende wurde".

"The Greatest", dreimal "undisputed Champion" aller Verbände, prägte den Boxsport wie kein Sportler vor oder nach ihm - als begnadeter Kämpfer und Entertainer. Alis Boxstil ging in die Geschichte ein, "schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene", lautete sein Motto.

Mit nie gesehener Eleganz gewann Ali die ganz großen Kämpfe, und mit wohl einzigartigem Selbstbewusstsein kommentierte er seine Siege. "Ich bin der beste Kämpfer aller Zeiten. Und gerade erst 22", sagte Ali nach dem ersten WM-Sieg 1964 gegen Sonny Liston: "Ich muss der Größte sein. Ich bin der König der Welt."

Unvergessen sind vor allem seine Jahrhundertkämpfe gegen Joe Frazier und George Foreman. Im "Rumble in the Jungle" am 30. Oktober 1974 in Kinshasa wurde er vom Favoriten Foreman rundenlang schwer getroffen, ehe er den bis dahin in 40 Fights ungeschlagenen K.o.-König in der achten Runde auf die Bretter schickte. Den "Thrilla in Manila" gegen Frazier, den wohl spektakulärste Kampf der Boxgeschichte, halten nicht wenige für den Zeitpunkt, an dem sich die schreckliche Schüttellähmung in seinem Körper einnistete. Ali gewann den Kampf nach 14 mörderischen Runden. Er kassierte 440 Treffer, die meisten am Kopf.

Trotz seiner Großspurigkeit wurde Ali auch außerhalb des Rings für Millionen zum Vorbild. Mit ungeheurem Charisma und großer Überzeugungskraft, mit religiöser und politischer Geradlinigkeit durchbrach er unzählige Widerstände, vor allem für alle Afroamerikaner.

Zwei Tage nach seinem ersten WM-Sieg über Sonny Liston konvertierte Ali im Februar 1964 zum Islam und legte den "Sklavennamen" Cassius Clay ab. Er verweigerte den Kriegsdienst in Vietnam und nahm dafür in Kauf, dass er 1967 den WM-Titel verlor und für drei Jahre gesperrt wurde.

Nach seinem zu späten Karriereende im Dezember 1981 verstärkte er, schon gezeichnet von Parkinson, sein soziales Engagement. Zu politischen Themen sagte er weiter seine gewichtige Meinung. Erst im Dezember veröffentlichte er ein Statement, in dem er die Forderung von US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump nach einem Einreiseverbot für Muslime verurteilte.

(sid)
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