| 13.10 Uhr

Neuer Box-Weltmeister
Zeuge belohnt sich mit Pommes und Currywurst

Tyron Zeuge besiegt Giovanni De Carolis und ist Weltmeister
Tyron Zeuge besiegt Giovanni De Carolis und ist Weltmeister FOTO: dpa, bse
Potsdam. Tyron Zeuge bescherte dem deutschen Profiboxen mit seinem spektakulären WM-Sieg ein perfektes Wochenende, doch euphorisch wurde der neue Champ deshalb nicht.

Als Tyron Zeuge seinen Gegner mit dem linken Haken endgültig zu Boden gestreckt hatte, gab es kein Halten mehr. Freundin Mandy stürzte in den Ring, Promoter-Ikone Wilfried Sauerland (76) kam sogar im Hechtsprung angeflogen. Alle wollten den 24-Jährigen Berliner herzen, doch der neue Held blieb auffallend unterkühlt.

Es sei ihm "scheißegal", dass er nun der zweitjüngste deutsche Champion aller Zeiten ist, sagte Zeuge vor laufender TV-Kamera nach seinem K.o. in Runde zwölf gegen den Italiener Giovanni de Carolis. Auf die Frage, was er jetzt mit seinem vielen Geld als WBA-Weltmeister im Supermittelgewicht machen wolle, meinte das Kraftpaket: "Ich werde jetzt erstmal Pommes mit Currywurst essen."

Pressekonferenz vorzeitig abgebrochen

Auch mit den typischen Boxer-Sprüchen kann der gebürtige Neuköllner offenbar wenig anfangen, er gab sich jedenfalls eher verschlossen. Er habe keinen Kampfnamen, kein Vorbild und wolle auch nicht über seine Geschwister reden. Wie er zu dem ungewöhnlichen Vornamen kam, wisse er auch nicht, meinte Zeuge im Pressegespräch, das er vorzeitig verließ und damit einen kleinen Eklat auslöste.

Promoter Kalle Sauerland brach eine Lanze für seinen Schützling. "Eigentlich ist er ein entspannter Typ, ein Spaßvogel. Er ist ein echter Berliner, ein Icke", sagte der Geschäftsführer. Ein wenig erinnere ihn der neue Weltmeister an Graciano Rocchigiani, der bei seinem ersten WM-Sieg 1988 noch ein paar Monate jünger war.

Im Alter von drei Jahren hatte Bewegungstalent Zeuge mit Karate angefangen. Ein Trainer sagte ihm, er solle es mit Boxen versuchen, weil er körperlich so stabil sei. "Ich blieb dabei, weil es mich faszinierte", sagte der Kraftprotz mit Hauptschulabschluss. "Er schlägt zwar nicht so hart wie Arthur Abraham, doch er hat eine enorme Dynamik", sagte Gegner de Carolis voller Respekt.

Für Sauerland und das deutsche Profiboxen war es ein perfektes Wochenende, auch wenn die TV-Quote mit 1,72 Millionen Zuschauern bescheiden blieb. Erst einen Tag zuvor hatten die Sauerländer den neuen TV-Vertrag mit Sat.1 perfekt gemacht und so die Zukunft des Profiboxens gesichert. "Die letzten 48 Stunden hätte auch ein Steven Spielberg nicht besser inszenieren können", stellte Kalle Sauerland hocherfreut fest.

Der spektakuläre Fight des jungen Berliners holte die 3000 Zuschauer in Potsdam schon frühzeitig von ihren Sitzen. "Das Drehbuch war wie aus einem Rocky-Film", schwärmte Sauerland junior. Es ging hin und her, beide Boxer holten alles aus sich heraus. In der letzten Runde musste Zeuge nochmal Vollgas geben, weil sonst ein erneutes Remis gedroht hätte - wie schon beim ersten Kampf im Juli. "Er hat eine tolle Moral bewiesen und eine große Karriere vor sich", sagte Kulttrainer Ulli Wegner über Zeuge.

Im März soll Zeuge (20 Kämpfe/19 Siege/11 Knock-outs) wieder in den Ring steigen. Der Gegner steht noch nicht fest, ein Vergleich mit Stallgefährte Arthur Abraham käme aber zu früh. Auf Sicht ist dieses Duell allerdings nicht ausgeschlossen. Ex-Champ Abraham: "Wenn mein Manager den Kampf will, mache ich ihn."

(sid)
 
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