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Keine markigen Sprüche
Klitschko sieht den Hype um "Jahrhundert-Kampf" nüchtern

Fotos: Klitschko und Jennings läuten Vorgeplänkel ein
Fotos: Klitschko und Jennings läuten Vorgeplänkel ein FOTO: ap
Der WM-Kampf von Wladimir Klitschko am Samstag steht in den USA klar im Schatten des "Jahrhundert-Fights" zwischen Floyd Mayweather und Manny Pacquiao. Doch auch im Schwergewicht tut sich in den Staaten etwas.

Wladimir Klitschko kann derzeit nur sporadisch die geballte Aufmerksamkeit der Boxfans in den USA genießen. Sein Kampf am Sonntag in New York gegen den weithin noch unbekannten Lokalmatador Bryant Jennings (04.20 Uhr/RTL) steht klar im Schatten des "Jahrhundert-Fights" zwischen Floyd Mayweather und Manny Pacquiao eine Woche später in Las Vegas.

Der Dreifach-Champion aus der Ukraine reagiert kühl auf den Riesenhype um die geschäftstüchtigen Weltergewichtler. "Ich freue mich, dass so ein Event mit so viel Aufmerksamkeit und so viel Geld im Boxsport passiert. Ich glaube, das macht den Boxsport attraktiver, interessanter, angesagter", sagte der Box-Champion bei RTL.

Es spricht für den Langzeit-Weltmeister, dass er nicht mit markigen Sprüchen versucht, das Interesse der Massen krampfhaft auf sich zu ziehen. Wahrscheinlich wäre es auch vergebens. Der Mega-Seller in Vegas schlägt alle Rekorde. Die Sport-Portale von USA Today oder ESPN berichten selbst in Klitschkos Kampfwoche täglich in voller Breite über die Uhren- und Autosammlungen von Mayweather, während Klitschko nur die Nebenrolle bleibt.

Wie gekonnt Protz-Boxer Mayweather die Klaviatur der Medien beherrscht, zeigte er am späten Montagabend. Der in 47 Kämpfen ungeschlagene "Money" behauptete mal kurz, er sei ein besserer Boxer als Muhammad Ali. Die Box-Foren waren vor lauter Majestätsbeleidigung entsetzt. Im direkten Vergleich sorgte Klitschko mit seiner Aussage zu Ali für deutlich weniger Radau. "Ali ist der größte Boxer aller Zeiten", sagte er der Sport Bild.

Auch wenn die Sprüche der Schwergewichtler nicht immer so sitzen, brauchen die schweren Jungs nicht zu verzweifeln. Es gibt in den USA auch Anzeichen auf ein Ende der Krise. Neben Klitschkos Kampf im legendären Madison Square Garden weckt ein neuer Shooting-Star die Neugierde der Fans: Deontay Wilder. Der "Bronze Boxer" hatte im Januar dem Stammland des Profiboxens erstmals seit acht Jahren wieder einen WM-Titel beschert. Jetzt hofft man in Übersee, dass die Vorherrschaft osteuropäischer Boxer ein Ende nimmt.

Das US-Portal Box-Saga sprach bereits von der "Wiedergeburt des Schwergewichtsboxens". Und auch Klitschkos Manager Bernd Bönte machte bei seinen Kampfvorbereitungen in den Staaten einen Aufschwung fest. "Es ist enorm, was in den USA im Schwergewiwcht wieder los ist. Wir hatten für Wladimirs Kampf bis zu 1000 Akkreditierungsanfragen", sagte der Manager dem SID: "Es ist gut, dass das Flaggschiff des Boxens wieder in Bewegung kommt."

Der aus Tuscaloosa/Alabama stammende Wilder gilt als wirkungsvollste US-Waffe, Dauer-Champion Klitschko die WM-Gürtel der IBF, WBA und WBO abzujagen. Sein großes Plus: Der Olympiadritte von 2008 hat anders als die meisten Herausforderer keine Größennachteile gegenüber dem Ukrainer. Mit 2,02 m ist der Linksausleger sogar vier Zentimeter größer und verfügt mit 2,11 m auch über eine größere Reichweite als der Olympiasieger von 1996.

Sollte jedoch schon der als nicht so stark wie Wilder eingestufte Jennings am Samstag Klitschko entthronen, wäre die Dominanz der US-Boxer plötzlich in allen vier Verbänden wiederhergestellt.

Doch kaum jemand traut Jennings den Sieg zu. Der 29-Jährige aus Philadelphia hat zu wenig Kämpfe auf höchstem Niveau und wird nicht als ebenbürtiger Gegner angesehen. Ein Makel, der das Schwergewicht (noch) zu Recht in Verruf bringt und zeigt, wieso viele Fans lieber das Weltergerwicht vorziehen.

(sid)
 
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