| 09.20 Uhr

Rio De Janeiro
Boxer schimpfen auf Punktrichter

Rio De Janeiro. Verdächtigungen über Absprachen haben bei Olympia Tradition.

Als der Fehlstart bei Olympia perfekt war, platzte Michael Müller der Kragen. Vier Niederlagen in vier Kämpfen - und dann noch so knapp. Das war selbst für den erfahrenen Sportdirektor des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV) zu viel. "Dreimal 1:2, und immer gegen uns. Das kann nicht sein", beschwerte sich Müller in Rio und wollte sich gar nicht mehr beruhigen: "Ich bin ja schon viele Jahre im Boxen dabei, aber so etwas habe ich noch nicht gesehen."

Der Ärger des Funktionärs entzündete sich vor allem am Kampf von Eric Pfeifer. "Da richteten ein Vietnamese und jemand aus Sri Lanka mit zum Teil abenteuerlichen Ergebnissen", schimpfte Müller. Vor allem der vietnamesische Punktrichter Vuong Trong Nghia brachte die deutsche Delegation mit seinen einsamen Wertungen zum Kochen.

Am Ende verlor Superschwergewichtler Pfeifer seinen Kampf genauso knapp wie zuvor Schwergewichtler David Graf (Sindelfingen) und Weltergewichtler Arajik Maturjan (Schwerin). Lediglich die 0:3-Pleite von Halbschwergewichtler Serge Michel (Traunreut) war eindeutig.

Verdächtigungen über Absprachen haben bei Olympia Tradition. 2012 in London soll Kasachstan zwei Goldmedaillen gekauft haben, und auch vor den Rio-Spielen machten Gerüchte über Manipulationen die Runde. Ein Verantwortlicher des Weltverbandes AIBA sagte der englischen Zeitung "The Guardian", es gebe "keine Zweifel", das einige Ringrichter sowie Punktrichter "korrupt sein werden".

Trotz aller Enttäuschungen und angeblichen Mauscheleien lassen sich Müller und sein Verband nicht von ihrer Mission abbringen. Erstmals seit Athen 2004 will der DBV wieder eine Medaille von Olympia mitbringen. Größter Hoffnungsträger war und ist der EM-Dritte Artem Harutyunyan (Hamburg/Halbwelter). Aber auch Fliegengewichtler Hamza Touba (Heidelberg) werden gute Chancen eingeräumt. Beide steigen am Wochenende zum Achtelfinale ins Turnier ein.

Für den Box-Verband ist ein gutes Abschneiden in Rio auch deshalb wichtig, weil im kommenden Jahr die Box-Welt nach Deutschland blickt. Im September finden in Hamburg die Weltmeisterschaften statt. Erstmals seit 21 Jahren ist der DBV wieder Gastgeber eines solch großen Turniers.

(sid)
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