Formkurve steigt: Riedel schafft WM-Norm: Breuer in Top-Form
zuletzt aktualisiert: 14.06.2001 - 11:58Kassel (rpo). Die Formkurve der deutschen Leichtathleten zeigt knapp sieben Wochen vor den Weltmeisterschaften in Kanada deutlich nach oben. Diskus-Riese Lars Riedel erfüllte am Mittwochabend beim internationalen Meeting in Kassel die Norm für die Titelkämpfe im August in Edmonton. Der lange verletzte Chemnitzer gewann mit 65,68 m.
Deutsche Jahresbestleistungen erzielten Grit Breuer (Magdeburg) über 200 m in 22,86 Sekunden, Kerstin Bolm (Köln) mit 13,14 über 100 m Hürden und Michael Stolle (Leverkusen) im Stabhochsprung mit 5,81 m.
"Das Wichtigste ist, dass mein Knie gehalten hat. Es ist noch nicht so, wie es sein müsste, aber ich bin weitgehend schmerzfrei", freute sich Riedel, bei dem nach langer Verletzungspause endlich der Knoten geplatzt war. Der Olympia-Zweite von Sydney übertraf die WM- Norm (65,00) um 68 Zentimeter und deutete vor den Frankfurtern Michael Möllenbeck (65,06) und Michael Lischka (63,01) seinen Aufwärtstrend ebenso an wie 400 m-Spezialistin Grit Breuer.
Vor der Rekordkulisse von 12 350 begeisterten Zuschauern im Aue- Stadion lief die 29-jährige Magdeburgerin über 200 m 22,86 und erreichte hinter der Jamaikanerin Lorraine Graham (22,64) Rang zwei vor den Sprinterinnen Birgit Rockmeier (Dortmund/22,92) und Shanta Ghosh (Rehlingen/23,31). "Ich wollte unbedingt unter 23 laufen, denn solche Läufe sind wichtig für meine Vorbereitung und vor allem für die Grundschnelligkeit", meinte die von einer Bandscheiben-Operation genesene Breuer. Erst vor kurzem hatte sie mit 50,88 über die Stadionrunde einen hervorragenden Saison-Einstand auf ihrer Spezialstrecke gegeben.
Im Duell der Leverkusener Stabhochspringer Michael Stolle und Danny Ecker fiel die Entscheidung erst über die neue deutsche Jahresbestleistung von 5,81 m. Sieger Stolle benötigte bei gleicher Höhe wie Ecker und Jeff Hartwig (5,81/USA) weniger Versuche. An der Weltjahres-Besthöhe von 5,91 m scheiterten Stolle und Ecker. "Für den um 16 Schritte verkürzten Anlauf ist die Höhe cool", freute sich Stolle, während Tim Lobinger (Fürth/München) schon bei 5,61 m ausgestiegen war.
Auch der Kölnerin Hürdensprinterin Kerstin Bolm gelang mit 13,14 Jahresbestzeit. Sie löste das Ticket für den Europacup in Bremen (23./24. Juni). "Das Hauptziel habe ich erreicht. Ich kann noch was drauflegen", meinte die 26-jährige ehemalige Junioren- Weltmeisterin, die die WM-Norm von 13,05 ebenso knapp verpasste wie Nico Motchebon (1:46,38/Fürth/München) über 800 m hinter dem kubanischen Sieger Norbert Tellez (1:45,94).
Motchebon: "Die WM-Norm zu schaffen, wird nach fünfmonatigem Trainingsrückstand schwierig." Der Deutsche Meister Dirk Heinze (Großgottern) musste wegen erneuter Probleme an der Achillessehne das rennen vorzeitig abbrechen. Sein Start am Sonntag beim Meeting in Nürnberg ist noch fraglich. Im Hammerwurf erreichte Olympiasieger Szymon Ziolkowski mit 81,56 m die zweitbeste Weite seiner Karriere. Hinter dem überragenden 26-jährigen Polen landete Holger Klose (Frankfurt) mit 78,60 m auf Platz zwei. Weltmeister Karsten Kobs (Dortmund) enttäuschte mit 76,30 m.
Der Jamaikaner James Beckford (Cayman-Inseln) verbesserte sich im Weitsprung im fünften Versuch auf die Siegesweite von 8,12 m. Der 34- jährige Routinier Colin Jackson gewann das Finale über 110 m Hürden in 13,38 vor Chris Phillips (13,66/USA). Nach Auskunft von Jacksons Manager Robert Wagner wird der Brite trotz ansteigender Form nicht in Edmonton starten.
Das Speerwerfen gewann der Magdeburger Raymond Hecht mit 85,82 m knapp vor dem Frankfurter Peter Blank (85,75) und Boris Henry (83,92/Saar 05). Die Sprint-Disziplin der Männer war schon fast traditionell schwach besetzt. Es siegte der Brasilianer Claudia de Souza (10,44). Als bester Deutscher lief Kevin Hanjohr (Kaiserslautern) nach 10,57 als Dritter ins Ziel.
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