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Rio De Janeiro
Brink: "Olympische Idee beschädigt"

Rio De Janeiro. Der Beachvolleyball-Olympiasieger ist vom IOC tief enttäuscht. Von Dominik Kortus

Julius Brink redet nicht gerne um den heißen Brei herum. Besonders, wenn ihm etwas am Herzen liegt. Und das ist bei Weitem nicht nur Beachvolleyball. Es geht um viel mehr. Um Werte, um Umweltschutz, um Olympia. Und genau diese Dinge passen für den Goldmedaillengewinner von 2012 derzeit überhaupt nicht zusammen.

"Ich denke schon, dass die olympische Idee beschädigt ist. Wenn Handschläge verweigert werden, wenn der eine gegen den anderen nicht kämpfen will, wenn man nicht zusammen im Bus fahren will. Wenn diese grundsätzlichen Dinge im Sport nicht mehr da sind, dann haben wir ein Problem", sagte Brink. "Das IOC muss diese Werte schützen. Ich glaube aber nicht, dass die Erkenntnis beim IOC angekommen ist. Um eine Veränderung einzuleiten, musst du verstehen, dass etwas gehörig falsch läuft."

In einem Facebook-Post hatte der 34-Jährige seine Eindrücke aus Rio geschildert. Es sei eine "Farce", wie das IOC beispielsweise "umweltfreundliche Spiele" propagiere, danach aber keine Taten folge lasse. Die Welt werde "belogen", es sei die "hässliche Fratze Olympias".

"Es war kein Frust oder keine Wut. Vielleicht ist das so rübergekommen, aber das war nicht meine Idee", sagt Brink. Denn eigentlich, betont er, sei er "der größte Olympia-Fan, der hier 'rumsitzt". Doch: "Der reine Gedanke des Sports ist angegriffen, der ist nicht mehr da." Auch wegen des Doping-Themas, das das IOC alles andere als zufriedenstellend gelöst habe.

"Ich hätte auch keine Lust, gegen jemanden zu schwimmen, der mich jahrelang belogen hat. Man betrügt sich ja auch selbst. Durch Doping zu gewinnen, ist doch das Schäbigste", betont er. "Wenn das die Zukunft der Olympischen Spiele ist, dass sich Sportler gegenseitig nicht mehr über den Weg trauen, was hat das Ganze dann noch für einen Sinn?"

Es klingt so, als sei Brink froh, in der heutigen Zeit nicht mehr selbst als Sportler dabei zu sein. Zum ersten Mal erlebt der 34-Jährige, der in London mit seinem Partner Jonas Reckermann Olympiasieger wurde, Sommerspiele aus anderer Perspektive. Als TV-Experte kommentiert er für die ARD die Beachvolleyball-Spiele an der Copacabana.

"Ich freue mich, dass ich meinen Sport auf eine Ebene herunterbrechen kann, die der Zuschauer wahrnimmt", sagt Brink. Um den heißen Brei herumreden ist nicht so sein Ding.

(sid)
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