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Faustball-WM
Buenos Dias Argentina!

Düsseldorf. In der Region Cordoba beginnt heute die 14. Faustball-WM. Deutschland geht als Titelverteidiger und Mitfavorit ins Turnier. Von Martin Beils

Die Hotels heißen "Edelweiß" und "Bad Wiessee". Es gibt eine Pension "Pfullendorf" und das "Residencial Düsseldorf". Auf der Speisekarte des Brauhauses "Viejo Munich" stehen Knackwurst, Weißwurst, Bratwurst und "Goulash con Spazle". Im Calamuchita-Tal in der argentinischen Region Cordoba geht es ziemlich deutsch zu. Einwanderer, die vornehmlich in der Zeit zwischen den Weltkriegen über den Atlantik kamen, haben die Region geprägt. Sie brachten nicht nur ein Oktoberfest mit, sondern auch ihren Sport: Faustball. Seit Ende des 19. Jahrhunderts hatten Turner das Spiel betrieben. Auswanderer haben es in die Welt getragen.

Heute beginnt in Argentinien die 14. Weltmeisterschaft der Männer. Die Mannschaft von Bundestrainer Olaf Neuenfeld geht als einer der Favoriten in das neuntägige Turnier. Als Titelverteidiger. 2011 holte das Mutterland des Faustballs in Österreich wieder den Titel. Von 1968 bis 1995 hatte Deutschland neunmal hintereinander das Finale gewonnen, danach aber zweimal den Brasilianern und einmal Österreich Gold überlassen müssen. Derzeit sind sämtliche internationalen Titel in deutscher Hand - egal ob Jugend, Junioren oder Erwachsene, Frauen oder Männer. Einzige Ausnahme ist der EM-Titel der U18-Mädchen, den Österreich besitzt. "Das ist nur eine Momentaufnahme, zugegeben aber eine sehr schöne für uns alle. Eine Gold-Garantie ist der Bundesadler aber nicht", sagt Neuenfeld.

Der Sportart tut internationale Konkurrenz auf hohem Niveau gut. Und die erwartet der Bundestrainer. "Sportlich gesehen, wird es wohl die engste und anspruchsvollste WM, die es jemals gegeben hat", sagt Neuenfeld, dessen Kader aus zehn Spielern besteht, "aus Europa sind Österreich und die Schweiz vorne mit dabei, und aus Südamerika werden Argentinien, Brasilien und Chile ein Wörtchen bei der Titelvergabe mitreden." Mitte der Woche setzte sich das deutsche Team auf einem von Gewitter und Dauerregen durchweichten Rasen in abschließenden Testspielen klar gegen die Argentinier durch.

Die deutsche Mannschaft ist über Jahre gewachsen und hat sich über Monate vorbereitet, zuletzt noch mit einem Trainingslager im türkischen Belek. Neuenfeld, der die A-Mannschaft seit zehn Jahren verantwortet, spricht von einer "Goldenen Generation". Sie ist Folge einer ungewöhnlich langen Krise nach der Jahrtausendwende und einem daraus resultierenden Neuaufbau gerade im Nachwuchsbereich.

51 Nationen sind im Weltverband organisiert, 15 schickten ihre Mannschaft zu dieser WM. Darunter die Debütanten Südafrika, Australien, Pakistan und Indien, deren Spielniveau freilich kaum über dem ambitionierter Hobbymannschaften hierzulande liegt.

Aus dem deutschen Team sticht Patrick Thomas (23) heraus - nicht nur wegen seiner Körpergröße von 1,99 m. Der Schlagmann ist einer von vier Spielern des Serienmeisters TSV Pfungstadt (Südhessen) im Aufgebot. Zum Nationalteam gehört auch sein zwei Jahre älterer Bruder Sebastian, ihr Vereinstrainer ist ihr Vater Dieter. Der wiederum prägte diesen Sport als Angreifer über viele Jahre. Faustball ist Familienangelegenheit. Dieter Thomas war der Erste, dessen gewaltige Schläge in den 1980er Jahren mit 130 km/h gemessen wurden. Heute ist diese Wucht in der Spitze längst Standard.

In Deutschland gibt es rund 28.000 Faustballer. Das sind mehr Aktive als in klassischen olympischen Sportarten wie Fechten, Ringen oder Eishockey. Regionale Zentren sind Niedersachsen und der Südwesten.

Die Faustballer sind zwar im Deutschen Turner-Bund (DTB) organisiert, fühlen sich dort aber vernachlässigt, verfügen seit 2010 unter dem Dach der Deutschen Faustball-Liga (DFBL) aber über Eigenständigkeit. "Der Fokus beim DTB liegt verständlicherweise auf seinen olympischen Sportarten Geräteturnen, Rhythmische Sportgymnastik und Trampolinturnen. Leider - aus Faustballer-Sicht - kommt unserer Sportart daher nur die Rolle eines Stiefkindes zu", heißt es bei der DFBL.

Faustball ist und bleibt ein Randsport. Aber ein schöner. Nicht nur, wenn es mal wieder um WM-Gold geht und wo es "Goulash con Spazle" gibt.

Quelle: RP
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