Vierschanzentournee: Bystoel krönt norwegische Festspiele in Innsbruck
zuletzt aktualisiert: 04.01.2006 - 16:31Innsbruck (rpo). Die Norweger haben das dritte Springen der Vierschanzentournee in Innsbruck ganz klar beherrscht. Lars Bystoel überraschte die Konkurrenz mit seinem ersten Weltcupsieg. Der Youngster erhielt für Sprünge auf 127 und 129,5 Meter 264,7 Punkte. Landsmann Björn Einar Romoeren kam auf Rang drei (258,1).
Einzig der Weltcup-Führende Jakub Janda konnte die skandinavische Lanze durchbrechen und wurde Zweiter (263,2). Der Tscheche übernahm somit auch die Führung der Tourneewertung.
Bester der erneut arg enttäuschenden Mannschaft des Deutschen Skiverbandes DSV war der Oberstdorfer Georg Späth auf dem 13. Rang. Der ehemalige Tournee-Mitfavorit Michael Uhrmann büßte als 24. alle Chancen auf einen Platz unter den besten Drei in der Gesamtwertung ein. Michael Neumayer (Berchtesgaden) belegte Rang 28. Alexander Herr (Schonach) schied als 35. überraschend vor dem Finale aus, und Martin Schmitt (Furtwangen) konnte wegen nicht geschaffter Qualifikation gar nicht erst antreten.
"Da gibt es nichts schönzureden. Wir haben hier nicht gezeigt, wozu wir in der Lage sind", schimpfte Bundestrainer Peter Rohwein und erteilte seinen zum zweiten Mal nach Garmisch-Partenkirchen nicht für den Wettkampf qualifizierten Teamstar Martin Schmitt sofortiges Flugverbot. "Wir haben uns entschieden, ihn aus der Mannschaft zu nehmen", sagte Rohwein knapp. "Ich will nur noch weg und den Kopf frei bekommen. Danach werde ich einiges Neues probieren" meinte Schmitt, der vom langsam in die Kritik geratenden Trainer zum "Skifahren und Erholen" in die Heimat geschickt wurde und noch während dem Springen abreiste.
"Das war der erste richtig schlechte Wettkampf von mir bei der Tournee. Die Situation nervt extrem, jetzt muss ich eben versuchen, mir in Bischofshofen neues Selbstvertrauen zu holen", schilderte Michael Uhrmann seine Bruchlandung am bislang schlechtesten deutschen Tourneetag. Georg Späth, der diesmal als Einziger halbwegs mit den Besten mithalten konnte, reklamierte ein "ganz ordentliches Ergebnis" für sich. In der Gesamtwertung liegen Späth und Uhrmann auf den Rängen acht sowie elf vor dem finalen Wettkampf in Bischofshofen aussichtslos zurück.
"Natürlich ist das Ergebnis nicht zufriedenstellend, aber wir sind nicht in der Krise", lautete das überraschende Fazit von Rudi Tusch. Der im DSV für die Skispringer verantwortliche Sportwart sah sich angesichts der neuerlichen Schlappe genötigt, seinen Trainer explizit in Schutz zu nehmen: "Eine Trainerdiskussion ist für uns kein Thema. Peter Rohwein leistet eine erstklassige Arbeit. Wir bringen nur einfach die Ergebnisse nicht, aber wir werden uns in Bischofshofen rehabilitieren."
Dann aber ohne Schmitt, der auch für die danach folgende Skiflug-WM am Kulm bei Bad Mitterndorf kaum noch Chancen hat. "Wir werden nach den nächsten Trainings entscheiden, ob das Sinn macht oder nicht", sagte Rohwein. "Immer wenn der Martin aus dem tiefen Loch zu krabbeln scheint, fällt er wieder hinein."
Bereits vor dem Bergisel-Springen hatte sich im deutschen Lager der Streit um die Dauer-Formkrise von Martin Schmitt zugespitzt. Der renommierte Sportpsychologe Dr. Ulrich Kuhl empfahl einen "totalen mentalen Neuaufbau" mit professioneller Hilfe. Der DSV baut dagegen mit Blick auf Olympia auf ein Spezialtraining mit Rolf Schilli, der auch weiter Schmitts Heimtrainer bleiben soll.
"Da gibt es überhaupt keine Diskussion, Schilli bleibt Trainer. Die Vertrauensbasis zwischen Martin und ihm ist weiterhin da", sagte Tusch und beendete damit die Diskussion um den möglichen Wechsel des formschwachen viermaligen Weltmeisters zu Stefan Horngacher. Der Österreicher, der sich künftig im Schwarzwald vornehmlich um den Nachwuchs kümmern soll, hatte erklärt: "Es wäre gut, wenn Martin mal eine neue Skisprungschule kennen lernt."
Skispringen, 54. Vierschanzentournee, 3. Springen in Innsbruck:
1. Lars Bystöl (Norwegen) 264,7 Punkte (127+129,5 Meter),
2. Jakub Janda (Tschechien) 263,2 (123,5+133)
3. Björn Einar Romören (Norwegen) 258,1 (126+128,5)
4. Thomas Morgenstern (Österreich) 257,6 (130+124,5)
5. Roar Ljökelsoy (Norwegen) 256,9 (128+125)
6. Janne Ahonen (Finnland) 255,4 (124+129)
7. Andreas Küttel (Schweiz) 255,2 (127,5+124)
8. Takanobu Okabe 253,8 (123,5+130)
9. Noriaki Kasai (beide Japan) 251,7 (128+123,5)
10. Rok Benkovic (Slowenien) 251,4 (126+124,5)
13. Georg Späth (Oberstdorf) 248, 8 (124,5+126)
24. Michael Uhrmann (Rastbüchl) 229,6 (118+124)
28. Michael Neumayer (Berchtesgaden) 220,9 (121+117)
Nicht im Finale: 35. Alexander Herr (Schonach) 111,2 (119)
45. Maximilian Mechler (Isny) 89,8 (108,5).
Stand in der Tourneewertung nach drei von vier Konkurrenzen:
1. Janda 790,5 Punkte
2. Ahonen 788,5
3. Ljökelsoy 775,1
4. Matti Hautamäki (Finnland) 765,4
5. Okabe 753,2
6. Küttel 745,2
7. Andreas Kofler (Österreich) 736,9
8. Späth 734,5
9. Romören 732,1
10. Kasai 726
11. Uhrmann 720,6
19. Neumayer 678,2
21. Herr 581,7
38. Mechler 267,7
42. Martin Schmitt (Furtwangen) 177,9
56. Mario Kürschner (Ober-Unterschönau) 100, 4
57. Kai Bracht (Oberstdorf) 97,2
61. Julian Musiol 91,2
62. Andreas Wank (beide Oberhof) 90,4.
Stand im Gesamtweltcup nach 11 von 22 Springen:
1. Janda 792 Punkte
2. Ahonen 655
3. Küttel 527
4. Uhrmann 439
5. Bystöl 353,
15. Späth 191
25. Neumayer 77
28. Herr 65
35. Schmitt 48
40. Jörg Ritzerfeld (Oberhof) 18
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