Überraschung bei Australian Open: Capriati gewinnt Damenfinale gegen Hingis
zuletzt aktualisiert: 28.01.2001 - 14:25Melbourne (sid). "Spiel, Satz und Sieg: Jennifer Capriati." Nach genau 62 Minuten Spielzeit sprach Stuhlschiedsrichter John Blom (Australien) die entscheidenden Worte und bei den Australian Open in Melbourne war eine der unglaublichsten Geschichten im Tennissport perfekt. Die 24 Jahre alte Amerikanerin stemmte nach dem 6:4, 6:3-Erfolg über die Weltranglistenerste Martina Hingis (Schweiz) zum ersten Mal in ihrer Karriere eine voluminöse Grand-Slam-Trophäe in die Höhe. Über zehn Jahre, nachdem die damals 14 Jahre und sechs Monate alte "Jenny-Baby" in Puerto Rico ihren ersten Turniersieg feierte.
David Prinosil blieb der erste Grand-Slam-Sieg seiner Karriere dagegen versagt. Im anschließenden Doppel-Endspiel unterlag der Amberger an der Seite seines Partners Byron Black (Simbabwe) dem Lokalmatador Todd Woodbridge und dem Schweden Jonas Björkman 1:6, 7:5, 4:6, 4:6. Bereits 1993 hatte er in Paris mit Marc-Kevin Goellner bei den French Open gegen Luke und Murphy Jensen (USA) ein Grand-Slam-Endspiel verloren.
"Es ist für mich alles noch unglaublich", sagte "Jenny-Lady" nach dem größten Erfolg ihrer Laufbahn, "als der Matchball drin war, habe ich nur gedacht: Mein Gott. Und dann bin ich nur noch auf und ab gesprungen vor Freude." Martina Hingis dagegen sank nach dem obligatorischen Handschlag am Netz für Minuten auf ihrer Spielerbank in sich zusammen - wieder gescheitert. Acht Grand Slams in Folge hat die 20-Jährige nun verloren. Die wichtigsten Turniere werden zum Trauma. "Ich hatte heute einfach keine Kraft mehr", meinte die Schweizerin, "ich war vom Kopf her nicht mehr in der Lage, um jeden Punkt zu kämpfen."
So gab es dann wieder etwas Schlägerwerfen voller Ärger und Diskussionen über die Linien- und Schiedsrichterentscheidungen. Ein komplettes Ausrasten allerdings, wie 1999 im verlorenen Finale von Paris gegen Steffi Graf, blieb diesmal aus. "Es gibt schlimmere Dinge im Leben, als das, was mir hier passiert ist", sagte die fünfmalige Grand-Slam-Siegerin, "Jennifer hat großartig gespielt, ich konnte nicht viel tun." Auch die anfangs unentschiedenen 15.000 Zuschauer in der Rod-Laver-Arena schwenkten mit der Zeit völlig zu Capriati um.
Ist ja auch eine tolle Geschichte, die natürlich jeder Tennis-Fan zumindest im Hinterkopf hat. Der schnelle Aufstieg mit 14 Jahren, Olympiasieg gegen Steffi Graf 1992 in Barcelona mit 16 und dann der Absturz mit den persönlichen Problemen bis hin zum Ladendiebstahl und Drogenmissbrauch 1994. Dann das lange und mühsame Comeback von der Wildcard in Essen 1996 bis auf den Gipfel der Tenniswelt. "Ich weiß jetzt, dass für mich alles möglich ist", sagte Capriati, "ich werde nicht länger an mir zweifeln. Träume werden wahr und wenn man an sich glaubt, kann alles passieren."
Nicht einmal im offiziellen Programmheft des Turniers wurde sie extra vorgestellt. Nummer 14 der Welt war sie im Ranking, als das Turnier vor zwei Wochen begann. Noch nie war eine niedriger notierte Spielerin bei einem der vier Majors erfolgreich. Nie kassierte sie mehr Geld auf einen Schlag, als die Siegprämie von 465.000 US-Dollar. Doch das alles soll erst der Anfang sein. "Ich werde weiter hart an mir arbeiten, weiter konzentriert bleiben. Vielleicht kann ich dann ja noch ein paar Grand-Slams gewinnen." Ergebnisse Doppel und Mixed:
Jonas Björkman/Todd Woodbridge (Schweden/Australien/4) - David Prinosil/Byron Black (Amberg/Simbabwe/14) 6:1, 5:7, 6:4, 6:4
Mixed-Doppel, Halbfinale: Ellis Ferreira/Corina Morariu (Südafrika/USA/3) - Robert König/Meghann Shaughnessy (Südafrika/USA) 6:4, 7:5
Finale: Ferreira/Morariu - Eagle/Schett
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