Clijsters: 12:10 im dritten Satz unterlegen: Capriati siegt nach Final-Drama
zuletzt aktualisiert: 09.06.2001 - 19:10Paris (rpo). Nach dem längsten dritten Satz in einem Damen-Finale der French Open hat Jennifer Capriati endgültig den Thron im Damen- Tennis erobert. Die 25 Jahre alte US-Amerikanerin drehte am Samstag ein unglaublich spannendes Finale gegen die belgische Außenseiterin Kim Clijsters noch um und siegte 1:6, 6:4, 12:10.
Der Australian- Open-Siegerin gelang nach langem Zittern erst als fünfter Spielerin der Tennis-Geschichte das Kunststück, die beiden ersten Grand-Slam- Turniere des Jahres zu gewinnen.
"Das ist die Krönung. Ich hätte nie gedacht, dass ich elf Jahre nach meinem ersten Auftritt hier stehe. Ich hoffe, dass ich nie aus dem Traum aufwache. Es kommt mir alles vor, als wäre es nicht wahr", sagte die Olympiasiegerin von 1992. Als Belohnung erhielt sie die "Coupe Suzanne Lenglen" aus den Händen von Chris Evert, mit sieben Erfolgen noch immer Rekordsiegerin in Paris, und 100-m-Olympiasieger Maurice Greene aus den USA. Als Belohnung gibt es einen Siegerscheck über umgerechnet knapp 1,3 Millionen Mark, die Verliererin erhält die Hälfte. In der neuen Weltrangliste bleibt Jennifer Capriati auf Rang vier, Kim Clijsters verbessert sich von Platz 14 auf Platz sieben.
"Großes Kompliment an Kim. Sie wird noch oft hier stehen", sagte Capriati nach dem 2:21 Stunden langen Match. "Sie hat weniger leichte Fehler in der entscheidenden Phase gemacht", meinte Kim Clijsters. "Es waren zwei fantastische Wochen für mich", fügte sie auf Französisch bei der Siegerehrung hinzu.
Einen Tag nach ihrem 18. Geburtstag wurde Kim Clijsters mit einem "Happy Birthday"-Ständchen von ihren Fans auf dem Court Central begrüßt. Unter den 15 000 Zuschauern waren der belgische Kronprinz Philippe, Prinzessin Mathilde und Filmstar Sean Connery. Kim Clijsters hatte als erste Belgierin ein Grand-Slam-Finale erreicht, abgesehen von der 1937 in Frankreich eingebürgerten Nelly Adamson- Landry, die 1948 auch triumphierte. Erstmals in einem Grand-Slam- Finale standen sich zwei Spielerinnen gegenüber, die bei dem Turnier ein Jahr zuvor in der ersten Runde gescheitert waren.
Von Nervosität war bei der Debütantin jedoch nichts zu sehen. Die Tochter des ehemaligen belgischen Fußball-Nationalspielers Leo Clijsters und Verlobte von Lleyton Hewitt wehrte erst vier Breakbälle zum 0:2 ab und erarbeitete sich schnell eine 5:1-Führung. Jennifer Capriati agierte oft überhastet, beschwerte sich über laute Zuschauer, kam aber vor allem nicht mit Länge und Präzision in den Schlägen ihrer Gegnerin klar. Nach einer halben Stunde setzte sie beim zweiten Satzball eine Vorhand ins Aus.
Auch die Fehlerquote von Kim Clijsters stieg im zweiten Durchgang an. Die Außenseiterin diktierte zwar weiterhin das Tempo, doch ihre Bälle besaßen weniger Genauigkeit. Mit zwei Vorhandfehlern sorgte Kim Clijsters praktisch ganz allein für den Satzausgleich in einem jetzt nicht mehr so gutklassigen Spiel.
Der entscheidende Satz lebte erst nur von der Spannung, in der entscheidenden Phase aber auch wieder von mehr Klasse. Beim 6:5 war Kim Clijsters zwei Mal nur zwei Punkte vom Sieg entfernt. Dann kassierte sie jedoch ein Break zum 6:7. Jennifer Capriati konnte die Siegchance nach 30:30 nicht nutzen, ließ das Rebreak zu und war ihrerseits bei 7:8 zwei Mal nur zwei Punkte von der Niederlage entfernt. Eine 10:9-Führung bei eigenem Aufschlag genügte erneut nicht zum Erfolg, doch beim 11:10 verwandelte die Favoritin schließlich ihren zweiten Matchball.
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