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Celia Sasic hört auf
Familienplanung statt Fußball

Sportler, die ihre Karriere früh beendeten
Sportler, die ihre Karriere früh beendeten FOTO: afp, PST/DG
Koblenz. Die deutsche Nationalspielerin Celia Sasic beendet ihre aktive Karriere - mit erst 27 Jahren. Von Simon Janssen

Es war einer der bittersten Momente ihrer Karriere. Mit leerem Blick und Tränen in den Augen rang Celia Sasic mit den Worten. "Ich fühle mich beschissen", sagte die Stürmerin. Wenige Augenblicke später entschuldigte sie sich bei der ganzen Fußball-Nation. Es war ihr erstes Interview nach dem bitteren Halbfinal-Aus bei der Weltmeisterschaft in Kanada, mit dem der Titeltraum der deutschen Fußballerinnen am 30. Juni vorzeitig endete. Sie unterlagen starken US-Amerikanerinnen mit 0:2. Sasic verließ das Stadion als tragische Figur, verschoss beim Stand von 0:0 einen Elfmeter. Auch die Torjägerkanone, die sie für sechs Turniertreffer erhielt, konnte sie nicht trösten.

Sasic hätte sich wohl einen kitschigeren Abschied gewünscht. Einen mit Goldpokal und Blumenstrauß. Dazu wird es nicht mehr kommen. Gestern, gut zwei Wochen nach dem WM-Aus, gab die Stürmerin das Ende ihrer aktiven Laufbahn bekannt - mit gerade mal 27 Jahren. "Fußball begleitet mich schon mein ganzes Leben und wird auch immer ein Teil von mir sein", schrieb die 111-malige Nationalspielerin bei Facebook: "Nichtsdestotrotz habe ich mich nun dazu entschieden, neue Wege zu gehen und meine aktive Laufbahn im Profifußball zu beenden." Mitte Mai ließ Sasic die Option auf eine Vertragsverlängerung beim Champions-League-Sieger 1. FFC Frankfurt verstreichen. Seitdem 30. Juni war sie vereinslos.

Die Gründe für ihren frühen Rückzug aus dem Fußballgeschäft sind angenehm menschlich. Sie will sich Dingen abseits des Platzes widmen. Privatperson sein, Zeit haben, eine Familie gründen: "Ich freue mich jetzt auf eine ganze Menge neuer Dinge, die vor mir liegen", erklärte Sasic. Zunächst möchte die eloquente Studentin, die mehrere Sprachen fließend beherrscht, ihr Studium der Kulturwissenschaften beenden. Ihre Abschlussarbeit hat sie noch vor sich. Die Fachrichtung steht bereits fest: Antike Philosophie.

2005 begann Sasic ihre Karriere in der Nationalmannschaft. Damals noch unter ihrem Mädchennamen Okoyino da Mbabi. Im August 2013 heiratete sie den kroatischen Amateur-Fußballer Marko Sasic. Dessen Vater Milan trainierte einst den Zweitligisten MSV Duisburg und ist aktuell Geschäftsführer des 1. FC Saarbrücken. Celia Sasic gewann neben den Europameistertiteln 2009 und 2013 auch Olympiabronze 2008 in Peking. Insgesamt erzielte sie 63 Treffer im DFB-Dress. Bundestrainerin Silvia Neid muss sich nun nach Alternativen für den Angriff umschauen. "Ich bedauere die Entscheidung von Celia, kann sie aber auch nachvollziehen, denn Fußball ist nicht alles im Leben, und irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo man andere Prioritäten setzen muss", sagte die 51-Jährige. Neid, die 2016 von Steffi Jones als Bundestrainerin abgelöst wird, hat jedoch keinen Grund zur Sorge. An Offensivtalenten mangelt es dem deutschen Frauenfußball nicht.

Die Stollenschuhe bereits in jungen Jahren an den Nagel zu hängen, ist selten, aber nicht einzigartig. Erst vor gut einer Woche sorgte der Ex-Hamburger Marcell Jansen für Aufsehen, indem er mit 29 Jahren sein vorzeitiges Karriereende verkündete. Drei Klubs - Borussia Mönchengladbach, FC Bayern und HSV - seien genug. Er könne nicht noch zwei oder drei Jahre bei einem Verein spielen, hinter dem er nicht zu 100 Prozent stehe.

Quelle: RP
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