Regen in der Lausitz befürchtet: Champ Cars wollen Tempo-Rekord knacken
zuletzt aktualisiert: 11.09.2001 - 12:50Klettwitz (rpo). Die Lausitz ist bereit zur Rekordjagd, aber alle fürchten den Regen: Die Europa-Premiere der schnellsten Rennserie der Welt soll am Samstag zum absoluten Saison-Höhepunkt auf dem Eurospeedway 130 Kilometer südlich Berlins werden.
Die Champ-Car- Serie wird mit ihrer 16. Veranstaltung auf dem Gelände des ehemaligen Kohletagebaus Station machen und von Donnerstag bis Samstag bis zu 150 000 Motorsport-Fans in ihren Bann ziehen.
Die Veranstalter erwarten, dass beim Debüt der schnellen Champ Cars der Deutschlandrekord gebrochen wird, den der schottische Formel-1-Pilot David Coulthard 1999 auf dem Hockenheimring mit einer Spitzengeschwindigkeit von 365,9 Stundenkilometern aufstellte. Bei jüngsten Testfahrten auf dem Eurospeedway wurden bereits Runden- Geschwindigkeiten von über 350 Stundenkilometern erzielt. Die schnellste Champ-Car-Runde wurde im Jahr 2000 durch den auch in der diesjährigen Serie führenden Brasilianer Gil de Ferran mit 388,46 km/h auf dem Oval von Fontana gedreht. Dieses Höllentempo des "American way of drive" dürfte aber auf dem Zwei-Meilen-Oval in der Lausitz selbst bei besten Bedingungen nicht möglich sein.
Dauerregen in den vergangenen Tagen und ungünstige Wetterprognosen mit 73 Prozent Niederschlags-Wahrscheinlichkeit bereiten derzeit den Organisatoren einigen Verdruss, denn im Gegensatz zur Formel 1 werden bei Schauern die Champ-Car-Rennen sofort gestoppt und verschoben. Aus der Erfahrung wird daher der Sonntag als Ausweichtag vorgesehen. "Die Champ-Car-Serie hat die Philosophie, jedes Rennen unbedingt auszutragen. So wird es auch diesmal sein", sagt Eurospeedway- Pressesprecherin Ilka Wendlandt.
Klangvolle Namen
Einige Promi-Namen der Serie, die sich in Amerika riesiger Popularität erfreut und beispielsweise in Mexiko 300 000 Fans an die Piste lockten, haben auch in Deutschland einen guten Klang. Der Bekannteste ist der 38-jährige US-Amerikaner Michael Andretti, Sohn des 78er Formel-1-Weltmeisters Mario Andretti, der sich 1993 an der Seite von Ayrton Senna bei McLaren in der Formel 1 versuchte. Zudem verfügen der Brasilianer Christian Fittipaldi, Neffe des zweimaligen Formel-1-Champions Emerson Fittipaldi, und sein Landsmann Roberto Moreno über Erfahrungen in der "Königsklasse". Der heute 42-Jährige, der 1992 noch mit Michael Schumacher zum Benetton-Team gehörte, kommt mit der Empfehlung des Sieges in Vancouver nach Deutschland.
Fünf Rennen vor dem Abschluss können sich noch sechs Piloten Hoffnungen auf den Titel machen, der mit rund 2,3 Millionen Mark (1,18 Millionen Euro) dotiert ist. Der Erfolg wird in der Lausitz wie bei jeder anderen der 20 Stationen mit 230 000 Mark belohnt. Damit sind die Champ-Car-Piloten im Vergleich zu den Formel-1-Millionären doch eher "ärmlich" dran. Während Formel-1-Weltmeister Schumacher runde 75 Millionen Mark pro Saison einstreicht, kommen selbst die "CC"-Spitzenverdiener kaum auf zehn Millionen Mark.
Zehn unterschiedliche Sieger
Der Dramatik der Serie tut dies kaum Abbruch. Auf Grund der Standardisierung von Motoren, Chassis und Reifen kommen stets ein Dutzend Fahrer für den Tages-Erfolg in Frage: In den bisherigen 15 Saisonrennen gab es immerhin zehn Sieger. Allein der Schwede Kenny Bräck und der Brasilianer Helio Castroneves konnten in diesem Jahr schon je drei Erfolge verbuchen. Hingegen gelang dem mit 115 Zählern führenden de Ferran noch nicht ein Streckensieg.
Einen deutschen High-Speed-Piloten werden die zehntausenden Fans auf dem Eurospeedway allerdings vermissen. Der Reutlinger Michael Krumm war nur zum Saisonstart in Mexiko und Long Beach zwei Mal am Start, dann musste er auf Grund finanzieller Probleme seines PRG- Teams auf weitere Rennen verzichten. Vor ihm hatten sein heutiger Team-Chef Christian Danner (18 Rennen 1992-1997) und Arnd Meier aus Hannover (29/1997-98) als einzige die deutschen Farben vertreten.
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