Markus Fuchs behielt die Nerven: CHIO: Schweiz gewinnt Nationenpreis vor Deutschland
zuletzt aktualisiert: 28.06.2002 - 20:43Aachen (rpo). Beim CHIO in Aachen hat sich die Schweizer Equipe den Nationenpreis der Springreiter gesichert. Die Eidgenossen siegten in einem spannenden Wettkampf durch zwei fehlerfreie Umläufe vor der deutschen Mannschaft.
Vier schnelle und fehlerfreie Runden im zweiten Umlauf reichten nicht. Das deutsche Team musste sich beim Nationenpreis der Springreiter beim CHIO in Aachen trotz eines makellosen zweiten Durchgangs mit Platz zwei begnügen. In beiden Umläufen fehlerfrei blieben die siegreichen Schweizer, die zum fünften Mal den wichtigsten Mannschaftswettbewerb außerhalb von EM, WM und Olympia gewannen. Marcus Ehning (Borken) mit For Pleasure, Sören von Rönne (Hamburg/Chandra), Otto Becker (Mühlen/Cento) und Ludger Beerbaum (Riesenbeck/Gladdys) hatten im ersten Umlauf vier Strafpunkte gesammelt.
Die Spannung hielt bis zum letzten Reiter. Markus Fuchs musste mit Tinkas Boy eine Null-Runde hinlegen, um die deutsche Equipe sicher zu schlagen. Und der Weltcup-Sieger von 2001 behielt die Nerven und schaffte routiniert das Wunschergebnis. Gemeinsam mit Beate Mändli, Paul Freimüller und Dehlia Oeuvray, die beide Streichergebnisse lieferte, durfte der 47-Jährige jubeln. Bei einem Abwurf hätten die wesentlich schnelleren Deutschen gewonnen. Dritter wurde das belgische Team, das im vergangenen Jahr gewonnen hatte.
Italienerin Allesia Marioni verletzte sich bei Sturz
Die italienische Springreiterin Allessia Marioni hat sich bei einem Sturz beim Nationenpreis in Aachen das Schlüsselbein gebrochen. Nach Angaben der Turnierveranstalter erlitt sie zudem eine Gehirnerschütterung und bleibt für weitere Untersuchungen zunächst im Krankenhaus. Marioni war am Freitagnachmittag im ersten Umlauf des Nationenpreises mit ihrem Hengst Peter Pan gestürzt.
Irland scheiterte überraschend früh
Schon im ersten Umlauf erfreuten sich die 40 000 Zuschauer im ausverkauften Reiterstadion an einem spannenden Wettkampf. Gleich vier Teams mit jeweils vier Fehlerpunkten lagen auf Platz zwei hinter den fehlerfrei führenden Schweizern. Zu dem Quartett gehörte auch das deutsche Team, für das von Rönne mit zwei Abwürfen das Streichergebnis lieferte, ehe er im zweiten Durchgang fehlerfrei blieb.
Frühzeitig gescheitert waren überraschend die zuletzt so starken Iren mit 12 Fehlerpunkten, die vor einem Jahr in Arnheim Mannschafts- Europameister geworden waren. Nicht besser erging es mit 16 Strafpunkten der Equipe aus den Niederlanden, dem diesjährigen Partnerland des Weltfest des Pferdesports.
Nadine Capellmann gewinnt Dressurprüfung
Morgens hatte es hingegen einen niederländischen Sieg gegeben. Der 31-jährige Wout-Jan van der Schans gewann das Zeitspringen mit Loreas in 53,76 Sekunden. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Allessia Marioni (Italien) mit Carroir (54,86) und Marc van Dijck (Belgien) mit Krisia (55,37). Bester deutscher Reiter war auf Platz vier Johannes Ehning (Borken/Junior/55,69), der jüngere Bruder von Mannschafts-Olympiasieger Marcus Ehning.
Die wichtigste Dressurprüfung des Freitags gewann Nadine Capellmann. Die Mannschafts-Olympiasiegerin aus Würselen kam mit dem 17-jährigen Westfalen-Wallach Gracioso im Grand Prix auf 1863 Punkte. Hinter der Lokalmatdorin platzierten sich Martin Schaudt (Albstadt) mit Loriot (1807) und Isabell Werth (Mellendorf) mit Antony (1764).
Wer bekommt Weltreiterspiele 2006?
Hinter den Kulissen des Turniers wird derweil weiter an der Bewerbung für die Weltreiterspiele 2006 gefeilt. Falls der Aachen- Laurensberger Rennvereins (ALRV) nicht den Zuschlag erhält, soll es nach Angaben von ALRV-Präsident Klaus Pavel keine erneute Bewerbung für 2010 geben. Dies könnte indes ein taktisches Vorgehen sein, denn innerhalb der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) gibt es Überlegungen, den unterlegenen 2006-Bewerber vier Jahre später zum Zuge kommen zu lassen. Neben Aachen will der Kentucky Horsepark in den USA in vier Jahren die Weltmeisterschaften in sieben Reitsport- Disziplinen austragen.
"Wir haben zwei sehr starke Bewerbungen", sagte FEI- Generalsekretär Bo Helander am Rande des CHIO. Der Vorteil der US-Bewerbung könnte jedoch bei gleich hoher Qualität sein, dass es noch nie Weltreiterspiele außerhalb Europas gab. Eine Entscheidung soll nach Helanders Aussage im September bei den vierten Weltreiterspielen im spanischen Jerez de la Frontera fallen. Zuvor müsse allerdings noch abgesegnet werden, dass die Weltmeisterschaften verschiedener Disziplinen weiterhin gemeinsam ausgetragen werden. "Es zeichnet sich eine Mehrheit dafür ab", sagte Helander.
Springen, Nationenpreis (138 000 Euro):
1. Schweiz Fehlerpunkte/269,25 Sekunden: Beat Mändli mit Gryfino 0 Fehler im 1. Umlauf/0 Fehler im 2. Umlauf, Paul Freimüller/Himmerdor 0/0, Dehlia Ouvray/King Cavalier 8/17, Markus Fuchs/Tinka's Boy 0/0 2. Deutschland 4/252,46: Marcus Ehning (Borken) For Pleasure 4/0, Sören von Rönne (Hamburg) Chandra 8/0, Otto Becker (Mühlen) Cento 0/0, Ludger Beerbaum (Riesenbeck) Gladdys 0/0 3. Belgien 8/264,33: Philippe Le Jeune/Naba de Reve 0/4, Marc van Dijck/Goliath 4/0, Jos Lansink/Carido 4/0; Ludo Philippaerts/Parco 0/0 4. Frankreich 12/257,56; 5. Schweden 12/261,45; 6. Großbritannien 16/260,61 - alle in zwei Umläufen 7. Irland 12 8. Italien 9. Niederlande 16 10. Spanien
Dressur, Grand Prix (10 000 Euro):
1. Nadine Capellmann (Würselen) mit Gracioso 1863 Punkte 2. Martin Schaudt (Albstadt) Loriot 1807 3. Isabell Werth (Mellendorf) Antony 1764 4. Karin Rehbein (Grönwohld) Domanio 1740 5. Heike Kemmer (Winsen) Cäsar 1724 6. Anja Plönzke (Wiesbaden) Chopin 1719 7. Sarah Garayhi (Hamburg) Scarlatti 1716 8. Rudolf Zeilinger (Emsbüren) Rubens 1708
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