Daviscup: Kiefer will auch 2002 spielen: Comeback als Spießrutenlauf
zuletzt aktualisiert: 08.04.2001 - 15:05's-Hertogenbosch (rpo). Nicht ohne eigenes Verschulden ist die Rückkehr aus dem selbst gewählten Daviscup-Exil für Nicolas Kiefer zu einem Spießrutenlauf geworden. Der Niedersachse bezog bei der Viertelfinal-Pleite in den Niederlanden jede Menge Prügel für seinen Auftritt auf dem Platz und seine anschließenden Erklärungsversuche.
Wie Kiefer seine Auftakt-Niederlage gegen Jan Siemerink zu interpretieren versuchte, das brachte die Teamführung über das gesamte Wochenende in Erklärungszwang.
Die Verweise auf fehlendes Glück, den eigenen Einsatz im Daviscup in persönlich schwierigen Phasen und das fehlende Engagement von der deutschen Bank bescherten Kiefer keine neuen Freunde. Teamkollege Thomas Haas spielte den Ball zurück. Nicht von der Bank sondern vom Spieler auf dem Platz müsse etwas kommen. Nach dem Aus am Samstag gab sich der Gescholtene zumindest ein wenig einsichtiger: "Es tut mir Leid, dass der Funken nicht so übergesprungen ist. Ich bin erst 23 Jahre alt und habe noch viel zu lernen." Dass er es im nächsten Jahr erneut im deutschen Team versuchen will, steht für ihn fest. "Da gibt es nicht viel zu überlegen", sagte Kiefer.
Doch nach dem Verzicht im vorigen Jahr und der lange umstrittenen Rückkehr ins Team während der Olympischen Spiele bleiben die Daviscup-Auftritte der wunde Punkt des Holzmindeners. Beim 3:2- Zittersieg über Rumänien im Februar in Braunschweig patzte er gegen Andrei Pavel und bezwang dann wenigstens den braven Gabriel Trifu im entscheidenden Einzel. Statt des Sieges gegen Siemerink, den der deutsche Kapitän Carl-Uwe Steeb fest eingeplant hatte, gab es nun schon die sechste Niederlage nach zuvor nur zwei Erfolgen.
Steeb nahm Kiefers Suche nach Gründen dennoch in Schutz: "Das ist seine Art, damit umzugehen. Er weiß, dass er unter seiner Leistung geblieben ist." Er akzeptiere Kiefers sensiblen, schwierigen Charakter, betonte Steeb, "sonst könnten wir nicht eine Woche miteinander auskommen". Allerdings stellte er auch klar, dass er seinen ruhigen Stil trotz Kiefers Kritik beibehalten werde. Der Schwabe hatte befürchtet, mit zu heftigen Reklamationen feindselige Stimmung in der Brabant-Halle zu entfachen.
Beobachter wie der ehemalige Becker-Trainer Günter Bosch warfen Kiefer vor, sich auch Hinweisen auf dem Platz zu verschließen. Steeb treffe keine Schuld. "Sie wissen am allerbesten, wie man gegen einen Linkshänder spielt", sagte Bosch zu Linkshänder Steeb, "der Spieler muss die Ratschläge annehmen."
Auch Georg von Waldenfels, der Präsident des Deutschen Tennis- Bundes (DTB), schien dies so zu sehen. "Politiker und Sportler sind manchmal beratungsresistent", meinte der frühere bayerische Finanzminister, ohne Kiefer direkt zu erwähnen. Dem widersprach Steeb und unterstrich, er plane auch für 2002 wieder mit dem einst weltbesten Junior, der in 's-Hertogenbosch das Scheitern eingeleitet hat.
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