| 10.04 Uhr

Conifa 2018 in London
Die alternative Fußball-WM

Conifa WM 2018 in London: Tibet will bei alternativer Weltmeisterschaft spielen
Knapp 8000 Fußball-Fans sahen 2016 das Finale zwischen Punjab und Abchasien. FOTO: Jockel
Düsseldorf. Bei der Conifa-WM treten Teams gegeneinander an, die Nationen, abhängige Gebiete, Minderheiten, staatenlose Völker, nicht-anerkannte Staaten und historische Regionen repräsentieren. Tibet hat eine Wild Card - braucht aber noch Geld. Von Patrick Scherer und Christopher Köster

Kennen Sie Panushanth Kulenthiran? Nie gehört? Dabei ist der 27-Jährige mit sechs Treffern Top-Torschütze der Fußball-WM-Qualifikation. Gut, es handelt sich nicht um die Qualifikation zur bekannten Fifa-WM. Vielmehr tritt Kulenthiran, Spieler beim italienischen Fünftligisten ASD Monreale, im Juni 2018 in London bei der Conifa-Fußball-WM an - für Tamil Eelam, einen von Separatisten in Sri Lanka geforderten Staat. Die Conifa ist ein Dachverband für Mannschaften, die Nationen, abhängige Gebiete, nicht-anerkannte Staaten, Minderheiten, staatenlose Völker und historische Regionen repräsentieren - und bietet die alternative WM.

Kulenthiran und sein Team können womöglich auch auf Tibet treffen. "Das ist unvorstellbar, ich kann das Gefühl gar nicht beschreiben", sagt Passang Dorjee, der Generalsekretär des tibetischen Sportverbandes TNSA. "Das Turnier in London ist eine großartige Möglichkeit, der Welt die tibetanische Fußballkultur und die Kultur unseres Landes an sich zu zeigen. Unsere Kultur ist so aktiv wie nie."

Tibet mit seinen über 32 Länder auf fünf Kontinenten verteilten Diaspora ist das neueste Mitglied der Conifa und aufgrund einer Wild Card für die WM qualifiziert. Das oftmals als "Dach der Welt" bezeichnete Hochland mit dem Himalaya-Gebirge im Süden gehört seit der chinesischen Invasion 1959 zur Volksrepublik. Seitdem lebt der Dalai Lama im indischen Dharamsala wie gut 100.000 seiner Landsleute im Exil. Die Tibeter beklagen strikte Restriktionen und Unterdrückungen durch die chinesische Regierung.

"Wir hatten insgesamt sechs Bewerbungen für eine Wild Card. Da die Tibeter aufgrund der Entfernungen zu anderen Conifa-Mitgliedern und der politischen Situation vor besonderen Herausforderungen stehen, wollten wir ihnen die Teilnahme unbedingt ermöglichen", sagte Conifa-Generalsekretär Sascha Düerkop. "Wir erhoffen uns dadurch einen Aufschwung für den tibetischen Fußball."

Doch dafür muss der Verband noch einige Hürden meistern. Die Conifa zahlt den Teilnehmern ihrer dritten Welttitelkämpfe zwar die Unterkunft für 27 Spieler und Betreuer, die TNSA muss aber noch mindestens 100.000 Dollar (84.400 Euro) für Flugtickets, Visa, Versicherungen, Trainingslager und weitere Schlafmöglichkeiten sammeln.

Denn neben dem Männerteam möchten die Tibeter noch ihre Frauenauswahl mit nach London nehmen. Der Frauenfußball genießt einen besonderen Stellenwert. Daher hat die tibetische Nationalmannschaft auf der Internetseite www.generosity.com ein Crowdfunding-Projekt gestartet. In den ersten drei Monaten sind allerdings nur knapp 7600 Euro zusammengekommen.

Sollte das Vorhaben wie erhofft klappen, würden sich die Tibeter im kommenden Juni mit 15 anderen bekannten wie unbekannten Regionen messen. Darunter der Weltmeister, die zu Georgien gehörige Republik Abchasien, Nordzypern, die der britischen Krone unterstellte Isle of Man, das Szeklerland im Osten Rumäniens oder die Koreanische Minderheit in Japan.

Dabei scheint die Conifa keinerlei Einschränkungen bei der Aufnahme von Mannschaften zu kennen. Ob Separatisten, Rebellen, politisch eher links angeordnete oder klar nationalistisch eingestellte Gruppen - alle sind willkommen. Und scheinen kurioserweise einen fairen sportlichen Wettkampf zu führen.

Auch der pazifische Inselstaat Kiribati ist dabei. Kiribati ist zwar Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und nimmt an Olympischen Spielen teil, ist aber kein Teil der Fifa-"Familie". Auch das will die Conifa ändern und für einen Beitritt Kiribatis werben.

Derzeit rührt die von der Fifa unabhängige Organisation aber vor allem die Werbetrommel für Tibet, damit sich deren Traum von der WM - und vielleicht einem Aufeinandertreffen mit Panushanth Kulenthiran - erfüllt.

(RP/sid)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Conifa WM 2018 in London: Tibet will bei alternativer Weltmeisterschaft spielen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.