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Düsseldorf
Das Spiel der Reichen und Schönen

Düsseldorf. Ab heute greift die deutsche Polo-Elite in Düsseldorf zum Schläger. Der Sport hat eine jahrhundertelange Tradition. Von Sebastian Fuhrmann

Wer einmal hoch zu Ross den Schläger geschwungen hat, den lässt das so schnell nicht mehr los - so heißt es unter Polospielern. Das Spiel habe seine eigene Magie, die seine Anhänger ins Schwärmen bringt. Zu ihnen gehört der britische Thronfolger Prinz Harry: Obwohl die Luft bei seinem letzten Staatsbesuch in Brasilien vor wenigen Jahren regelrecht brannte, stieg der Prinz aufs Pferd und galoppierte bald allen Gegnern davon. Von Sao Paulo bis London - Polo hat seine Anhänger auf der ganzen Welt.

Dieses Wochenende greift die deutsche Elite des Polosports in Düsseldorf auf dem Gelände des Reit- und Poloclubs zum Schläger. Vier Teams spielen beim "High Goal"-Cup, einem von deutschlandweit nur vier Turnieren der höchsten Spielklasse. Düsseldorf ist zum neunten Mal Austragungsort, die Geschichte des Polosports ist ungleich länger.

Wer ihn erfunden hat, darüber streiten sich die Historiker. Gängige Meinung ist, dass der Sport irgendwo innerhalb der Grenzen des heutigen Irans, Afghanistans oder dem Norden Pakistans erfunden wurde. 600 Jahre vor Christus soll das gewesen sein. Davon zeugen uralte Gemälde von Menschen, die mit Stöcken in der Hand auf Pferden sitzen und damit einem Ball hinterherjagen. Die Bilder zeigen staubigen Boden; hier und da ist mal ein Büschel eines rauen Wüstengrases zu sehen, der Untergrund ist steinig.

Polo, wie es heute gespielt wird, hat damit nicht mehr viel zu tun. Das Spiel wird auf akkurat getrimmtem, saftig grünem Geläuf gespielt. In den Klubs geht es nobel zu. Eine bloße Übungsstunde im renommierten Londoner Ham Polo Club, acht Kilometer entfernt vom berühmten Hyde Park, kostet 120 Pfund, das sind 165 Euro. Bis zu vier Pferde braucht ein Spieler in einem einzigen Spiel. Wegen der schnellen Wendungen und der Größe des Spielfelds (270 Meter) sind die Pferde schnell erschöpft. Die meistens in Argentinien, einer Hochburg des Polosports, gezüchteten Pferde sind klein und wendig, haben einen kurzen Hals und Rücken.

Das Spiel hat eine Jahrhunderte lange Tradition. Im Regelwerk sind die alten Wurzeln des Sports noch heute erkennbar. Nach jedem Tor wechseln die Mannschaften die Seiten. Diese Regel stammt noch aus den Zeiten, als britische Soldaten das Spiel in den Kolonien spielten, wo die Sonne am Nachmittag tief stand und so eine der beiden Mannschaften benachteiligte.

Polo fand immer in der Mitte der Gesellschaft statt, aber früher war es eine andere als heute. Die alten Abbildungen zeigen Musiker, Trommler und Trompeter, gespielt wurde etwa im 16. und 17. Jahrhundert auf Marktplätzen. Weg von der großen Masse zog das Spiel bald engere Kreise. Neben dem Kaiserpalast in Konstantinopel soll es ein Polofeld gegeben haben. Heute gilt der Sport als das Spiel der Reichen, am Rande von Spielen tummeln sich Damen mit Hüten und feinen Kleidern.

In England hat der Sport sein Zuhause gefunden. Dorthin brachten es die britischen Besatzer um 1870 aus den Kolonien mit. Im Königshaus hat das Spiel eine lange Tradition. Die Prinzen Harry und William spielen, ihr Vater Charles sogar mehr als 40 Jahre lang. In England gibt es insgesamt rund 2000 Spieler. Der deutsche Verband zählt rund 400 Mitglieder in 35 Klubs. Polo ist der Sport eines erlesenen Kreises, sein Wesen hat ihn dazu gemacht.

Polo folgt seiner ganz eigenen Soziologie. Es ist schweißtreibend, aber weitgehend ohne Körperkontakt. Die Kleidung ist weiß, wie traditionell beim Tennis oder Golfen. Es gibt kaum Vollkontakte und Zweikämpfe wie beim Fußball. Der Sport vereint Kraft, Schnelligkeit und Technik. Es geht um Dynamik und Präzision, anstatt um rohe Zweikämpfe. Die Linie, entlang der der Ball geschlagen wird, bestimmt das Spielgeschehen. Sie darf nicht gekreuzt werden, damit es auf dem länglichen Feld nicht zu Zusammenstößen kommt. Das wäre wenig fein.

Quelle: RP
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