Krayzelburg nahm Mund zu voll: Davis schwimmt US-Rekord
zuletzt aktualisiert: 12.08.2000 - 16:02Indianapolis (dpa). Amerikas Schwimmstar Lenny Krayzelburg hat seinen Mund zu voll genommen. Die am Vortag von ihm bei den Trials in Indianapolis angekündigte Verbesserung des eigenen Weltrekordes über 100 m Rücken erwies sich als Sprechblase. Nachdem er im Semifinale die Bestzeit von 53,60 Sekunden nur um 7/100 Sekunden verpasst hatte, schlug er am Freitag (Ortszeit) als Sieger des Endlaufes erst nach 53,84 Sekunden am Beckenrand an.
Obwohl auch diese Zeit noch kein anderer Athlet in der Welt geschwommen ist, konnte der gebürtige Ukrainer dem Ausgang keine Freude abgewinnen. "Als ich die Zeit sah, war ich enttäuscht. Ich wollte den ersten Weltrekord der Trials und den Australiern verdeutlichen, dass wir für den Zweikampf bereit sind", ärgerte sich Krayzelburg, der 1995 in den USA eingebürgert wurde.
Er sei ein Opfer des "unglaublichen Anfangstempos" seines ärgsten Rivalen Neil Walker (Zweiter in 54,85) gewesen, der nach 50 Metern 38/100 Sekunden unter dem Weltrekord liegend bei 25,59 Sekunden wendete. Krayzelburg, der mit der fünfmaligen Olympiasiegerin Jenny Thompson vom TV-Sender NBC promotet wird, folgte 3/100 Sekunden später. Sein Trainer habe ihn noch davor gewarnt, mit Walker mitzuschwimmen, erzählte der 24-jährige Kalifornier. "Doch was willst du machen, wenn Adrenalin überläuft", entgegnete er. "Du siehst, wie der Gegner wegzieht, da musst du einfach hinterher. In jedem Fall war das eine gute Erfahrung."
Über die doppelte Distanz werde er sich ganz sicher nicht noch einmal so verleiten lassen, versicherte der Weltmeister und Weltrekordler über beide Rücken-Strecken. Mit einer Prognose über die Siegerzeit für das am Montag stattfindende Finale hält sich der Olympia-Favorit diesmal allerdings zurück. "Ich möchte mich bei dem fantastischen Publikum mit einer großartigen Leistung bedanken", meinte Krayzelburg nur, der als Neunjähriger im Armeesportklub seiner Geburtsstadt Odessa mit dem Schwimmtraining begonnen hatte.
Eine Bestmarke fiel aber auch am dritten Wettkampftag. Der dreimalige Staffel-Olympiasieger Josh Davis (Foto), der im September zum dritten Mal Vater wird, verbesserte im Finale über 200 m Freistil in 1:47,26 Minuten den zwölf Jahre alten US-Rekord von Matt Biondi um 46/100 Sekunden. Schneller als der 27-jährige, strenggläubige Texaner war in diesem Jahr nur der australische Weltrekordler Ian Thorpe mit 1:45,51 Minuten. "Jetzt möchte ich meine erste olympische Einzelmedaille gewinnen", raunte Davis dem fanatischen Publikum im wieder mit 4 561 Zuschauern ausverkauften "Natatorium" zu.
Olympiasiegerin Beth Botsford wird hingegen ihren Triumph von Atlanta nicht wiederholen können. Im Finale über 100 m Rücken, das Barbara Bedford in 1:01,85 Minuten gewann, kam sie in 1:02,81 Minuten nur auf den achten Rang. Die Staffel-Olympiasiegerin von 1992 und Weltmeisterin Lea Maurer verpasste als Drittplatzierte (1:02,25) gleichfalls die Olympia-Qualifikation. Als Letzte über 100 m Brust der Damen muss die Olympia-Zweite Amanda Beard (1:10,41 Minuten) ebenso zu Hause bleiben wie Weltmeisterin Kristy Kowal als Dritte (1:07,80). Es siegte Megan Quann in der Weltklassezeit von 1:07,26 Minuten vor Staciana Stitts (1:07,79).
Schwimmen in Zahlen
Männer:
200 m Freistil: 1. Josh Davis 1:47,26, Minuten 2. Scott Goldblatt 1:48,12 3. Chad Carvin 1:48,17 4. Klete Keller 1:48,31 5. Jamie Rauch 1:48,73 6. Nathaniel Dusing 1:48,99 7. Ugur Taner 1:49,00 8. Adam Messner 1:51,27
100 m Rücken: 1. Lenny Krayzelburg 53,84 Sekunden 2. Neil Walker 54,85 3. Randall Bal 55,09 4. Aaron Piersol 55,16 5. Marc Lindsay 55,79 6. Tate Blahnik 55,81 7. Brad Bridgewater 55,82 8. Matt Ulrickson 55,92
Frauen:
100 m Brust: 1. Megan Quann 1:07,26 Minuten 2. Staciana Stitts 1:07,79 3. Kristy Kowal 1:07,80 4. Amy Balcerzak 1:08,96 5. Kristen Woodring 1:09,51 6. Erin Sieper 1:10,04 7. Ashley Roby 1:10,25 8. Amanda Beard 1:10,41
100 m Rücken: 1. B.J. Bedford 1:01,85 Minuten 2. Courtney Shealy 1:02,05 3. Lea Maurer 1:02,25 4. Diana MacManus 1:02,33 5. Haley Cope 1:02,34 6. Denali Knap 1:02,46 7. Amanda Adkins 1:02,77 8. Beth Botsford 1:02,81
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