Israels Sportminister fordert zum "sportlichen Boykott Österreichs" auf: Davon könnte Qualifikation zur Fußball- Weltmeisterschaft 2002 betroffen sein
zuletzt aktualisiert: 08.02.2000Wien (dpa). Israels Sportminister Matan Vilnai hat zu einem weltweiten "sportlichen Boykott Österreichs als Reaktion auf die Regierungsbeteiligung der nationalistischen Partei Jörg Haiders" aufgerufen. Dies berichtete die Wiener Tageszeitung "Der Standard" in ihrer Dienstagausgabe. Vilnais Pressesprecherin bestätigte dem Blatt, dass man erwogen habe, die israelische Mannschaft von den Eiskunstlauf-Europameisterschaften in Wien abzuziehen. Michael Shmerkin war jedoch als Erster seines Team am Montag in der Herren- Qualifikation angetreten und hatte den elften Platz seiner Gruppe belegt.
Im Kurzprogramm der Paare gingen am Abend auch Line Haddad/Witali Lycenko aufs Eis und wurden 18. Gemeldet sind zudem im Eistanz Galit Chait/Sergej Sachnowsky. Sportminister Vilnai, so Delegationsleiter Jossi Goldberg, habe sich wegen eines Boykotts noch nicht an ihn gewandt. "Wir betreiben nur Sport, aber wir werden jede Entscheidung der Regierung respektieren", sagte er im israelischen Radio, verwies aber darauf, dass die EM von der Internationalen Eislauf-Union (ISU) veranstaltet werde und nur zufällig in Österreich stattfinde. Wenn es sich um eine österreichische Veranstaltung handeln würde, "hätte ich in der jetzigen Lage auf keinen Fall teilgenommen".
In einer offiziellen Mitteilung des Sportministeriums, so berichtete "Der Standard", rief Vilnai Sportminister in aller Welt auf, Österreich von internationalen Wettbewerben auszuschließen. Ähnlich wie es zu Apartheid-Zeiten mit Südafrika geschehen war. Über die Durchführbarkeit solch einer Maßnahme würde jedoch noch mit dem israelischen Außenministerium beraten.
Sevulun Orlev, der Vorsitzende des Ausschusses für Kultur, Erziehung und Sport im israelischen Innenministerium, unterstützt nach Angaben des Blattes die Initiative des Ministers. "Das Hauptziel ist nicht, dass Israel Österreich boykottiert, sondern die Österreicher aus jedem internationalen Rahmen zu entfernen. Man sollte zwar Sport und Politik trennen, aber der Sport soll Völkerfreundschaft symbolisieren, und Haiders rassistischer Zugang ist mit diesem Wert unvereinbar", sagte Orlev.
Von einem Boykott könnte auch die Qualifikation zur Fußball- Weltmeisterschaft 2002 betroffen sein, bei der beide Länder in eine Gruppe gelost wurden. "Ich hoffe, dass es nicht Israel sein wird, das nicht antritt, sondern Österreich", sagte Orlev.
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