Keine Experimente im Eishockey: DEL-Clubs verzichten auf spektakuläre Transfers
zuletzt aktualisiert: 28.08.2002 - 11:51München (rpo). Im Gegensatz zu früheren Jahren agierten die DEL-Clubs auf dem Transfermarkt diesmal mit gebremstem Schaum. Einen Fehlgriff kann und will sich im deutschen Eishockey niemand mehr leisten.
Der jahrelange Transfer-Wahn in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ist vorerst gestoppt. Vor der neunten Spielzeit in der Eliteklasse verzichteten die 14 Clubs auf Experimente und spektakuläre Verpflichtungen aus Übersee. Seit der Begrenzung auf maximal 13 ausländische Akteure pro Mannschaft sind die Vereine vorsichtiger geworden. Einen Fehlgriff will sich niemand leisten. "Die Gefahr, dass man bei einer Personalentscheidung daneben liegt, wiegt jetzt schwerer", beschrieb Marcus Kuhl, Manager von Vize- Meister Adler Mannheim, die neue Philosophie.
Vor dem Startschuss am 6. September wurde mehr als die Hälfte der Transfers (80 von 155) innerhalb der Liga vollzogen. Nur die Eisbären Berlin verpflichteten mit dem 33-jährigen Ricard Persson von den Ottawa Senators einen Spieler direkt aus der National Hockey-League (NHL). 16 weitere Akteure kamen aus unterklassigen Profi-Ligen der USA und Kanadas. Aus der schwedischen Liga heuerten neun Spieler an.
Mit Jean-Francois Jomphe, Francois Bouchard, Jason Ruff (alle ERC Ingolstadt), Thomas Sjögren und Greg Andrusak (beide Hamburg Freezers) und den Schweden Mikael Wahlberg und Lars Jansson (beide Kassel Huskies) kehren einige Akteure nach ein- oder mehrjähriger Unterbrechung auf deutsches Eis zurück. Auch Nationaltrainer Hans Zach setzt beim deutschen Meister Kölner Haie auf bekannte Gesichter. 13 der 14 "Neuen" spielten schon in der Bundesliga oder der DEL. Nur der Schwede Fredrik Nilsson kam von den Kloten Flyers aus der Schweiz an den Rhein.
Mit den Nürnberg Ice Tigers und dem ERC Ingolstadt haben nur zwei von 14 Clubs ihre Lizenzen vollständig an "Gastarbeiter" vergeben. Während Hamburg und die Iserlohn Roosters noch drei freie Stellen haben, sparen die restlichen Vereine mindestens eine Lizenz so lange wie möglich auf, um bei langwierigen Verletzungen vor dem Ende der Transferzeit am 31. Januar 2003 noch reagieren zu können.
Ohnehin ist das Angebot geschrumpft. "Der Markt ist nach dem 15. Juli wie leergefegt", sagte Spielerberater Klaus Weber. Der Spezialist für Nordeuropa-Importe registrierte vor allem vom neuen Club Hamburg Freezers, der die Lizenz der München Barons übernahm, und von den Frankfurt Lions verstärkte Nachfrage. "Jetzt muss man schon viel Glück und Kontakte haben, um ein Schnäppchen zu machen", meinte Mannheims Trainer Bill Stewart, der nach tagelangen Telefonaten in dem Norweger Anders Myrvold einen ehemaligen NHL- Spieler engagieren konnte.
Die Adler suchten dringend einen Nachfolger für Dennis Seidenberg (Philadelphia Flyers). Wie Nationalmannschafts-Kollege Christoph Schubert (Nürnberg Ice Tigers/Ottawa) wechselte der gebürtige Schwenninger in die NHL. Während die DEL ihre Aktivitäten dort einschränkte, hat die beste Liga der Welt den europäischen Markt für sich entdeckt. In Mannheim und Nürnberg waren die DEL-Finalisten des Jahres 1999 von der Nachfrage aus Nordamerika besonders betroffen. Nicht nur ihre Leistungsträger im Defensivbereich, sondern auch drei fest eingeplante Neuzugänge (Michel Picard/Nürnberg, Chris O'Sullivan und Cameron Mann/Mannheim) zog es trotz unterschriebener Verträge noch nach Übersee.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum











