Tanja Szewczenko und die allerletzte Chance: Der Verband hat die zahlreichen dubiosen Rückzieher satt
zuletzt aktualisiert: 04.01.2000Hamburg (sid) Die Zeit der Absagen und Ausflüchte ist für Tanja Szewczenko endgültig vorbei. "Sie hat in Berlin anzutanzen, andernfalls ist ihre Laufbahn abgeschnitten - mindestens für diese Saison", sagt Udo Dönsdorf, Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union (DEU), vor den nationalen Titelkämpfen am Wochenende in der Hauptstadt. Der Verband hat die zahlreichen dubiosen Rückzieher der EM-Dritten von 1998 während des laufenden Winters satt und will ihr keinerlei Extrawürste mehr braten.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser - nach diesem Motto hat die DEU mittlerweile ein Frühwarnsystem aufgebaut, das etwaige Trainingsschludrigkeiten aus dem Leistungszentrum Dortmund sofort der Verbandszentrale in München meldet. Dönsdorf: "Zuletzt gab es in der Vorbereitung keine Unregelmäßigkeiten mehr, wir hoffen auf Tanjas Start."
An internationale Erfolge ist nicht zu denkenDies aus sehr eigennützigen Motiven, denn nachdem bereits Titelverteidigerin Eva-Maria Fitze aus München krankheitsbedingt fehlt, hat die Baisse bei den deutschen Läuferinnen fast schon dramatische Züge angenommen, an internationale Erfolge ist überhaupt nicht zu denken. Die unbestrittenen sportlichen Fähigkeiten der 22-jährigen Szewczenko sind der einzige Hoffnungsschimmer, was bleibt, sind Zweifel an der Umsetzung.
Mutter Vera, in Ermangelung anderer Kandidaten in Personalunion auch Managerin ihrer kapriziösen Tochter, gibt sich vor den Meisterschaften im Erika-Hess-Eisstadion optimistisch: "Tanja weiß, dass sie in Berlin Leistung bringen muss. Ihre Sprünge klappen wieder gut, seit sie mit Spezialeinlagen läuft." Völlig überwunden sei ihre Entzündung im linken Fuß allerdings noch nicht.
Mittlerweile hegt Tanja sogar ein bisschen Verständnis für diejenigen, die nicht mehr an ihre Rückkehr in den Wettkampfsport glauben: "Es ist viel passiert, aber ich glaube an mich, das ist das Wichtigste. Ich weiß, dass ich das Potenzial habe." Abgerufen hat die Rheinländerin es zuletzt vor knapp zwei Jahren, als sie bei der EM in Mailand die Bronzemedaille gewann.
Peggy Schwarz und Mirko Müller vor HeimspielFast 24 Monate ist es auch her, dass die Berliner Peggy Schwarz und Mirko Müller bei den Weltmeisterschaften in Minneapolis Paarlauf-Bronze und damit die letzte internationale DEU-Medaille holten. Die Titelverteidiger stehen bei ihrem Berliner Heimspiel ebenso vor einer Wiederholung des Vorjahreserfolges wie die Eistänzer Kati Winkler und Rene Lohse, die zwar für den SC Berlin starten, aber seit Jahren im Leistungszentrum Oberstdorf leben und trainieren.
Ein Machtwechsel liegt hingegen bei den Herren in der Luft. Eine Innenbanddehnung im Knie behindert den Wahl-Füssener Andrejs Vlascenko bei der DM-Vorbereitung. Unabhängig davon konnte der Titelverteidiger im bisherigen Saisonverlauf nicht überzeugen. Ganz anders sein Herausforderer Stefan Lindemann aus Erfurt, der seine aktuell gute Form mit einem zweiten Platz beim Finale des Junioren-Grand-Prix in Danzig dokumentierte.
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