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Rio De Janeiro
Deutsche Goldjagd bei Paralympics

Rio De Janeiro. Am Dienstag starten in Rio de Janeiro die Spiele für behinderte Sportler. Nach dem Aus des Superstars Oscar Pistorius stehen ein halbes Dutzend Athleten im Fokus, die die Lücke füllen können. Darunter Markus Rehm, der fast Weltrekord springt. Von Holger Schmidt und Thomas Niklaus

Der eine hätte ihm fast den Olympia-Start nachgemacht, der andere könnte "sein" Gold gewinnen: Wenn bei den Paralympics in Rio de Janeiro (7. bis 18. September) ein Nachfolger für den gefallenen Superstar Oscar Pistorius (29) gesucht wird, hat Deutschland gleich in zweierlei Hinsicht heiße Eisen im Feuer.

Markus Rehm (28) dürfte neben dem ehemaligen Formel-1-Piloten Alex Zanardi (49) aus Italien der weltweit bekannteste Athlet dieser Spiele sein. Als Einziger hätte der Weitsprung-Weltrekordler das Potenzial gehabt, wie der wegen Mordes an seiner Freundin im Gefängnis sitzende "Blade Runner" Pistorius im Kreise der Nichtbehinderten mitzuhalten - mit seiner WM-Weite von Katar 2015 (8,40 m) hätte er in Rio sogar Olympia-Gold gewonnen.

Der Start blieb ihm verwehrt, weil Rehm in den Augen des Weltverbandes IAAF nicht nachweisen konnte, dass seine Prothese kein Vorteil ist. Da er eine Menge Aufmerksamkeit für sein Thema geweckt hat, sieht Rehm seine Mission dennoch als nicht unerfolgreich an. Für die Zukunft hofft er weiter auf Teilnahmen an Wettbewerben der Nichtbehinderten. "Das Buch ist noch nicht geschlossen", sagte er.

In Katar war Rehm im Vorjahr der Star der Spiele, auch bei einer Inspektion vor wenigen Monaten in Rio musste er noch eine halbe Stunde für Fotos posieren, während die Kollegen schon leicht genervt im Bus saßen. "Die letzten zwei Jahre waren nicht immer einfach, da bin ich ganz ehrlich", erklärte er auch. Doch in Rio ist sein Ziel klar: Zweimal Gold und möglichst nahe rankommen an die 8,40 m (Weltrekord: 8,95 m)

In Pistorius' Klasse über 400 m hoffen sogar zwei Deutsche auf das sonst für den Südafrikaner reservierte Gold. Favorit ist nach Doping-Disqualifikation des US-Amerikaners Blake Leeper (27) der Leverkusener David Behre (29), der in Katar schon gewann. Pistorius, der ihn zum Sport brachte und dem er sich freundschaftlich verbunden fühlte, habe "uns paralympischen Sportlern den Weg geebnet, ins mediale Interesse zu rücken", sagte Behre: "Auf diese Klasse schaut die Medienwelt besonders. Es heißt: Wer wird der Thronfolger? Und ich hoffe natürlich, dass ich das am Ende bin." Falls nicht, stünde auch sein Vereinskollege Johannes Floors bei seiner Paralympics-Premiere bereit. "Ich hoffe, dass ein Deutscher Pistorius' Nachfolger wird. Das wäre grandios", sagte der 21-Jährige, der mindestens als Medaillenkandidat gilt. Auch sonst hat Deutschland vor allem in der Leichtathletik bekannte Athleten. Ilke Wyludda (47) fehlt zwar verletzt, sie wäre die einzige Olympiasiegerin überhaupt im Feld gewesen. Doch Heinrich Popow (33), 100-m-Sieger von London und neuerdings Weitsprung-Weltrekordler, ist international schon eine Marke. Auch der kleinwüchsige Speerwerfer Mathias Mester (29), den man auch als Schauspieler sieht, die zuletzt sehr starke Weitspringerin Vanessa Low (26) oder die schon in London zweimal erfolgreiche Werferin Birgit Kober (45) sind schon über die Szene hinaus bekannt. Dies gilt auch für Radsportler Michael Teuber (48), Edina Müller (33, Rollstuhlbasketball), Andrea Eskau (45, Rad) und für Manuela Schmermund (44, Schießen).

Das WM-Qualifikationsspiel Norwegen - Deutschland war bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet.

(sid)
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