27:21 gegen WM-Dritten Jugoslawien: Deutsche Handballer feiern zweiten Sieg in der "Todesgruppe"
zuletzt aktualisiert: 27.01.2002 - 22:22Jönköping (rpo). Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat in der "Todesgruppe" ihren zweiten Sieg gefeiert und die Titelträume gewahrt. Gegen Jugoslawien kam das DHB-Team zu einem 27:21 (14:11)-Sieg und marschierte nach zwei Siegen und einem Remis in die Hauptrunde der fünften Europameisterschaft in Schweden.
"Das gibt uns eine Menge Selbstvertrauen. Das könnte die Initialzündung für einen Lauf sein", meinte Brand nach dem Sieg gegen Jugoslawien. Auch das Selbstvertrauen von DHB-Präsident Ulrich Strombach ist ungebrochen: "Ich bin nach wie vor überzeugt, dass wir den Titel gewinnen können, wenn wir nur fest daran glauben. Wir haben noch viel Potenzial und werden uns steigern."
Brand konnte auch die erschreckend schwache Angriffseffektivität von jeweils unter 50 Prozent aus den ersten beiden Spielen nicht aus der Ruhe bringen. "Je länger das Turnier dauert, umso sicherer werden wir. Dann nimmt auch unsere Torausbeute zu", prophezeite der 49 Jahre alte Gummersbacher: "Die Einstellung jedenfalls stimmt zu hundert Prozent".
Das war auch gegen Jugoslawien der Fall. Zwar zeigte die DHB-Auswahl wieder keine konstant gute Leistung, doch die Fortsetzung des Formanstiegs war unverkennbar. Beste Werfer waren der Lemgoer Florian Kehrmann (8) und der in Spiel zwei und drei überragende Stefan Kretzschmar (8/3).
Bislang konnte sich Brand, der an den drei hauchdünnen Viertelfinal-Pleiten bei den vergangenen vier Großveranstaltungen noch zu knabbern hat, aber vor allem auf eine stabile Deckung und den überragenden Torhüter Henning Fritz verlassen. Der 27-Jährige vom THW Kiel hat sich inzwischen zur Nummer eins gemausert und überzeugte mit Topquoten von knapp 50 Prozent.
Insbesonders in der für die vorzeitige Hauptrunden-Qualifikation entscheidenden Partie gegen den Olympiasieger von 1996 aus Kroatien am Samstag bewies der introvertierte Fritz (14 Paraden) kühlen Kopf. Die Nerven bewahrte in dem "Schlüsselspiel" auch Kretzschmar, der mit sieben Treffern zum Matchwinner avancierte und sich offensichtlich eine vom NBA-Star Dirk Nowitzki geschickte "Fan-e-mail" (Kretzschmar: "Darüber habe ich mich riesig gefreut") zu Herzen nahm.
Lemgoer Six-Pack kommt nicht auf Touren
Dagegen kam der als große Trumpfkarte gepriesene Lemgoer "Sixpack" im Angriff bislang noch nicht so recht auf Touren, obwohl Brand allein fünf Profis des Tabellenführers in seiner Startformation hat. "Wir wussten, dass es in der Vorrunde keinen Schönheitspreis zu gewinnen gibt. Für uns ist jetzt noch alles möglich", sagte Spielmacher Markus Baur aus Lemgo. Allen voran sein Klubkollege Volker Zerbe enttäuschte. Der Rückkehrer erzielte in den ersten beiden Begegnungen gegen Frankreich beziehungsweise Kroatien insgesamt nur zwei Tore.
Für den Bundestrainer war die Partie gegen den Olympiadritten bereits ein "richtungweisendes Endspiel", da die für die Hauptrunde qualifizierten drei Teams jeder der vier Vierergruppen nur die untereinander erspielten Punkte in die zweite Turnierphase mitnehmen - Deutschland also 3:1 Punkte.
Von Dienstag bis Donnerstag warten in Västeras in dem EM-Dritten Spanien, dem EM-Fünften Slowenien und dem WM-Elften Island vermeintlich leichtere Gegner als in der Vorrundengruppe. "Dort hat sich der Respekt der Mannschaften voreinander wiedergespiegelt. Das ist jetzt vorbei", erklärte Brand, der zuletzt aufgrund der Fehleranalysen "schlaflose Nächte" vor dem Videorekorder verbrachte.
Die beiden besten Teams der zwei Hauptrundengruppen spielen im Überkreuzmodus die Finalisten aus, die sich am 3. Februar im Endspiel in Stockholm gegenüberstehen. Um in der ausverkauften Globen Arena (13.800 Zuschauer) um den ersten Titel seit dem Gewinn der WM 1978 zu spielen, muss sich Deutschland aber noch erheblich steigern, "und zwar in einigen Bereichen", erklärte Brand, der seinen Einflussmöglichkeiten in punkto Chancenverwertung realistisch einschätzt: "Ich bin Trainer, kein Wunderheiler."
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