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Olympia: Deutsche Herren-Staffel holt Gold

zuletzt aktualisiert: 21.02.2006 - 13:29

Turin (rpo). Auf die deutschen Biathleten ist Verlass. Die "Goldgräber von San Sicario" holten bei den Olympischen Spielen bereits ihre vierte Goldmedaille. Nach den Erfolgen von Kati Wilhelm, Michael Greis und Sven Fischer siegte die deutsche Herren-Staffel über 4x7,5km. Es war das vierte Olympische Gold für die Skijäger nach 1992, 1994 und 1998.

The German biathlon 4x7.5km relay team  (L to R) Ricco Gross, Michael Roesch, Sven Fischer and Michael Greis lie in the Foto: AFP, AFP
The German biathlon 4x7.5km relay team (L to R) Ricco Gross, Michael Roesch, Sven Fischer and Michael Greis lie in the Foto: AFP, AFP

Das Quartett mit Ricco Groß, Michael Rösch, Sprintsieger Sven Fischer und 20-km-Gewinner Michael Greis als Schlussläufer siegte in der Loipe von Cesana San Sicario mit einem Vorsprung von 20,9 Sekunden vor Russland. Bronze ging an Frankreich, das sich in einem Fotofinish gegen Schweden durchsetzte.

Für Ricco Groß und Sven Fischer war es jeweils die insgesamt vierte olympische Goldmedaille. Nur Eisschnellläuferin Claudia Pechstein aus Berlin hat in der deutschen Olympia-Geschichte nach ihrem Sieg in der Teamverfolgung mit fünf Triumphen mehr Gold auf dem Konto. Die deutschen Biathleten feierten damit war es bereits der vierte Erfolg, für Deutschland Gold Nummer acht in Turin.

"Wir sind mit dem Höchsten belohnt worden, was man schaffen kann. Ich bin einfach nur überglücklich", sagte Ricco Groß nach dem wahrscheinlich letzten olympischen Rennen seiner Karriere. Der 35-Jährige aus Ruhpolding war jeweils als Startläufer bei allen vier deutschen Staffeln dabei, die Olympiagold gewannen. "Ich wollte unbedingt mit einer Medaille nach Hause fahren. Das es jetzt sogar Gold ist, steigert die Freude nur noch."

"Das war einer der schönsten Tage meiner Karriere. Da muss ich mich für ein paar Tränen nicht schämen. Das Rennen war Faszination pur, und ich kann nur den Hut vor der Klasse meiner Mannschaft ziehen", meinte Frank Ullrich, und sein Assistent Fritz Fischer kugelte sich vor Freude im Schnee. Der ansonsten so strenge Bundestrainer überraschte seine Goldjungen noch im Zielraum mit einem ungewöhnlichen Freibrief zur Party: "Heute wird gefeiert bis zum Abwinken. Zur Regeneration haben wir alle dann ja vier Tage Zeit.

Die später von Ullrich zu einer "großen Schlacht" erklärte Staffel näherte sich ihrem glücklichen Ende, als Schlussläufer Michael Greis in der letzten Kurve eine kleine deutsche Fahne in die Hand gedrückt bekam. "Mein Vorsprung war zwar nicht groß, aber ich habe gewusst, dass uns der Sieg nicht mehr zu nehmen ist, und ich Zeit für die Fahne habe", meinte Greis grinsend. Noch vor zwei Jahren beim WM-Staffelsieg in Oberhof war der Allgäuer beim Fahnenschwenken vor der Ziellinie gestolpert: "Die Fahne heute war aber auch viel besser, als der Riesenlappen damals."

Fischer jetzt viermaliger Champion

Das sich der in San Sicario zum Doppel-Olympiasieger (außerdem 20 km) gekrönte Greis überhaupt noch sputen musste, lag diesmal am mittlerweile viermaligen olympischen Champion (10 km 2006, Staffel 1994 und 1998) Sven Fischer, der im dritten Umlauf einmal in die Strafrunde einschwenken musste.

"Heute bin ich nicht der Superheld und werde nicht abheben. Ich bin heilfroh, dass es die anderen Drei rausgerissen haben. Aber selbst in der Strafrunde habe ich nie an unserem Sieg gezweifelt", schilderte Fischer die rennentscheidende Situation. "Ich bin ein Typ, der nie aufgibt. Ich renne dann, um den Fehler wieder wettzumachen."

Bis dahin hatten Groß und vor allem Youngster Michael Rösch in seinem ersten großen Rennen vorzügliche Arbeit abgeliefert und das deutsche Quartett bei Halbzeit bereits eine knappe Minute vor den mitfavorisierten Russen und Franzosen in Front gebracht. Als der 22 Jahre alte Rösch zweimal fehlerfrei beim Schießen durchgekommen war, hüpfte Ullrich hinter ihm wie Rumpelstilzchen. "Da gehört doch Mut dazu, auf so einen jungen Mann zu setzen", sagte der Coach.

Ullrich selbst hatte 1980 mit Rösch's Vater Eberhard in Lake Placid olympisches Staffel-Silber gewonnen. "Damals hat der Ebs als Schlussläufer eine Strafrunde geschossen. Ich habe den Michael heute früh noch in die Arme genommen und gescherzt: So wie Dein Vater damals machst Du es nicht . Michael hat Sensationelles geleistet."

Zu den Fans der in Italien überragenden deutschen Biathleten zählte neben Stammgast und IOC-Vize Thomas Bach ("Das war die richtige Mischung aus Jung und Alt. Ein großes Kompliment an die Trainer") erneut Jacques Rogge. "Beeindruckend, mit welcher Selbstverständlichkeit die deutschen Biathleten hier die Medaillen gewinnen", meinte der IOC-Präsident und erteilte den Skijägern den olympischen Ritterschlag: "Biathlon ist das Aufregendste, was es bei den Olympischen Winterspielen gibt."

Rogge bezog da nicht nur das turbulente Geschehen zwischen klarer deutscher Halbzeitführung und Spannung bis zum Schluss, sondern vor allem auch den packenden Zielspurt um Bronze mit ein. Schwedens Schlussläufer Carl Johan Bergman lag noch fünf Meter vor dem Ziel vor dem Franzosen Raphael Poiree, strauchelte dann beim Versuch eines Spagatschrittes und verpasste Bronze um eine Schuhlänge.


Biathlon, Männer, 4x7,5-km-Staffel in Cesana San Sicario:

Gold: Deutschland (Ricco Groß/Ruhpolding, Michael Rösch/Altenberg, Sven Fischer/Oberhof, Michael Greis/Nesselwang) 1:21:51,5 Std./1 Strafrunde)

Silber: Russland (Iwan Tscheresow, Sergej Tschepikow, Pawel Rostowtsew, Nikolai Kruglow) 0:20,9 Min. zur./0

Bronze: Frankreich (Julien Robert, Vincent Defrasne, Ferreol Cannard, Raphael Poiree) 0:43,6/0

4. Schweden (Jakob Borjesson, Bjorn Ferry, Mattias Nilsson, Carl Johan Bergman) 0:43,6/0
5. Norwegen (Halvard Hanevold, Stian Eckhoff, Frode Andresen, Ole Einar Björndalen) 1:12,1/2
6. Tschechien (Ondrej Moravec, Zdenek Vitek, Roman Dostal, Michal Slesingr) 1:12,5/1
7. Ukraine (Olexander Bilanenko, Andrej Derysemlja, Alexej Korobejnikow, Ruslan Lysenko) 1:48,9/1
8. Italien (Christian de Lorenzi, Rene Vuillermoz, Paolo Longo, Wilfried Pallhuber) 1:49,4/2
9. USA 2:31,9/1
10. Slowenien 3:09, 9/1
11. Weißrussland 3:12,6/1
12. Japan 3:24,1/2
13. Polen 5:05, 5/2
14. Slowakei 5:53,4/3
15. Estland 5:57,4/2
16. Lettland 6:19, 1/5
17. Österreich (Daniel Mesotitsch, Friedrich Pinter, Ludwig Gredler, Christoph Sumann) 6:34,9/1

Quelle: sid

 
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