Paralympics in Salt Lake City: Deutsche in überragender Form
zuletzt aktualisiert: 10.03.2002 - 20:21Salt Lake City (rpo). Deutschlands Wintersportler bleiben bei den Paralympics in Salt Lake City das Maß aller Dinge. Der Goldrausch an den ersten Wettkampftagen bei den Paralympics hat im deutschen Mini-Team große Erleichterung ausgelöst.
Der Oberhofer Thomas Oelsner und seine Vereinskameradin Verena Bentele haben bei den Paralympics in Salt Lake City bereits ihre zweite Goldmedaille gewonnen. Nach seinem Triumph vor zwei Tagen im Biathlon siegte Oelsner, dessen linker Arm gelähmt ist, in Soldier Hollow im Skilanglauf über 5 km klassisch in 12,49,0 Minuten. Der Kölner Axel Hecker (12:51,6) lief in der Schadensklasse LW 5/7, 6/8 auf den dritten Rang.
Verena Bentele, die ebenfalls im Biathlon den ersten Rang belegt hatte, setzte sich über die gleiche Distanz in der Blindenklasse B1 mit ihrem Begleitläufer Ralph Schmidt mit 15:52,7 Minuten durch.
Die erste deutsche Goldmedaille des Tages hatte der stark Sehbehinderte Frank Höfle (Isny) erkämpft. Der weltweit erfolgreichste behinderte Wintersportler siegte ebenfalls über 5 km klassisch mit seinem Begleitläufer Ulrich Zipfel in 12:20,6 Minuten vor dem Russen Nikolai Iljutschenko (12:46,1). Für Höfle war es das insgesamt elfte Gold bei den Winter-Paralympics. Außerdem triumphierte er 1992 in Barcelona bei den Sommer-Paralympics beim Straßenradsport im Tandem-Wettbewerb.
Weiteres Gold holten am Vortag der querschnittsgelähmte Martin Braxenthaler (Traunstein) und der armamputierte Gerd Schönfelder (Kulmain) mit ihren alpinen Abfahrts-Siegen. "Schon jetzt lässt sich sagen, dass unsere Konzeption aufgegangen ist. Die Wettbewerbe hätten nicht glanzvoller beginnen können", bilanzierte Chef de Mission Karl Quade hochzufrieden.
Mit acht Mal Gold, einmal Silber und drei Mal Bronze rangiert die 25-köpfige Mannschaft in der Medaillenwertung dort, wo sie auch nach Abschluss der neuntägigen Wettkämpfe liegen möchte: auf Platz eins. Das zu halten, wird jedoch schwierig, denn die USA (2/6/3) gehen allein mit 29 Startern in die 55 alpinen Wettbewerbe.
Die deutschen Alpinen, die sich mit der Rekordsumme von 200 000 Euro auf die Paralympics vorbereitet hatten, sind nach dem kapitalen Sturz von Draufgänger Thomas Mayer nur noch zu Elft vertreten. Der Kaufbeurer wurde auf dem Hochgeschwindigkeitskurs in Snwobasin Opfer seiner eigenen Renn-Philosophie: "No Risk, no Fun". Er brach sich das rechte Handgelenk. Die Paralympics sind für den querschnittsgelähmten Bayern beendet. "Es ist zum Heulen", sagte der Weltmeister im Super G mit feuchten Augen.
Vorzeitig aus der Mormonen-Metropole abreisen wird Mayer nicht. Er möchte miterleben, wie seine Team-Kameraden im Wilden Westen weiter für Furore sorgen. Nicht nur der nunmehr bereits siebenfache Paralympics-Champion Schönfelder und Braxenthaler sowie der gelähmte Markus Pfefferle (Schönenberg), der im Abfahrtslauf stehend Bronze gewann, sind heiß auf mehr Edelmetall und die damit verbundenen Prämien von 1800 Euro für Gold, 1200 Euro für Silber und 700 Euro für Bronze.
Die deutschen Leistungen fanden auch ihre Würdigung auf der Titelseite der Lokalzeitung "Deseret News". Das farbige Aufmacherfoto der Samstag-Ausgabe zeigte eine strahlende Verena Bentele mit ihrem jubelnden Begleitläufer Ralph Schmidt. "Jeder Euro ist allerbestens bei diesen Sportlern angelegt. Jeder gesunde Mensch sollte sich diese Athleten zum Vorbild nehmen", zeigte sich auch der einstige Amateur- Radweltmeister Gustav-Adolf Schur beeindruckt. Der mit einer Delegation des Sportausschusses des Bundestages in der Olympia-Stadt weilende PDS-Politiker empfindet die Winter-Paralympics noch faszinierender als jene im Sommer. "Kein Stuntman könnte seine Acts besser vorführen als die gehandicapten Alpinen", schwärmte "Täve".
Für negativen Diskussionsstoff sorgten bislang einzig zwei ukrainische Biathleten, die trotz Nandrolon-Dopings starten dürfen. Beide waren bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften am 13. Januar in Isny unangemeldet kontrolliert worden. Die ukrainische Team-Leitung berief sich bei ihrem Protest auf Verfahrensfehler, die bei den Tests aufgetreten seien, und kam damit bei der Anti-Doping-Kommission des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) durch.
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