Zur Olympia-Vorbereitung nach Japan: Deutsche Judokas wieder Spitze
zuletzt aktualisiert: 24.05.2000 - 11:12Wroclaw/Berlin (dpa). Knapp vier Monate vor den Olympischen Spielen in Sydney bleibt den deutschen Judokas kaum Zeit zum Feiern ihres Erfolges bei der Europameisterschaft. Nach dem Gewinn von sieben Medaillen in Breslau (Wroclaw) und der Titelverteidigung der Leipzigerin Katja Gerber steht fest: Sechs Männer und fünf Frauen können bei den Olympischen Spielen starten. Bereits am Freitag fliegt Männer-Trainer Dietmar Höttger mit seinen sechs Olympia-Kämpfern ins Trainingslager nach Japan.
"Der Aufwärtstrend ist unverkennbar. Über die Europameisterschaft wird in zwei Wochen zwar keiner mehr reden, aber sie hat gezeigt, wir können wieder um Medaillen kämpfen, und wir fahren nach Sydney als Mannschaft, nicht als Splittergruppe", sagte Höttger, dessen Athleten bei der zurückliegenden EM und der Weltmeisterschaft vor einem Jahr ohne zählbaren Erfolg geblieben waren. Nun droht, dass sie den Anschluss an die Spitze verlieren. Höttger hofft dennoch: "Ziel ist, auch bei den Spielen aufs Treppchen zu kommen."
Diesem Vorhaben will der erfahrene Trainer in Tenri in der Nähe von Osaka näher kommen. Mit dem Vize-Europameister Daniel Gürschner (Cottbus) und dem zweifachen EM-Dritten Frank Möller (Berlin) nimmt er den Schwung des gerade erkämpften Erfolgs mit in die Olympia- Vorbereitung. "Wir wurden in Japan immer sehr offen empfangen, die Gastgeber haben keine Geheimnisse vor uns und trainieren gemeinsam mit uns." Höttger erhofft sich zudem von dem dreiwöchigen Aufenthalt weitere Aufschlüsse über die asiatische Konkurrenz: "Während unseres Aufenthaltes finden in Osaka die Asienspiele statt. Ich werde mir mit meinen Olympia-Startern natürlich einen großen Teil der Kämpfe ansehen."
Frauentrainer Norbert Littkopf zieht es in der Olympia- Präparation auch nach Nippon. Die Frauen haben allerdings einen anderen Vorbereitungs-Rhythmus gewählt und reisen später an. Der Leipziger Trainer hatte seine bereits vor der EM für Olympia qualifizierten Damen nicht mit zu den Titelkämpfen genommen und anderen eine internationale Chance eingeräumt. "Ich wollte den Stress von ihnen nehmen." Deshalb betrachtet er das Resultat von Breslau auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Wir sind auf Position drei in Europa eingekommen, aber gerade in den beiden Klassen, wo eine Medaille für das fehlende Olympia-Ticket nötig war, fehlte das letzte Quäntchen Glück. Wir wären sonst mit einer kompletten Staffel in Sydney dabei gewesen."
Raffaella Imbriani aus Ettlingen und die Berlinerin Karoline Kubatzki hatten sich nach längerer Verletzungspause in der europäischen Rangliste wieder so weit nach vorn gearbeitet, dass ein Medaillen-Gewinn das Ticket bedeutet hätte. "Sie waren so nah dran. Beide haben ihre Kämpfe um die Bronzemedaille nur ganz knapp verloren", ärgerte sich Trainer.
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