8. Junioren-Weltmeisterschaften in Santiago de Chile: Deutsche Junioren wollen mehr Medaillen als Olympia-Leichtathleten
zuletzt aktualisiert: 16.10.2000 - 12:50Santiago de Chile (dpa). Die größte Talentschau der olympischen Kernsportart geht gut zwei Wochen nach Sydney über die Bühne: Bei den 8. Junioren-Weltmeisterschaften in Santiago de Chile sind von Dienstag bis Sonntag 1 349 Leichtathleten aus 152 Ländern am Start - darunter sogar drei Medaillengewinner von Australien: Polens Hammerwurf-Olympiasiegerin Kamila Skolimowska, die Sprintfavoritin Verona Campbell aus Jamaikas Silber-Staffel und Enefiok Udo-Ubong, der mit Nigeria über 4 x 400 m Zweiter wurde.
"152 Länder - eine größere Beteiligung haben in der gesamten Sportwelt nur die Olympischen Spiele und unsere Weltmeisterschaften für Männer und Frauen", betonte Lamine Diack (Senegal), der Präsident des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF). "Ich bin sicher, dass auch diesmal unter den Teilnehmern einige Athleten sind, die in vier Jahren Olympiasieger werden." Schließlich stiegen unter anderen 800-m-As Nils Schumann (Großengottern), 1 500-m-Läufer Noah Ngeny (Kenia), 400-m-Hürdenläufer Angelo Taylor (USA) und Dreispringerin Tereza Marinowa (Bulgarien) vier Jahre nach ihrem Auftreten bei der Junioren-WM '96 zu Olympiasiegern auf.
Die deutschen Junioren, die seit dem 11. Oktober in der chilenischen Hauptstadt trainieren, wollen mehr Edelmetall sammeln als die Olympia-Mannschaft. "Wir hoffen auf sechs bis acht Medaillen, zehn wären ein Traumergebnis", meinte Cheftrainer Wolfram Ruth. Einziger DLV-Spitzenreiter in der derzeitigen Junioren-Weltrangliste ist Zehnkämpfer Dennis Leyckes. Der 18-jährige Uerdinger sammelte im August in Val de Reuil 7 802 Punkte. Vielleicht ist es ein gutes Omen, dass der junge Rheinländer eine "südamerikanische Vergangenheit" hat: Sein Vater, der 1973 Zweiter der Junioren-EM war, wurde vor 25 Jahren Militärweltmeister - in Rio de Janeiro.
Von den drei deutschen Junioren-Weltmeisterinnen von Annecy 1998 flog nur Geherin Sabine Zimmer nach Chile. Die seit 1999 in Erfurt beim einstigen Weltklasse-Langstreckler Siegfried Herrmann trainierende Potsdamerin hätte sich für Sydney qualifiziert, wenn nicht die IAAF die Teilnahme im 20 km Gehen auf mindestens 20 Jahre alte Athletinnen beschränkt hätte. Hammerwurf-Titelverteidiger Bianca Achilles (Leverkusen) musste wegen eines Fußbruchs verzichten, Stabhochspringerin Monika Götz (Fürth) kam zu spät in Form.
Die dreifache Junioren-Europameisterin Sina Schielke (Dortmund), die mit Rücksicht auf ihre Medaillenchance in Chile auf ihre Olympiateilnahme verzichtet hat, wird sich auf 200 m und die Sprintstaffel beschränken. Wolfram Müller (Pirna), der 1999 sein Ausnahmetalent als 5000-m-Junioren-Europameister bewies, sucht dieses Mal seine Chance über 1 500 m.
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