Eiskunstlauf-WM: Deutsche krasse Außenseiter
zuletzt aktualisiert: 18.03.2001 - 16:28Vancouver (rpo). Wenn am Montag die Weltmeisterschaften der Eiskunstläufer beginnen, gehen die deutschen Teilnehmer ohne große Erwartungen in die Wettbewerbe. Einzig und allein Stefan Lindemann, nach einer schweren Fußverletzung rechtzeitung wieder fit, wird der internationale Durchbruch zugetraut.
"Ich traue ihm viel zu, denn im vergangenen Jahr hat er sich brillant vorgestellt", sagt DEU-Sportdirektor Udo Dönsdorf. Doch Platz 14 wie vor einem Jahr in Nizza wäre zu wenig, denn nur eine Top Ten-Platzierung garantiert dem Verband zwei Startplätze für Olympia in Salt Lake City 2002.
Die Spiele in rund elf Monaten hat der 20 Jahre alte Erfurter im Hinterkopf, denn spätestens dort will er mit einem vierfachen Toeloop in die Weltspitze springen. Im Eiskunstlauf-verrückten Kanada, wo die WM mit täglich 15 000 Eintrittskarten schon lange ausverkauft ist, muss Lindemann zeigen, wie gut er mit Druck umgehen kann. Im Kampf um das einzige Flugticket zeigte er sich vorher schon souverän: Bei einem Ausscheidungswettkampf ließ er den EM-Sechsten Andrejs Vlascenko (Füssen) locker hinter sich. Trainerin Ilona Schindler bestätigt, dass Lindemann in entscheidenden Situationen die Nerven behält: "Er ist ein Wettkampftyp."
Pluschenko immer vor Jagudin
Darum geht es auch im russischen Duell zwischen Titelverteidiger Alexej Jagudin und Europameister Ewgeni Pluschenko. Pluschenko hat in dieser Saison alle Wettbewerbe gegen Jagudin gewonnen, doch unvergessen ist das Desaster von Nizza, als den blonden Russen der Mut verließ und er nicht einmal Bronze holte.
Die zweite russische Goldmedaille wird vermutlich an Irina Slutskaja gehen, denn Vorjahreschampion Michelle Kwan (USA) war ihr schon beim Grand Prix-Finale unterlegen. Einzige DEU-Teilnehmerin ist Susanne Stadlmüller (Stuttgart), die als EM-Zwölfte bei ihrem WM- Debüt nur eine Nebenrolle spielen wird. "Wir wollen sie nicht unter Druck setzen, auch wenn sie ein großes Talent ist", sagt DEU- Präsidentin Angela Siedenberg über die erst 16-Jährige.
Auch Winkler/Lohse ohne Medaillenchance
Den dritten Winter ohne Edelmetall werden auch die Tänzer Kati Winkler/Rene Lohse nicht verhindern können. "Sie haben sich zwar verbessert, aber auch die Konkurrenz hat nicht geschlafen", meint Sportdirektor Dönsdorf. Platz sieben ist den Berlinern in der festen Eistanz-Hierarchie so gut wie sicher. Spannung verspricht der Kampf um Platz eins in der Welt, denn nach ihrem Sturz bei der EM wollen die französischen Weltmeister Marina Anissina/Gwendal Peizerat den Italienern Barbara Fusar-Poli/Maurizio Margaglio nicht noch einmal das Feld überlassen.
Auch im Paarlauf ist der Titel heiß umkämpft: Holen sich die im Vorjahr wegen Doping suspendierten Russen Jelena Bereschnaja/Anton Sicharulidse ihre Goldmedaille von 1999 zurück, oder schlagen die Kanadier Jamie Jale/David Pelletier vor heimischem Publikum die Favoriten? Für Mariana Kautz/Norman Jeschke geht es dagegen darum, eine durch Verletzungen verpatzte Saison einigermaßen gut abzuschließen. Nach Rang zwölf bei der EM wird es für das junge Berliner Paar schwer werden, den elften Platz aus dem Vorjahr zu verteidigen.
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