Schlechtes Abschneiden bei Klassiker-WM: Deutsche Ringer verharren in der Zweitklassigkeit
zuletzt aktualisiert: 22.09.2002 - 12:09Moskau (rpo). Bei der Klassiker-WM in Moskau haben die deutschen Ringer erneut einen Nachweis ihrer mangelnden Klasse erbracht. Auch am Sonntag blieben die Deutschen ohne Medaillengewinn. Damit wartet der Deutsche Ringer-Bund (DRB) seit zwei Jahren auf Edelmetall.
Die Erfolglosigkeit ist kein neues Gefühl für den DRB, der nun schon seit über zwei Jahren auf einen Medaillengewinn bei einer Großveranstaltung wartet. Zuletzt gab es 2000 vor Olympia in Sydney bei der EM Edelmetall für den einst so erfolgreichen Verband.
Am Sonntag waren auch die beiden letzten im Wettbewerb verbliebenen DRB-Athleten, Konstantin Schneider (KSV Köllerbach/74 kg) und Mirko Englich (KSV Witten/96 kg), im Viertelfinale gescheitert. Bundestrainer Lothar Ruch zog deshalb ein ernüchterndes Fazit über die momentane Leistungsfähigkeit seiner Schützlinge. "Wir sind ohne große Erwartungen nach Moskau gefahren. Wir wollten jungen Leuten eine Chance geben. Aber es waren noch viele Defizite erkennbar", meinte der Coach.
Ruch machte im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2004 in Athen eine klare Ansage: "Die Weltmeisterschaften in Moskau standen auf hohem Niveau und waren für uns eine Art Vor-Qualifikation für die nächste WM. Im nächsten Jahr geht es um die Olympia-Plätze. Meine Forderung an die Athleten ist klar. Sie müssen sich die Grundlagen in der Bundesliga holen. Dort müssen die Kräfte konzentriert werden. Wer dann die Grundlagen nicht mitbringt, hat den Zug verpasst."
Schneider der einzige Lichtblick
Der einzige Lichtblick im deutschen Team war Schneider. Der 27-Jährige musste zwar im Viertelfinale eine Schulterniederlage gegen den Ukrainer Woldomir Schatskich hinnehmen, dennoch war der Bundestrainer mit ihm zufrieden. "Konstantin hat seine Chance genutzt und kann noch weiter nach vorne kommen", meinte Ruch. Den ebenfalls in der Runde der letzten acht ausgeschiedenen Englich (0: 3 nach Verlängerung gegen den Bulgaren Ali Mollow) sah der Coach immerhin "im Rahmen seiner Möglichkeiten".
Die anderen fünf deutschen Starter, Alfred Ter-Mkrtchyan (55 kg), Jurij Kohl (beide KSV Köllerbach/60 kg), Eduard Kratz (RKG Freiburg/66 kg), Kai Dittrich (VfK Schifferstadt) und Nico Schmidt (Luckenwalder SC/120 kg), waren bereits in der Vorrunde gescheitert. Vor allem Ter-Mkrtchyan ("Sein Ausscheiden ist mir unerklärlich"), Dittrich ("Solche Kämpfe darf man nicht verlieren") und Schmidt ("Ein Ausfall") dürften bei Ruch keine guten Karten mehr haben.
Auch Ex-Weltmeister Thomas Zander, der mittlerweile den deutschen Mannschaftsmeister KSV Aalen trainiert und als Beobachter nach Moskau gereist war, zog eine realistische Bilanz: "Momentan ist bei den meisten unserer Athleten das Potenzial eben begrenzt, deshalb sind sie auch ein gutes Stück von der Weltspitze entfernt."
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