Hackl wirft Fehdehandschuh: Deutsche Rodler verängstigen Konkurrenz
zuletzt aktualisiert: 11.11.2001 - 11:50Calgary/Leipzig (rpo). Georg Hackl hat mal wieder gezeigt, wo der Hammer hängt. Gleich zu Beginn des olympischen Winters warf er den Fehdehandschuh und versetzte die Konkurrenz in Angst und Schrecken.
Der dreimalige Olympiasieger aus Berchtesgaden sorgte beim Weltcup-Auftakt der Rodler in Calgary nicht nur für seinen 24. Sieg in dieser seit 25 Jahren stattfindenden Rennserie, er vervollständigte auch den kompletten Erfolg der Schützlinge von Bundestrainer Thomas Schwab.
Zuvor hatten Sylke Otto (Oberwiesenthal), Silke Kraushaar (Oberhof) sowie Barbara Niedernhuber (Königssee) die Frauen- Konkurrenz unter sich ausgemacht und die Doppel Patric Leitner/Alexander Resch (Königssee/Berchtesgaden) und Andre Florschütz/Torsten Wustlich (Oberhof/Oberwiesenthal) den Kontrahenten die Schlittenenden gezeigt. Da auch Karsten Albert (Oberhof) bei den Männern auf Rang zwei einkam, blieben der internationalen Gegnerschaft nur zwei Podestplätze bei der Auftaktveranstaltung.
"Die deutsche Übermacht ist schon wieder beängstigend", sprach der zweimalige Weltmeister Markus Prock (Österreich) als Dritter der Männer-Konkurrenz für die Rodel-Weltfamilie. Gegen einen im ersten Durchgang wie entfesselt fahrenden Hackl hatte auch Prock keine Chance. "Bei Schorsch weiß man seit Jahren, dass er auf dieser Bahn immer hervorragende Fahrten hinlegen kann", meinte er und zollte dem 35-jährigen Bayern uneingeschränkten Respekt für dessen Bahnrekord von 44,677 Sekunden im ersten Lauf.
"Der war einfach super, im zweiten habe ich aber gleich oben einen dicken Patzer gehabt. Immer, wenn ich schlecht in einen Olympia- Winter gestartet bin, wurde ich doch noch Olympiasieger. Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen für Salt Lake City." Nun ist "Turbo- Schorsch" gespannt, wie seine zwei neuen Schlitten bei der internationalen Trainingswoche von Montag an auf der Olympia-Bahn funktionieren. "Dafür habe ich sie gebaut, dort müssen sie abgehen. Alles andere ist nur zweitrangig", zog er die Euphorie-Bremse.
Das tat auch Karsten Albert, die neue Nummer zwei im deutschen Lager. "Natürlich ist das ein Auftakt nach Maß. Aber wenn ich mich nicht für Salt Lake City qualifizieren kann oder dort nur hinterher fahre, nutzt mir dieses Ergebnis überhaupt nichts. Also lautet das Motto: Immer schön weiter kämpfen", sagte der Thüringer.
Mit dem 27. Weltcup-Sieg nacheinander seit Dezember 1997 haben die deutschen Frauen ihren Nimbus der Unschlagbarkeit untermauert. Erneut fuhr Weltmeisterin Sylke Otto allen anderen in Calgary auf und davon, und dies mit gebrochenem rechten Mittelfuß. "Das behindert mich im Rennen nicht", wiegelte die Sächsin ab. Olympiasiegerin Silke Kraushaar wusste auch, warum die im fränkischen Zirndorf lebende Otto so gut ist: "Für solche Gleiterbahnen hat sie einfach das richtige Gefühl im Hintern. Meine Läufe dagegen waren einfach noch zu eckig", sagte die Oberhoferin.
Den Frust von der Seele fuhren sich Leitner/Resch, die die vergangene WM im Februar an gleicher Stelle in den Sand gesetzt hatten. "Jetzt ist der erste Druck erst einmal weg. Wenn man wie wir drei gleich starke Doppel hat und nur zwei zu den Olympischen Spielen dürfen, kannst du ganz schnell blöd aus der Wäsche gucken, wenn die nötigen Punkte fehlen. Jetzt haben wir wenigstens schon eine Hausnummer", betonte "Pilot" Leitner.
Herren, Endstand nach zwei Läufen:
1. Georg Hackl (Berchtesgaden) 1:29,894 Minuten (44,677/Bahnrekord+45,217 Sekunden),
2. Karsten Albert (Oberhof) 1:29,977 (44,834+45,143) 3. Markus Prock (Österreich) 1:30,177 (44,989+45,188) 4. Armin Zöggeler (Italien) 1:30,397 (45,128+45,269) 5. Rainer Margreiter (Österreich) 1:30,676 (45,261+45,415) .... 10. Dennis Geppert (Oberwiesenthal) 1:30,849 11. David Möller (Oberhof) 1:30,849 (45,488+45,406) ... 14. Robert Fegg (Königssee) 1:31,138 (45,587+45,551)
Gesamtweltcup (Erstes von sieben Rennen)
1. Hackl 100 Punkte 2. Albert 85 3. Prock 70
Damen, Endstand nach zwei Läufen: 1. Sylke Otto (Oberwiesenthal) 1:28,724 Minuten (44,160/Bahnrekord+44,564 Sekunden) 2. Silke Kraushaar (Oberhof) 1:29,075 (44,326+44,749) 3. Barbara Niedernhuber (Königssee) 1:29,102 (44,367+44,735) 4. Becky Wilczak (USA) 1:29,648 (44,736+44,912) 5. Angelika Neuner (Österreich) 1:29,694 (44,728+44,966), 6. Anke Wischnewski (Oberwiesenthal) 1:29,698 (44,851+44,847)
Gesamtweltcup (Erstes von sieben Rennen) 1. Otto 100 Punkte 2. Kraushaar 85 3. Niedernhuber 70
Doppelsitzer, Endstand nach zwei Läufen: 1. Patric Leitner/Alexander Resch (Königssee/Berchtesgaden) 1:28,644 Minuten (44,186/Bahnrekord+44,458 Sekunden) 2. Andre Florschütz/Torsten Wustlich (Oberhof/Oberwiesenthal) 1:28,830 (44,387+44,443) 3. Mark Grimmette/Brian Martin (USA) 1:28,863 (44,419+44,444)
Gesamtweltcup (Erstes von sieben Rennen) 1. Leitner/Resch 100 Punkte 2. Florschütz/Wustlich 85 3. Grimmette/Martin 70
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