Die Behles kommen:: Deutsche Skilangläufer stürmen in die Weltspitze
zuletzt aktualisiert: 15.01.2001 - 13:24Heber City (dpa). Läppische zwei Zehntelsekunden haben Manuela Henke gefehlt, um nach 13 Jahren mit dem ersten Weltcupsieg einer deutschen Skilangläuferin die olympische Generalprobe zu krönen. Doch auch der zweite Rang der Oberhoferin im Sprint-Wettkampf am Sonntag auf den terrassenförmigen Loipen von Soldier Hollow versetzte das Team des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) in ein unerwartetes Stimmungshoch, nachdem zuvor Rene Sommerfeldt im gleichen Wettbewerb der Männer als Fünfter eingekommen war. "Das war zum Abschluss noch einmal ein richtiger Hammer", entfuhr es Weltcup-Koordinator Jochen Behle, der hernach zufrieden resümierte: Der neuntägige Trip nach Übersee mit den fünf Rennen habe sich absolut gelohnt.
Auf der Habenseite stehen schließlich auch Rang drei und vier von Sommerfeldt (Oberweißenbrunn) und Ron Spanuth (Ruhla) über 30 km in freier Technik, der vierte Rang von Sommerfeldt über 15 km klassisch sowie bei den anderen Frauen und Männern weitere Punktezuwächse in den Weltcup-Wertungen. Die Ausbeute bewerte er nicht über, sagte Behle, da einige Läufer aus der Weltklasse hatten auf den letzten Wettkampftest vor den Olympischen Winterspielen im nächsten Jahr verzichtet. Trotzdem ändere das nichts an seiner Feststellung: "Wir haben jetzt die stärkste Mannschaft seit der Wiedervereinigung."
Die Behles kommen, lässt sich in Abwandlung des vor 21 Jahren kreierten TV-Bonmots "Wo ist Behle?" ohne Übertreibung sagen. Dafür stehen insgesamt zehn einstellige Platzierungen nach der Hälfte der zwanzig Weltcuprennen - eine bislang unerreichte DSV-Bilanz.
Den spürbaren Aufschwung nur mit der Umorientierung im Übungssystem - weg von Auswahl-Lehrgängen hin zu umfangreicherem Stützpunkttraining - zu erklären, wäre zu simpel. Im Mittelpunkt des seit gut einem Jahr eingeschlagenen Ausbildungsprozesses stehe der selbstständige, kritische Athlet, mit dem er sich offen und ehrlich über alles unterhalten kann, erklärte Behle einen Teil seiner Erfolgs-Philosophie. Zudem legt der einstige Rebell, der sich in seiner 20-jährigen Karriere fast immer als Einzelkämpfer durchschlug, besonderen Wert auf eine harmonisierende Mannschaft.
"Wir haben eine junge, eingeschworene Truppe, so wie ich es nie kennen gelernt habe. Die Gruppendynamik nicht zu nutzen, wäre doch unklug", betonte Behle, der sich 1998 nach der sechsten Olympia- Teilnahme von den Schneepisten verabschiedet hatte. Zum neuen Handeln gehöre aber ebenso, dass die 20, 21, 22 Jahre alten Talenten, die bei Junioren-Weltmeisterschaften mehrfach Titel und Medaillen erliefen, genügend Zeit für den Wechsel in den Hochleistungsbereich bekommen, "um nicht wie bislang, frühzeitig verheizt zu werden".
Die Zusammenarbeit mit den Trainern in den Zentren in Oberhof, Oberwiesenthal und Ruhpolding funktioniere hervorragend. Die meisten Defizite gibt es beim technischen Personals. Besserung ist wegen der begrenzten finanziellen Mittel nicht zu erwarten. Dennoch reisen die 13 nach den deutschen Meisterschaften am Wochenende in Zwiesel nominierten Langläufer optimistischer denn je in vier Wochen zum WM- Championat nach Lathi. Nicht nur der sich daheim vorbereitende Sprintspezialist Peter Schlickenrieder (Hirschau) liebäugelt mit einem Platz auf dem Siegerpodest. Sollten sie erfolglos zurückkehren, wäre das nicht tragisch, so Behle. Die Programme sind auf die WM 2005 in Obersdorf und die Winterspiele ausgerichtet. Da müsse dann einges kommen, betonte er. Denn dann sind alle im besten Leistungsalter.
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