Fünf DTB-Cracks in der zweiten Runde: Deutsche Spieler starteten erfolgreich in die US Open
zuletzt aktualisiert: 29.08.2000 - 16:00New York (dpa/sid). Thomas Haas legte vor - und angeführt vom neuen Hoffnungsträger Alexander Popp zogen bei den US Open am ersten Tag gleich vier deutsche Tennis-Profis mit Siegen nach. Im Schatten der souveränen Publikumslieblinge Venus Williams und Andre Agassi gaben am Montag bei den US Open auch die zuletzt viel gescholtenen deutschen Spieler beim Start ins letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres ein erfreuliches Bild ab. Neben Haas und Popp überstanden auch Jana Kandarr, Rainer Schüttler und Jens Knippschild die erste Runde.
Grund zum Ärgern gab es in New York dennoch. Nach seinem gelungenen Comeback knöpfte sich Haas Kritiker Niki Pilic vor. "Es gibt immer wieder Leute, die etwas von sich geben müssen, um in die Zeitung zu kommen", bemerkte Haas nach seinem 6:3, 6:1, 6:1-Erfolg gegen den Briten Jamie Delgado über den ehemaligen Daviscup-Kapitän: "Mich interessiert nur, dass ich wieder gesund bin."
Pilic hatte den Jungstars Nicolas Kiefer und Haas vorgeworfen, "zu satt zu sein" und nicht mit der Konsequenz eines Boris Becker dem ganz großen Erfolg nachzujagen. "Letztes Jahr haben Nicolas und ich ganz gut gespielt und zu den Top Ten gehört", hielt Haas dem Vorwurf entgegen. Zum großen Wurf habe ihm bislang noch die Reife gefehlt. "Ich denke, dass ich mein bestes Tennis erst mit 25 spielen werde."
Die ständige Vergleichsgröße Becker mag nicht nur Haas ("Boris ist in Deutschland ein Tennis-Gott") nicht mehr hören. Sie findet auch Rainer Schüttler falsch. "Was war denn vor Boris und Steffi Graf? Man will alles immer damit vergleichen, aber das macht keinen Sinn", sagte der Bad Homburger, der nach dem 7:6 (7:4), 6:2, 6:4-Erfolg gegen den Kanadier Sebastien Lareau in Runde zwei Gegner von Haas sein wird: "Natürlich ist Prestige dabei. Tommy ist Nummer zwei in Deutschland und ich will natürlich gewinnen."
Beim ersten großen Auftritt nach Wimbledon weckte "shooting star" Alexander Popp neue Hoffnungen. Mit 6:3, 6:4, 7:6 (7:2) fertigte er den Tschechen Jiri Vanek bei seinem US-Open-Debüt ab und freute sich danach bereits auf das Spiel gegen Jewgeni Kafelnikow. Der Russe entkam gegen den Bulgaren Orlin Stanojtschew nach 0:2-Satzrückstand nur haarscharf einem Erstrunden-K.o. "Für mich ist dieses Match eine große Herausforderung", meinte Zwei-Meter-Riese Popp.
Jana Kandarr (Heidelberg), die 6:3, 2:6, 6:4 gegen Brie Rippner (USA) gewann, und Jens Knippschild hießen die weiteren deutschen Sieger am Tag eins. Der Oberhausener schlug den Briten Barry Cowan 6:4, 6:3, 6:3. Als Verlierer gingen nur Qualifikantin Greta Arn (Benrath) und der Münchner Markus Hantschk vom Feld.
Favoritenstürze gab es nicht. Andre Agassi und Pete Sampras gewannen ihre Auftaktspiele ebenso ohne Satzverlust wie die großen Rivalinnen Martina Hingis und Venus Williams. Die Wimbledonsiegerin, die es seit Montag wie Schwester Serena nach Art der "Barbie-Puppe" zu kaufen gibt, erhöhte ihre Siegesserie mit einem 6:3, 6:4 gegen Anne-Gaelle Sidot (Frankreich) auf 20.
Der riesige Wirbel um die Williams-Schwestern, die ganz Tennis- Amerika im Finale gegeneinander spielen sehen will, geht Martina Hingis mächtig auf die Nerven und stachelt die Schweizerin besonders an. In New York will die Weltranglisten-Erste es den Power-Girls zeigen und die Rangordnung wieder zurecht rücken, die für sie eigentlich gar nicht in Frage gestellt ist: "Ich habe fünf Grand- Slam-Titel, Venus und Serena jeweils einen. Beide sind in meinem Alter, also war ich bisher besser als sie. Die Konstanz entscheidet darüber, wer die Nummer eins ist, nicht wer gerade die meisten Turniere gewinnt, am härtesten auf den Ball haut oder den schnellsten Aufschlag hat."
Eklat bei Arthur-Ashe-Feierstunde
Während der Enthüllungszeremonie einer Statue des an den Folgen der Immunschwäche Aids gestorbenen ehemaligen Wimbledonsiegers Arthur Ashe ist es am Rande der US Open zu einem Eklat gekommen. Emily Moore, Executive Director der "Alliance Junior Tennis League" des New Yorker Stadtteil Brooklyns, unterbrach die Feierstunde, um immer wieder ihren Unmut über das Porträt des nackt skulptierten farbigen Tennisstars kundzutun.
"Was sollen denn unsere Kinder denken? Er sollte bekleidet sein oder zumindest Bücher oder ein Kind im Arm tragen", meinte Emily Moore. Die Präsidentin des amerikanischen Tennisverbandes "United States Tennis Association" (USTA), Judy Levering, würdigte das Werk dagegen als "provokativ, aber elegant".
Arthur Ashe hatte 1975 auf dem "heiligen Rasen" von Wimbledon triumphiert, als er im Finale seinen US-Landsmann Jimmy Connors besiegte.
Hingis-Fan muss im Gefängnis bleiben
Ein kroatischer Tennis-Verrückter muss in Miami/USA vorerst im Gefängnis bleiben, weil er sich die nächsten zwei Jahre nicht von der Schweizer Weltranglisten-Ersten Martina Hingis fernhalten will.
Dubravko Rajcevic (45) war am 30. März dieses Jahres am Rande des Turniers von Key Biscayne wegen Belästigung der 19-jährigen Schweizerin verhaftet worden. Gegen eine Geldstrafe von 1.000 Dollar wurde er auf freien Fuß gesetzt, am 1. April jedoch erneut verhaftet, weil er entgegen der Auflagen das Tennis-Turnier zum zweiten Mal besuchte.
Zwar wollten ihn die US-Behörden nun aus dem Gefängnis entlassen, aber Rajcevic weigerte sich, die geforderte Erklärung zu unterschreiben, dass er Hingis in den nächsten zwei Jahren fernbleiben werde.
"Martina würde das nicht wollen", erklärte der 45-Jährige, der von den Gerichtsärzten als "vermutlich schizophren" eingestuft wurde. Der "Fall Rajcevic" soll am 18. September in Miami vor Gericht abschließend verhandelt werden.
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