Hannah Stockbauer erobert Gold und Bronze: Deutscher Abschied mit Medaillen-Flut
zuletzt aktualisiert: 29.07.2001 - 13:40Fukuoka (rpo). Mit jeder Menge Medaillen haben sich Deutschlands Schwimmer von Fukuoka verabschiedet. Die erst 19 Jahre alte Hannah Stockbauer eroberte beim Schlussakkord über 1500 m ihren zweiten Titel sowie Bronze über 400 m und ist mit zwei Mal Gold und je einmal Silber und Bronze erfolgreichste deutsche Schwimmerin seit Kristin Otto 1988.
Silber holte die Lagen-Staffel der Männer, Bronze gab es am letzten Juli-Wochenende auch noch für Sandra Völker und Antje Buschschulte.
Zehn Monate nach der Pleite von Sydney hat sich das deutsche Team mit Disziplin und einem neuen Wir-Gefühl in der Weltspitze zurück gemeldet und kann Olympia 2004 in Athen voller Zuversicht ansteuern. "Auf die Jugend lässt sich bauen. Und die Alten kämpfen wieder vorne mit", stellte Cheftrainer Ralf Beckmann voller Stolz fest, "wir haben uns wieder Respekt verschafft, wir sind wieder wer." Der Geist von Fukuoka macht Mut.
Drei Mal Gold, sechs Mal Silber und sechs Mal Bronze bedeuten für den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) die beste WM-Schwimm-Bilanz seit zehn Jahren und Platz drei in der Welt hinter Australien (13-3-3-) und den USA (9-9-8).
Der unumstrittene Star war Ian Thorpe. Der 18-jährige Australier ist mit sechs Mal Gold in Fukuoka und insgesamt neun Titeln erfolgreichster WM-Schwimmer der Geschichte. Sieben Titel wollte er, aber über 100 m Freistil zeigte er ein einziges Mal Nerven und wurde nur Vierter. Vier Mal schwamm er Weltrekord. Den Schlusspunkt setzte Thorpes Team-Kollege Grant Hackett in 14:34,56 Minuten als Sieger über 1500 m Freistil mit Fukuoka-Weltrekord Nummer 8. Getrübt wurde die WM nur durch den unsäglichen Skandal um die nicht immer korrekt arbeitende Zeitmessanlage und willkürliche Resultatskorrekturen.
Hannah Stockbauer ist Gold wert. In der Europarekordzeit von 16:01,02 Minuten holte sich die Erlangenerin nach ihrem Triumph über 800 m und Staffel-Silber auch den erstmals vergebenen Titel über 1500 m Freistil: "Ich bin über mich selbst überrascht und glücklich, dass es so gut gelaufen ist." Sie war "platt". Über 400 m reichte es am Tag danach sogar noch zu Bronze. "Jetzt ist die Sammlung komplett." Nach getaner Arbeit wollte sie "erst einmal ausschlafen". Beckmann prophezeit ihr eine große Zukunft: "Es spricht sehr, sehr viel dafür, dass sie sich sehr lange da oben halten wird." Die Schülerin weiß, "dass der Druck jetzt größer wird. Aber damit kann ich schon besser umgehen als noch vor einen Jahr". Hannah Stockbauer ist nach dem Ausfall von Franziska van Almsick die neue Hoffnungsträgerin.
Auch Antje Buschschulte machte ihre Medaillen-Kollektion komplett: Gold mit der Staffel, Silber über 50 m Rücken und zum Abschluss Bronze über 100 m Rücken. "Das ist farblich doch sehr schön", sagte die 22 Jahre alte Studentin. Sie war einfach "erleichtert". Nach vielen Tiefen ist die 22-Jährige eine feste Größe - auch für Athen 2004. Sandra Völker freute sich über Bronze über 50 m Freistil hinter ihrer früheren Hamburger Trainingspartnerin Therese Alshammar und der Niederländerin Inge de Bruijn, die zu ihrem dritten Titel schwamm: "Es hat Spaß gemacht."
Die Lagenstaffel mit Steffen Driesen, Jens Kruppa, Thomas Rupprath und Torsten Spanneberg gewann nach der Disqualifikation der USA Silber hinter Australien. Der überragende Berliner Schlussmann Spanneberg gab sich bescheiden: "Ich hatte ein bisschen Vorsprung und musste das nur nach Hause schwimmen." Antje Buschschulte, Simone Weiler, Annika Mehlhorn und Katrin Meißner schwammen mit Europarekord (4:03,06) auf Platz vier.
Hobby-Rennfahrer Mark Warnecke gab über 50 m Brust im Halbfinale in 27,59 Sekunden mit Europarekord richtig Gas. Im Finale aber kam der 31-jährige in 27,93 nur auf Platz 5. Weltmeister Oleg Lisogor aus der Ukraine "raubte" Warnecke in 27,52 auch noch den Europarekord.
DSV-Präsidentin Christa Thiel zog ein "total positives Fazit". Um auch in Zukunft an der Weltspitze mithalten zu können, machten sie und Cheftrainer Beckmann im Glanz der Medaillen schon einmal klar: "Wir brauchen mehr Geld."
Ergebnisse:
MÄNNER:
1500 m Freistil: 1. Grant Hackett (Australien) 14:34,56 Minuten (Weltrekord); 2. Graeme Smith (Großbritannien) 14:58,94; 3. Alexej Filipets (Russland) 15:01,43; 4. Igor Tscherwinski (Ukraine) 15:06,13; 5. Chris Thompson (USA) 15:07,67; 6. Massimiliano Rosolino (Italien) 15:10,54; 7. Craig Stevens (Australien) 15:15,02; 8. Nicolas Rostoucher (Frankreich) 15:18,89
50 m Schmetterling: 1. Geoff Huegill (Australien) 23,50 Sekunden (Halbfinale: 23,44/Weltrekord); 2. Lars Frölander (Schweden) 23,57 (Europarekord); 3. Mark Foster (Großbritannien) 23,62; 4. Roland Schoeman (Südafrika) 23,76; 5. Ian Crocker (USA) 23,85; 6. Ewout Holst (Niederlande) 23,99; 7. Tero Välimaa (Finnland) 24,10; 8. Thomas Rupprath (Wuppertal/Uerdingen) 24,16; im Vorlauf ausgeschieden: ... 25. Fabian Friedrich (Eschborn) 24,59
50 m Brust: 1. Oleg Lisogor (Ukraine) 27,52 Sekunden (Europarekord); 2. Roman Sludnow (Russland) 27,60; 3. Domenico Fioravanti (Italien) 27,72; 4. Anthony Robinson (USA) 27,73; 5. Mark Warnecke (Essen) 27,93 (Halbfinale: 27,59/Europarekord); 6. Ed Moses (USA) 28,02; 7. Darren Mew (Großbritannien) 28,05; disqualifiziert: James Gibson (Großbritannien)
400 m Lagen: 1. Alessio Bogiatto (Italien) 4:13,15 Minuten; 2. Erik Vendt (USA) 4:15,36; 3. Tom Wilkens (USA) 4:15,94; 4. Susumu Tabuchi (Japan) 4:18,05; 5. Justin Norris (Australien) 4:18,56; 6. Brian Johns (Kanada) 4:19,75; 7. Curtis Myden (Kanada) 4:19,80; 8. Jiro Miki (Japan) 4:23,11
4 x 100 m Lagen: 1. Australien (Matt Welsh, Regan Harrison, Geoff uegill, Ian Thorpe) 3:35,35 Minuten; 2. Deutschland (Steffen Driesen/Wuppertal, Jens Kruppa/Riesa, Thomas Rupprath/Wuppertal, Torsten Spanneberg/Berlin) 3:36,34; 3. Russland (Wladislaw Aminow, Dimitri Komornikow, Wladislaw Kulikow, Dimitri Tschernischew) 3:37,77; 4. Kanada 3:38,23; 5. Ungarn 3:38,29; 6. Japan 3:38,92; disqualifiziert: USA, Niederlande
Springen, Turm: 1. Liang Tian (China) 688,77 Punkte; 2. Alexandre Despatie (Kanada) 670,95; 3. Mathew Helm (Australien) 670,23; 4. Jose Guerra Oliva (Kuba) 659,40; 5. Jan Hempel (Dresden) 608,88; 6. Jia Hu (China) 604,59; 7. Heiko Meyer (Dresden) 586,86; 8. Mark Ruiz (USA) 584,10; 9. Eduardo Rueda (Mexiko) 561,54; 10. Igor Lukaschin (Russland) 553,77; 11. Christopher Kalec (Kanada) 534,75; 12. Erick Fornaris Alvarez (Kuba) 513,03
FRAUEN:
50 m Freistil: 1. Inge de Bruijn (Niederlande) 24,47 Sekunden; 2. Therese Alshammar (Schweden) 24,88; 3. Sandra Völker (Hamburg) 24,96; 4. Alison Sheppard (Großbritannien) 25,00; 5. Tammie Stone (USA) 25,10; 6. Haley Cope (USA) 25,25; 7. Katrin Meißner (Berlin) 25,40; 8. Elena Poptschenko (Weißrussland) 25,73
400 m Freistil: 1. Jana Klotschkowa (Ukraine) 4:07,30 Minuten; 2. Claudia Poll (Costa Rica) 4:09,15; 3. Hannah Stockbauer (Erlangen) 4:09,36; 4. Irinia Ufimtsewa (Russland) 4:10,17; 5. Hua Chen (China) 4:10,37; 6. Camelia Potec (Rumänien) 4:11,67; 7. Carla Geurts (Niederlande) 4:13,04; 8. Alicia Bozon (Frankreich) 4:15,21
1500 m Freistil: 1. Hannah Stockbauer (Erlangen) 16:01,02 Minuten (Europarekord); 2. Flavia Rigamonti (Schweiz) 16:05,99; 3. Diana Munz (USA) 16:07,05; 4. Amanda Pascoe (Australien) 16:16,80; 5. Rebecca Cooke (Großbritannien) 16:20,15; 6. Kaitlin Sandeno (USA) 16:28,91; 7. Sachiko Yamada (Japan) 16:34,43; 8. Nayara Ribeiro (Brasilien) 16:40,37; im Vorlauf ausgeschieden: ... 13. Peggy Büchse (Rostock) 16:38,23
100 m Schmetterling: 1. Petria Thomas (Australien) 58,27 Sekunden; 2. Otylia Jedrczejczak (Polen) 58,72; 3. Junko Onishi (Japan) 58,88; 4. Mary Descenza (USA) 59,30; 5. Johanna Sjöberg (Schweden) 59,43; 6. Shelly Ripple (USA) 59,67; 7. Vered Borochovski (Israel) 59,75; 8. Natalia Sutiagina (Russland) 1:00,00 Minuten
100 m Rücken: 1. Natalie Coughlin (USA) 1:00,37 Minuten; 2. Diana Mocanu (Rumänien) 1:00,68; 3. Antje Buschschulte (Wuppertal/Uerdingen) 1:01,42; 4. Nina Schiwanewskaja (Spanien) 1:01,75; 5. Mai Nakamura (Japan) 1:01,80; 6. Sarah Price (Großbritannien) 1:01,82; 7. Hanae Ito (Japan) 1:02,40; 8. Ilona Hlavackova (Tschechien) 1:02,60
4 x 100 m Lagen: 1. Australien (Dyana Calub, Leisel Jones, Petria Thomas, Sarah Ryan) 4:01,50 Minuten; 2. USA (Natalie Coughlin, Megan Quann, Mary Descenza, Erin Phenix) 4:01,81; 3. China (Shu Zhan, Xuejuan Luo, Yi Ruan, Yanwei Xu) 4:02,53; 4. Deutschland (Antje Buschschulte/Wuppertal, Simone Weiler/Heidelberg, Annika Mehlhorn/Baunatal, Katrin Meißner/Berlin) 4:03,06 (Europarekord); 5. Japan 4:06,44; 6. Großbritannien 4:06,66; 7. Russland 4:07,58; 8. Kanada 4:08,10
Springen, 3-m-Brett: 1. Jingjing Guo (China) 596,67 Punkte; 2. Irina Laschko (Australien) 552,39; 3. Julia Pachalina (Russland) 543,54; 4. Vera Ilina (Russland) 541,35; 5. Anna Lindberg (Schweden) 530,10; 6. Tania Cagnotto (Italien) 503,73; 7. Ditte Kotzian (Berlin) 498,99; 8. Irina Wigusowa (Kasachstan) 495,15; 9. Xiaoqiao Liang (China) 494,55; 10. Emilie Heymans (Kanada) 494,01; 11. Chantelle Michell (Australien) 475,62; 12. Hanna Sorokina (Ukraine) 452,67
Rekorde:
Weltrekorde:
Männer:
200 m Freistil: Ian Thorpe (Australien) 1:44,06
400 m Freistil: Ian Thorpe (Australien) 3:40,17
800 m Freistil: Ian Thorpe (Australien) 7:39,16 1500 m Freistil: Grant Hackett (Australien) 14:34,56
100 m Brust: Roman Sludnow (Russland) 59,94
50 m Schmetterling. Geoff Huegill (Australien) 23,44
200 m Schmetterling: Michael Phelps (USA) 1:54,58 4x200 m Freistil: Australien 7:04,66
Europarekorde:
50 m Brust: Mark Warnecke (Essen) 27,59
50 m Brust: Oleg Lisogor (Ukraine) 27,52
50 m Schmetterling: Mark Foster (Großbritannien) 23,66
50 m Schmetterling: Lars Frölander (Schweden) 23,57
200 m Schmetterling: Franck Esposito (Frankreich) 1:55,03
50 m Rücken: Thomas Rupprath (Wuppertal) 25,31 4x100 m Freistil: Niederlande 3:14,56 4x200 m Freistil: Italien 7:10,86
Deutsche Rekorde:
100 m Freistil: Torsten Spanneberg (Berlin) 49,40
100 m Freistil: Torsten Spanneberg (Berlin) 49,35
Frauen:
Europarekorde: 1500 m Freistil: Hannah Stockbauer (Erlang.) 16:01,02
50 m Brust: Zoe Baker (Großbritannien) 31,23
200 m Schmetterling: Annika Mehlhorn (Baunatal) 2:06,97 4x100 m Freistil: Deutschland 3:39,58 4x100 m Lagen: Deutschland 4:03,06
Medaillenspiegel
61 Entscheidungen
Land Gold, Silber, Bronze
1. Australien 13 4 6 2. China 10 6 4 3. USA 9 9 8 4. Russland 6 8 7 5. Italien 6 2 4 6. Deutschland 4 7 8 7. Niederlande 3 5 1 8. Ukraine 3 1 1 9. Schweden 1 3 2 10. Großbritannien 1 2 4 11. Japan 1 1 7 12. Kanada 1 1 3 13. Rumänien 1 1 2 14. Ungarn 1 1 1 15. Spanien 1 - - 16. Frankreich - 2 1 17. Mexiko - 2 - 18. Österreich - 2 - 19. Island - 1 1 20. Schweiz - 1 -
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