Jana Kandarr erhält Wild-Card: Deutsches Tennis-Sextett nach Sydney
zuletzt aktualisiert: 03.08.2000 - 16:24Hamburg (dpa). Überraschend kämpft ein deutsches Tennis-Sextett um die olympischen Medaillen. Dank einer "Wild Card" darf Jana Kandarr als zweite deutsche Spielerin neben Anke Huber in Sydney aufschlagen. "Zu erwarten war das nicht. Aber es ist einfach super", freute sich Bundestrainer Markus Schur. Für die 23-jährige Kandarr, die gerade das Abitur gebaut hat und am Donnerstag bei einem Provinz- Turnier in Ettenheim in der Nähe von Freiburg im Einsatz war, erfüllte sich ein Traum, den sich ihre Mutter Petra Vogt nicht erfüllen konnte. Die Sprint-Europameisterin von 1969 verletzte sich vor den Spielen in München und musste passen. Ihre Rivalin Renate Stecher holte 1972 das Gold.
Nach dem Gunstbeweis für Kandarr sind die deutschen Frauen bei den Spielen immerhin mit zwei Einzelspielerin und einem Doppel dabei. Im Männerwettbewerb treten erwartungsgemäß Nicolas Kiefer (Holzminden), Thomas Haas, David Prinosil und Rainer Schüttler (Bad Homburg) an. Im Doppel schlägt der Amberger Prinosil, der in Atlanta an der Seite von Marc-Kevin Goellner immerhin Bronze gewann, mit dem in Florida lebenden Haas auf. Wimbledon-Viertelfinalist Alexander Popp (Mannheim) steht als Ersatzmann parat.
Athleten aus 39 Ländern haben sich direkt für den olympischen Tennis-Wettbewerb qualifiziert. Nach den Absagen der Superstars Martina Hingis (Schweiz), Anna Kurnikowa (Russland) und Pete Sampras (USA) erfüllten sich die schlimmsten Befürchtungen nicht. "Das ist das stärkste Olympia-Feld aller Zeiten", freute sich Francesco Ricci Bitti, der Präsident des Weltverbandes ITF, nach der Bekanntgabe der von den NOK's vorgenommenen Nominierungen.
Mit den Amerikanern Andre Agassi und Lindsay Davenport sowie den Australiern Todd Woodbridge und Mark Woodforde sind vier Olympiasieger von Atlanta auch in Sydney am Start. "Für mich sind die Olympischen Spiele das Herz des Sports", erläuterte Multimillionär Agassi den Stellenwert auch für Profisportler.
Immerhin 17 der besten 20 Spieler der Welt nehmen nach den US Open in New York (28. August bis 10. September) die beschwerliche Reise ans andere Ende der Welt in Kauf. Von den Top Ten fehlen lediglich Sampras und der verletzte Franzose Cedric Pioline.
Mit Gustavo Kuerten (Brasilien), den Schweden Magnus Norman und Thomas Enqvist, dem Chilenen Marcelo Rios, den Russen Jewgeni Kafelnikow und Marat Safin, Ex-Weltmesiter Alex Corretja und Newcomer Juan Carlos Ferrero (beide Spanien) sowie den Australiern um Patrick Rafter sind aber viele weitere Tennis-Prominente am Start.
Die Damen dagegen machen sich rarer. Neben der Weltranglisten- Ersten Martina Hingis fehlen aus der aktuellen Top Ten auch French- Open-Gewinnerin Mary Pierce und Nathalie Tauziat (beide Frankreich). Ebenfalls nicht um olympisches Einzel-Gold darf US-Open-Gewinnerin Serena Williams streiten. Der Weltranglisten-Siebten wurden die vor ihr platzierten Landsfrauen Lindsay Davenport, Venus Williams und Monica Seles vorgezogen. Im Doppel ist Serena Williams an der Seite ihrer Schwester Venus aber dabei. Die Williams-Sisters wollen dann in die Fußstapfen von Gigi und Mary Joe Fernandez treten, die in Barcelona und Atlanta die Goldmedaille für die USA gewannen.
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